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USA-Iran-KriseZahlen wir schon diese Woche mehr fürs Tanken?

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran lässt den Ölpreis in die Höhe schnellen. Deshalb könnten Schweizer bald mehr für das Benzin zahlen.

von
B. Scherer
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Der Ölpreis steigt seit Anfang Jahr an. Grund dafür ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Der Ölpreis steigt seit Anfang Jahr an. Grund dafür ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

AP/Vahid Salemi
Der Preis für ein Fass des Nordsee-Öls Brent ist um über 2 Prozent auf fast 70 Dollar angestiegen. Zum Vergleich: Im Dezember waren es noch unter 66 Dollar gewesen.

Der Preis für ein Fass des Nordsee-Öls Brent ist um über 2 Prozent auf fast 70 Dollar angestiegen. Zum Vergleich: Im Dezember waren es noch unter 66 Dollar gewesen.

Mohssen Assanimoghaddam
Diesen raschen Anstieg des Ölpreises könnten bald auch die Konsumenten zu spüren bekommen. Der Benzinpreis könnte noch diese Woche ansteigen.

Diesen raschen Anstieg des Ölpreises könnten bald auch die Konsumenten zu spüren bekommen. Der Benzinpreis könnte noch diese Woche ansteigen.

Keystone/Christian Beutler

Seit Juni 2019 kannten die Bleifrei-Preise in der Schweiz im Monatsmittel nur eine Richtung: vor allem abwärts. Doch jetzt könnte sich das Blatt wenden. Grund dafür sind die steigenden Ölpreise. Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Qassim Soleimani durch einen US-Raketenangriff am 3. Januar steigt dieser. So ist der Preis für ein Fass des Nordsee-Öls Brent um über 2 Prozent auf fast 70 Dollar angestiegen. Zum Vergleich: Im Dezember waren es noch unter 66 Dollar gewesen.

Diesen raschen Anstieg des Ölpreises könnten bald auch die Konsumenten zu spüren bekommen. Denn der Ölpreis auf den Rohstoffmärkten wirkt sich in der Regel schnell auf den Benzinpreis an der Tankstelle aus.

«Bisher ist der Spritpreis für uns im Einkauf aber nur 1,5 Rappen pro Liter gestiegen», sagt Ramon Werner. Er ist CEO von Oel-Pool AG, zu der die Ruedi-Rüssel-Tankstellen gehören. Der Benzinpreis werde deshalb an der Tankstelle für die Konsumenten im Moment noch nicht erhöht. Allerdings sei nicht auszuschliessen, dass Schweizer noch diese Woche mehr an der Zapfsäule bezahlen müssten.

CO2-Steuer hätte grössere Folgen

Im Moment kostet ein Liter Bleifrei 95 bei Tankstellen von Oel-Pool durchschnittlich 1.53 Franken und ein Liter Diesel 1.64 Franken. Bei einer Erhöhung würden die Preise nur einige Rappen steigen. «Einen viel grösseren Einfluss auf den Benzinpreis als der USA-Iran-Konflikt wird ein mögliches CO2-Gesetz haben», sagt Werner. Würde in der Schweiz eine Umweltsteuer eingeführt, könnte ein Liter Benzin zwischen 10 und 20 Rappen teurer werden.

Auch bei Coop Mineraloel AG ist der Benzinpreis noch nicht gestiegen. Denn die Höhe des Spritpreises werde nur zu einem Teil vom Rohölpreis bestimmt, wie eine Sprecherin sagt. Für starke Schwankungen im Preis an der Zapfsäule würden meistens staatliche Abgaben und Vertriebskosten sorgen.

Obwohl der Iran unter den Ölproduzenten zu einem wirtschaftlichen Leichtgewicht zählt, könnte das Land die Transportwege für das Öl sperren, wie die Welt schreibt. Der Iran könnte die Wasserstrasse von Hormus blockieren. Diese verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean, und rund ein Fünftel der globalen Öltransporte wird über diesen Wasserweg in den Westen getätigt. Damit würden die Ölpreise weiter ansteigen und schliesslich auch das Benzin an der Tankstelle mehr kosten.

Goldpreis erreicht Höchstwert, beim Kauf ist trotzdem Zurückhaltung geboten

Nicht nur den Ölpreis treibt der USA-Iran-Konflikt in die Höhe: Der Goldpreis hat auf Montag den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht. So ist der Wert einer Feinunze mit dem Gewicht von 31,1 Gramm auf bis zu 1588,13 US-Dollar geklettert. Anfang Dezember vergangenen Jahres kostete die Feinunze noch rund 1450 Dollar.

Grund für den Preisanstieg sind verunsicherte Anleger, die in das Edelmetall investieren. Denn Gold gelte in Krisenzeiten als «sicherer Hafen», so Corina Hennig, Anlagespezialistin bei der Bank Cler. «Da kein Ende der Eskalation absehbar ist, dürfte es sich bei der Preisentwicklung des Edelmetalls um eine längerfristige Entwicklung handeln.»

Deswegen Gold zu kaufen, empfiehlt die Bank aber nicht: «Wir vertreten die Meinung, solch fulminante Kursanstiege eher auszusitzen und eine Marktkorrektur abzuwarten», sagt Hennig. Denn es bestehe die Gefahr, dass man Gold teuer kauft, es dann aber nach sehr kurzer Zeit wieder an Wert verliert.

Auswirkung der Nahost-Krise auf Börse und Währung:

Der Konflikt zwischen USA und Iran hinterlässt auch Spuren in der Schweizer Börse. Am Montagmorgen hat der Leitindex 1,3 Prozent auf 10'561 Punkte verloren. Die stärksten Einbussen unter den SMI/SLI-Titeln verzeichneten Ams (-2,9%), Swatch (-2,5%) und Richemont (-2,3%), sowie die Banken UBS (-2,2%), Julius Bär (-2,3%) und CS (-1,9%). Im Verlaufe des Tages konnte sich der SMI aber wieder etwas stabilisieren. Ähnlich sieht es beim Schweizer Franken aus: Dieser hat am Morgen noch an Wert gewonnen, womit ein Euro 1.084 Franken wert war. Im Laufe des Tages pendelte sich der Kurs wieder etwas ein und ein Euro kostete am Nachmittag wieder 1.09 Franken. Laut Anlagespezialistin Corina Hennig seien zudem Interventionen zur Schwächung des Frankens durch die Schweizer Nationalbank SNB denkbar. Dadurch würde der Franken auch in Zukunft nicht an mehr Wert gewinnen.

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