Zahl und Brutalität der Verbrechen stieg stark
Aktualisiert

Zahl und Brutalität der Verbrechen stieg stark

Am Dienstag veröffentlichten die Kantone Zürich, Genf und Schaffhausen ihre Daten zur Kriminalität im vergangenen Jahr, die eine Zunahme schwerer Delikte aufweisen. Dabei scheint auch die Gewalt unter Jugendlichen zuzunehmen.

«Die Gewaltspirale dreht sich weiter», bilanzierte Marcel Suter, Chef der Spezialabteilung 2 der Kantonspolizei Zürich am Dienstag vor den Medien. Bei einer relativ moderaten Zunahme der Gesamtkriminalität im Kanton von 1,6 Prozent wurden 2004 effektiv 4.677 Gewaltdelikte rapportiert, das sind 27,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 3,5 Prozent hätten die Gewaltdelikte einen bislang nie erreichten Anteil an der Gesamtzahl der Straftaten auf Kantonsgebiet erreicht, sagte Suter. Auf 987 mehr als verdoppelt hat sich die Anzahl schwerer Gewaltdelikte gegen Leib und Leben, das heisst Tötungsdelikte, Körperverletzung und Tätlichkeiten.

Hauptgrund für diese explosionsartige Zunahme ist das seit vergangenem 1. April angewandte neue Gesetz zu den Offizialdelikten. Die Polizei muss seither von Amtes wegen auch in Fällen häuslicher Gewalt tätig werden, das heisst bei Körperverletzung, Tätlichkeiten im Wiederholungsfall, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. 1.246 mal musste die Kantonspolizei 2004 wegen häuslicher Gewalt ausrücken. Dabei wurden 2.176 Straftaten registriert, 54 Prozent mehr als 2003.

Suter hielt aber fest, dass die Gewaltzunahme auch auf eine allgemein gesunkene Konfliktschwelle zurückzuführen sei. Zudem gebe es Ausländergruppen, welche Konflikte eher mit Fäusten und Waffen als mit Worten lösten. Sechs von zehn schweren Delikten gegen Leib und Leben wurden 2004 von Ausländern verübt. Insgesamt nahm der Ausländeranteil an den Gesamtdelikten aber um 1,4 auf 47,3 Prozent ab. Kritisch sei weiterhin die Tendenz der Jugend, Konflikte mit Gewalt zu lösen. 59 schwere Delikte wurden 2004 gezählt, fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

Auch Genf stellte eine Zunahme der Delikte gegen Leib und Leben fest. Die Anzahl Körperverletzungen nahm im Vorjahresvergleich um einen Viertel zu. Der Genfer Polizeichef Urs Rechsteiner nannte den Anstieg alarmierend.

Den Trend zu mehr Gewalt bei der Jugend bestätigte gleichentags die Schaffhauser Polizei bestätigt. Die Zunahme des Tatbestands der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sei mit weit über 200 Prozent besonders massiv, hiess es. Die absolute Anzahl solcher Fälle war in den Angaben nicht enthalten. Die Schaffhauser Polizei schreibt die Zunahme unter anderem den vermehrten Auftritten der autonomen Szene und den Fussball-Hooligans zu.

(dapd)

Deine Meinung