Zahlen, wenn der Arzt kommt?
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Zahlen, wenn der Arzt kommt?

Schlägereien, Verbrennungen und Vergiftungen - für einen Grossteil der Notfälle über Silvester war übermässiger Alkoholkonsum die Ursache. Dennoch muss die Allgemeinheit für die Kosten aufkommen. Das stösst Prämienzahlern bitter auf.

An Silvester herrschte Alarmstufe Rot für Polizei, Sanitäter und Feuerwehr. Sie mussten ausrücken, um Schlägereien zu schlichten, Betrunkene zu versorgen oder Brände wegen unsachgemässer Verwendung von Feuerwerkskörpern zu löschen. Rettungssanitäter und Notärzte hatten alle Hände voll zu tun, die Patienten zu versorgen. Dramatisch dabei: Vor allem Alkohol war die Ursache für einen grossen Teil der Notfälle.

Auch die Polizei war wegen Alkoholexzessen unter Druck. Besonders krass war die Lage in Lausanne: Die Polizei war mit über 70 Mann vor Ort, um an einer Silvesterparty eine Schlägerei aufzulösen. Mehr als 30 Personen wurden wegen Verletzungen oder wegen Alkoholmissbrauchs verarztet.

Unsummen für Alkoholleichen

Alkohol ist auch immer häufiger Ursache vieler Erstversorgungen und Spitaleinlieferungen, wie eine neue Studie des Inselspitals Bern zeigt. Das ärgert viele Versicherte, weil sie für die Unvernunft einer grossen Zahl Personen, die ihren Alkoholkonsum nicht im Griff haben, zahlen müssen.

Eine kurze Fahrt mit dem Krankenwagen schlägt gemäss einem Artikel des «Tages-Anzeigers» innerhalb der Stadt mit rund 700 Franken zu Buche. Muss ein Betrunkener in der Notfallstation eines Spitals ausnüchtern, so kostet das auch ohne ärztliche Betreuung 300 Franken. Ist zusätzlich eine Platzwunde zu nähen oder der Magen auszupumpen, so steigt die Rechnung schnell auf über tausend Franken.

Die Rechnung ohne den Zecher gemacht

Letztlich muss die Allgemeinheit - oder genauer: der Prämienzahler - für die Arzt- und Spitalkosten aufkommen.

Lediglich beim Taggeld, kann es zu Einbussen für alkoholisierte Patienten kommen. Diese Regelung stösst bei den Krankenkassen und Versicherungsnehmern auf immer lauter werdende Kritik. Schuld daran ist das geltende Gesetz: «Die Heilungskosten sind immer gedeckt, sogar wenn es Selbstverschulden ist», sagt Daniel Dauwalder vom Bundesamt für Gesundheit.

Handelt es sich um einen Unfall (und dazu gehören juristisch gesehen auch Schlägereien), kann die Versicherung des Verletzten aber auf den Unfallverursacher zurückgreifen – zumindest theoretisch. Die Praxis indes ist anders. Etwa bei Schlägereien: Wer als Erster zugeschlagen hat, kann die Polizei meist nur schwer feststellen. Gelingt ihr dies aber, so streicht die Suva dem Schuldigen die Hälfte des Taggeldes.

Je schlimmer, desto billiger

Muss jemand wegen einer Alkoholvergiftung ins Spital, so fährt er besser, wenn er sich gleichzeitig verletzt: Dann nämlich zahlt die Unfallversicherung. Und diese kennt im Gegensatz zur Krankenkasse weder Selbstbehalt noch Franchise. Und sie übernimmt die gesamten Transportkosten. Die Krankenkasse hingegen zahlt maximal 500 Franken pro Jahr an die Kosten von Ambulanzfahrten.

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