Protest per Zahlung: Zahlen mit der Occupy-Bankkarte
Aktualisiert

Protest per ZahlungZahlen mit der Occupy-Bankkarte

Professoren, Diplomaten und Banker wollen im Namen der Occupy-Bewegung faire Bankdienstleistungen anbieten. Das gefällt nicht allen.

von
laf
Occupy-Bankkarte: Jede Zahlung ein Protest

Occupy-Bankkarte: Jede Zahlung ein Protest

Auf der ganzen Welt protestierten während der Finanzkrise Occupy-Aktivisten gegen die Macht der Banken und für mehr Gerechtigkeit. Erst im vergangenen Monat feierte die Bewegung ihren zweiten Geburtstag, wirklich viel war beim Anlass in New York nicht los, ein Grossteil der Anwesenden waren Journalisten. Doch der Name Occupy bleibt im Gedächtnis. Nun will eine neue Bewegung damit sogar Geld machen.

«Occupy Money Cooperative» heisst sie. Finanz- und Jusprofessoren, Diplomaten, aber auch Banker haben die Initiative ins Leben gerufen. So etwa der ehemalige Direktor der Deutschen Bank, Christian Brammer.

Prepaid-Karte

Das Ziel: Wie eine Bank arbeiten, «nur fairer». Mit der Occupy Card sollen diejenigen zahlen können, die sonst an kein Bankkonto kommen. Es soll eine Ultra-Low-Cost-Karte sein, die nach dem Prepaid-Prinzip funktioniert. Zunächst soll die Karte allerdings nur für US-Kunden erreichbar sein. Ob man auch in Europa expandieren wolle, ist noch nicht klar.

Was die Macher auch planen, sind Kredite und andere Finanzdienstleistungen. Man ziele auf Kunden, die sich wegen der Gebühren keine traditionelle Bank leisten können. Aber auch solche, die bisher bei einer gewöhnlichen Bank sind, laden die Macher ein, dabei zu sein. Jede Zahlung, so die Initiative, sei ein Protest.

Das sehen nicht alle Aktivisten so. Anhänger der originalen Protestbewegung beschweren sich bei der «New York Times». Es könne nicht sein, dass der Name, in den man viel Blut und Schweiss investiert habe, nun ausgerechnet auf einem Finanzprodukt prange. Vor allem daran, dass zwischenzeitlich Kreditkartenhersteller Visa als einer der Partner gehandelt wurde, stören sich die Finanz-Rebellen.

Keinen Profit

Carne Ross, Mitbegründer der Occupy Money Cooperative, ehemaliger britische Diplomat und Ökonom, sagt, man wolle keinen Profit aus der Plastikkarte schlagen. Sobald man die 900'000 Dollar für den Start des Projekts gesammelt habe, werde die Karte ohne Kosten für jeden zugänglich sein – nur fürs Geldabheben werden Gebühren fällig.

Deine Meinung