Grenzübergang Koblenz: «Zahle 100 Franken Busse, um meinen Sohn zu sehen»

Aktualisiert

Grenzübergang Koblenz«Zahle 100 Franken Busse, um meinen Sohn zu sehen»

Nachdem Markus Grosskreuz seinen Sohn in Deutschland besucht hat, wurde er am Zoll gebüsst. Das Bussgeld hält den Vater nicht davon ab, weiter zu seinem Sohn zu fahren.

von
Qendresa Llugiqi
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Markus Grosskreuz (39) aus Bad Zurzach hat am Freitag seinen neunjährigen Sohn im deutschen Lauchringen besucht.

Markus Grosskreuz (39) aus Bad Zurzach hat am Freitag seinen neunjährigen Sohn im deutschen Lauchringen besucht.

zvg
Bei der Rückreise in die Schweiz wurde er am Zoll Koblenz mit einer Ordnungsbusse in Höhe von 100 Franken bestraft.

Bei der Rückreise in die Schweiz wurde er am Zoll Koblenz mit einer Ordnungsbusse in Höhe von 100 Franken bestraft.

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Von Bussen will sich Grosskreuz jedoch nicht stoppen lassen. Er will seinen Sohn weiterhin mindestens einmal pro Woche besuchen.

Von Bussen will sich Grosskreuz jedoch nicht stoppen lassen. Er will seinen Sohn weiterhin mindestens einmal pro Woche besuchen.

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«Wie soll ich meinem neunjährigen Sohn erklären, dass ich ihn nicht mehr besuchen darf?», fragt Markus Grosskreuz (39) aus Bad Zurzach. Der Heilerziehungspfleger ist enttäuscht: Nachdem er seinen Sohn am Freitag im deutschen Lauchringen besucht hat, wurde er am Zoll Koblenz mit 100 Franken gebüsst.

«Seit meine Frau und ich uns letztes Jahr getrennt haben und ich in die Schweiz gezogen bin, habe ich meinen Sohn regelmässig zu mir genommen oder besucht – auch jetzt während der Corona-Krise. Bisher konnte ich immer problemlos hin- und zurückfahren», sagt der Deutsche, der seit 13 Jahren in der Schweiz arbeitet und eine Aufenthaltsbewilligung B besitzt. Bei der Ausreise sei er bisher auf der deutschen Seite lediglich nach seinem deutschen Personalausweis gefragt worden und bei der Einreise zurück in die Schweiz nur danach, wo er gewesen sei.

«Als Vater habe ich eine Betreuungspflicht»

Ein Zollbeamter habe ihm erklärt, dass sich die Bestimmungen seit rund einer Woche geändert hätten und Grenzübertritte zum Besuch seines eigenen Kindes nicht mehr erlaubt seien. «Ich verstehe das nicht», sagt Grosskreuz. «Es ist traurig, einem kleinen Menschen so etwas zuzumuten. Mein Sohn kann die die Situation nicht ganz verstehen. Abgesehen von der Besuchs-Thematik habe ich als getrennt lebender Vater ausserdem auch eine Betreuungspflicht. Und nun werde ich gebüsst, wenn ich diese erfüllen will?»

Seine Ex-Frau habe es ihm überlassen, ob er das Risiko weiterhin eingehen möchte. Von der Busse will sich Grosskreuz aber nicht aufhalten lassen: «Nun werde ich halt jeweils 100 Franken zahlen, um meinen Sohn zu sehen. Er ist es mir wert. Aber natürlich kann ich nicht so oft hin, wie ich möchte, weil es sich schon recht summiert.» Deshalb falle auch der Besuch am Sonntag aus. «Dafür werden wir aber per Videochat telefonieren.»

Zweck der Reise wird berücksichtigt

Wie Einreise, Durchreise und Ausreise während der Corona-Krise geregelt sind, steht in der COVID-19-Verordnung 2 des Bundesrats, die seit Mitte März gilt. Grundsätzlich wird Personen mit einem Schweizer Aufenthaltstitel die Einreise in die Schweiz gestattet. Beim Grenzübertritt wird insbesondere der Zweck der Reise berücksichtigt, wie es auf der Webseite «Geöffnete Grenzübergänge» der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) heisst. Wer die Bedingungen vorsätzlich missachtet, wird gebüsst oder angezeigt.

«Wird im Ausland eingekauft, Besuche getätigt oder anderen Freizeitaktivitäten nachgegangen, verhält man sich nicht im Sinne der bundesrätlichen Massnahmen. Diese Tätigkeiten werden deshalb durch die Eidgenössischen Zollverwaltung unterbunden», sagt Sprecher Matthias Simmen. Verstösse gegen diese Anordnungen werden mit einer Busse in der Höhe von 100 Franken bestraft.

Höhere Bussen bei wiederholten Verstössen

Falls sich eine Person nicht einsichtig zeige und wiederholt vorsätzlich die Bedingungen missachte, könnten weitere Massnahmen folgen, so Simmen: «Es kann so weit gehen, dass bei wiederholten Verstössen gegen die Anordnung höhere Bussen ausgesprochen werden.»

Es gehe bei den Bussen nicht darum, die Leute zu schikanieren, so Simmen weiter. «Die Massnahmen dienen dem Schutz der Bevölkerung in der Schweiz. Damit soll verhindert werden, dass sich das Corona-Virus weiter ausbreiten kann.»

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