Deutsche sind neidisch - Zahlen, Massnahmen, Aussichten – so anders regelt die Schweiz Corona
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Deutsche sind neidischZahlen, Massnahmen, Aussichten – so anders regelt die Schweiz Corona

Deutsche Journalisten schwärmen vom «Corona-Paradies Schweiz». Das sind die wesentlichsten Unterschiede im Vergleich zu unserem Nachbarland.

von
Katja Fässler
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Maskenpflicht gilt an öffentlichen Orten in Deutschland wie auch in der Schweiz. 

Maskenpflicht gilt an öffentlichen Orten in Deutschland wie auch in der Schweiz.

Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Schweizer Schulkinder dürfen aktuell unter Einhaltung eines Schutzkonzeptes den Präsenzunterricht besuchen. In Deutschland werden die Klassen nach Wechselmodell unterrichtet.

Schweizer Schulkinder dürfen aktuell unter Einhaltung eines Schutzkonzeptes den Präsenzunterricht besuchen. In Deutschland werden die Klassen nach Wechselmodell unterrichtet.

Matthias Balk/dpa
Nicht lebensnotwendige Geschäfte sind in Deutschland derzeit geschlossen – im Gegensatz zur Schweiz. In Deutschland können Kunden Waren auch über Click & Collect oder Click & Meet beziehen. 

Nicht lebensnotwendige Geschäfte sind in Deutschland derzeit geschlossen – im Gegensatz zur Schweiz. In Deutschland können Kunden Waren auch über Click & Collect oder Click & Meet beziehen.

Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Darum gehts

  • Andere Länder, andere Massnahmen: Was die Pandemie betrifft, gilt die Schweiz im Ausland als eine Insel. Hier ist vieles lockerer als beispielsweise in Deutschland.

  • Verhältnismässig steht die Schweiz im Punkt Neuinfektionen und Todesfälle jedoch nicht viel besser da als das Nachbarland.

  • Besonders bei der Freizeitgestaltung gibt es zwischen den beiden Ländern grosse Unterschiede.

So nah beieinander und doch andere Welten: Deutschland hat schärfere Corona-Massnahmen als die Schweiz. Dies führt dazu, dass deutsche Journalisten von der Schweiz schwärmen, das Land sogar als «Corona-Paradies» bezeichnen. Und das, obwohl sich das Nachbarland in Bezug auf die Fallzahlen nicht gross von der Schweiz unterscheidet, wenn man bedenkt, dass Deutschland etwa zehnmal so viele Einwohner hat.

Zum Vergleich: In Deutschland meldet das Robert-Koch-Institut aktuell 16’290 Neuinfektionen und 110 neue Todesfälle. Die 14-Tage-Inzidienz liegt bei 346. Das BAG hat am Freitag 1831 Neuinfektionen gemeldet und acht neue Todesfälle. Die 14-Tage-Inzidenz beträgt 310.

Hier eine Übersicht der aufgrund dieser Zahlen aktuell geltenden Bestimmungen*:

  • Private und öffentliche Treffen: In der Schweiz sind drinnen maximal zehn Personen, draussen maximal 15 Personen erlaubt. In Deutschland dürfen sich dagegen Menschen aus einem Haushalt mit nur einer weiteren Person treffen. Die Regel gilt für private Treffen und die Öffentlichkeit. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt. Paare gelten als ein Haushalt.

  • Veranstaltungen: In der Schweiz dürfen sich aktuell in Innenräumen 50 Personen bei Veranstaltungen befinden. An Open-Air-Events maximal 100. Im Juli hebt der Bundesrat die Grenze auf bis zu 3000 Personen an. In Deutschland sind sämtliche Veranstaltungen derzeit noch untersagt. Auch Kinos und Museen sind, im Gegensatz zur Schweiz, noch geschlossen. Einzig die Aussenbereiche von zoologischen und botanischen Gärten sind unter Hygiene- und Schutzmassnahmen geöffnet.

  • Restaurants und Terrassen: In der Schweiz sind die Terrassen unter Einhaltung von Schutzkonzepten geöffnet. Bei den deutschen Nachbarn besteht derzeit die einzige Möglichkeit, etwas aus dem Restaurant zu essen, über Lieferdienste.

  • Sport: In Deutschland darf tagsüber alleine oder zu zweit mit Personen aus demselben Haushalt Sport gemacht werden. Einzig Kinder bis 14 Jahren dürfen draussen in einer Gruppe mit bis zu fünf anderen Kindern kontaktfrei Sport machen. Berufssportler können weiterhin trainieren und auch Wettkämpfe austragen – ohne Zuschauer und unter Beachtung von Schutz- und Hygienekonzepten. Bei uns sind Veranstaltungen mit Publikum mit Einschränkungen seit dem 19. April wieder möglich. Auch Freizeitsport und Besuche im Fitness-Studio sind in der Schweiz seit Mitte April wieder möglich.

  • Schulen: In allen Schulstufen ist in der Schweiz Präsenzunterricht mit Konzept erlaubt. Die Teilnahme am Schulunterricht vor Ort ist in Deutschland nur möglich, wenn die anwesenden Personen zweimal in der Woche auf Corona getestet werden. Die Klassen werden im Wechsel unterrichtet.

  • Reisen: Deutschland hat für die Schweiz eine covidbedingte Reisewarnung ausgesprochen. Bei Reisen ins Risikogebiet muss eine zehntägige Quarantänepflicht eingehalten werden. Auf der BAG-Risikoliste sind aktuell die Bundesländer Sachsen und Thüringen. Wer von dort in die Schweiz einreist, muss in Quarantäne.

  • Ausgangssperre: Etwas, was hierzulande fast surreal anmutet: In den umliegenden Ländern Europas gelten teilweise Ausgangssperren. So auch in Deutschland. Sie gilt von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens. Von der Regelung ausgenommen sind Personen, die zur Arbeit müssen oder Spaziergänger und Jogger –vorausgesetzt sie sind alleine unterwegs.

  • Einkaufen: Die nicht lebensnotwendigen Geschäfte in Deutschland sind geschlossen. Einzig gibt es die Möglichkeit, vorbestellte Waren im Laden abzuholen (Click & Collect). In der Schweiz dürfen die Detailhändler ihre Geschäfte unter Auflagen geöffnet haben. Es darf sich jeweils nur eine begrenzte Anzahl Kunden gleichzeitig in den Räumlichkeiten aufhalten.

*In deutschen Bundesländern gelten gewisse Massnahmen nur bei einer Inzidenz unter 100. Steigt die Inzidenz über 100, kommt es zur «bundesweiten Notbremse».

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