Neuseeland: Zahlreiche Tote nach heftigem Erdbeben
Aktualisiert

NeuseelandZahlreiche Tote nach heftigem Erdbeben

Bei einem Erdbeben der Stärke 6,3 sind mehrere Gebäude in der Stadt Christchurch eingestürzt. Am Mittwochmorgen wurde die Zahl der Toten auf 75 revidiert.

Ein Erdbeben der Stärke 6,3 hat die zweitgrösste neuseeländische Stadt Christchurch am Dienstag heimgesucht. Der Erdstoss erschütterte die Stadt in der Mittagszeit (Ortszeit) und richtete grosse Verwüstungen an. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (Ortszeit) sagte Ministerpräsident John Key, die Polizei habe bestätigt, dass die schweren Beben vom Vortag 75 Menschen das Leben gekostet haben. Zuvor war man von 65 Toten ausgegangen.

Etliche Gebäude stürzten ein, und Autos wurden unter Trümmern begraben. Mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Es war bereits das zweite grössere Beben in der Stadt innerhalb von fünf Monaten.

Auf Live-Videoaufnahmen war zu sehen, wie mehrstöckige Häuser in sich zusammenfielen. Gebäudeteile krachten auf die Strassen, die mit Backsteinen und Trümmern übersät waren. Auf Strassen und Bürgersteigen traten Risse auf, und tausende verzweifelte Einwohner liefen in Panik durch die Strassen. Augenzeugen sagten, die Kathedrale der Stadt sei zerstört worden.

Dutzende Menschen sassen laut Fernsehberichten noch in Bürotürmen fest, andere hatten auf Hausdächern Zuflucht gesucht. Im Fernsehen war zu sehen, wie Helfer mehrere Schwerverletzte aus den Trümmern zogen.

Der Flughafen von Christchurch wurde geschlossen, und das Krankenhaus wurde evakuiert. Strom- und Telefonleitungen wurden gekappt und Wasserrohre beschädigt, einige Strassen wurden überschwemmt.

Bürgermeister verhängt Ausnahmezustand

Der Bürgermeister von Christchurch, Bob Parker, verhängte den Ausnahmezustand und rief die Einwohner auf, die Innenstadt zu räumen. «Macht keinen Fehler - dies wird ein sehr schwarzen Tag werden für diese erschütterte Stadt», sagte er.

Parker erklärte, er habe sich zum Zeitpunkt des Bebens kurz vor 13 Uhr Ortszeit in der obersten Etage der Stadtverwaltung aufgehalten und sei von der Wucht des Stosses durch den Raum geschleudert worden. «Ich bin runter auf die Strassen gegangen, und dort herrschten Szenen grosser Verwirrung, viele sehr aufgeregte Menschen», sagte Parker.

Der Stadtrat Barry Corbett, der sich ebenfalls in der Stadtverwaltung aufhielt, sagte: «Als das Beben aufhörte, habe ich aus dem Fenster gesehen, von dem man einen guten Blick über Christchurch hat, und da war nur Staub. Es war sofort klar, das viele Gebäude verschwunden sind.»

Laut Polizei zwei Busse zertrümmert

Die Polizei teilte in einer Erklärung mit, zwei Busse seien von herabfallenden Gebäudeteilen zertrümmert worden. Ausserdem gebe es Berichte über mehrere Brände und Menschen, die in den brennenden Häusern eingeschlossen seien.

Das Zentrum des Erdstosses lag fünf Kilometer von Christchurch entfernt in vier Kilometern Tiefe, wie der Geologische Dienst der USA mitteilte. Kurz darauf kam es elf Kilometer östlich der Stadt zu einem Nachbeben der Stärke 5,6 in sechs Kilometern Tiefe.

Die Stadt ist seit einem Erdbeben der Stärke 7,1 im September vergangenen Jahres von hunderten Nachbeben erschüttert worden. Bei dem Erdstoss vom 4. September entstand ein Milliardenschaden an mehreren hundert Gebäuden, und einige Menschen wurden verletzt. Ums Leben kam aber niemand.

Christchurch ist mit 350.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Neuseelands. Sie ist bei Urlaubern beliebt als Tor zur Südinsel.

Jährlich mehr als 14 000 Beben

Neuseeland liegt im pazifischen Feuergürtel, auch Ring aus Feuer genannt, einer Zone reger Vulkantätigkeit. Dort ereignen sich etwa 90 Prozent aller Erdbeben weltweit. Jedes Jahr kommt es zu mehr als 14 000 Beben, von denen aber nur etwa 150 zu spüren sind. Weniger als zehn richten Schäden an.

(Video: Youtube/waynealex2010) (dapd)

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