Universität Zürich: Zahnmediziner verärgert über Praktika ohne Lohn
Aktualisiert

Universität ZürichZahnmediziner verärgert über Praktika ohne Lohn

Praktika sind für Medizinstudenten an der Uni Zürich Pflicht. Doch während Humanmediziner dafür bezahlt werden, müssen Zahnmediziner gratis schuften.

von
Jennifer Furer
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Zahnmediziner werden für ihre Pflichtpraktika an der Universität Zürich nicht entlohnt, Humanmedizinstudenten hingegen schon.

Zahnmediziner werden für ihre Pflichtpraktika an der Universität Zürich nicht entlohnt, Humanmedizinstudenten hingegen schon.

Keystone/Gaetan Bally
Die Universität Zürich erklärt das auf Anfrage wie folgt: «Es handelt sich um zwei unterschiedliche Ausbildungen, die nicht verglichen werden können.»

Die Universität Zürich erklärt das auf Anfrage wie folgt: «Es handelt sich um zwei unterschiedliche Ausbildungen, die nicht verglichen werden können.»

Keystone/Gaetan Bally
Die Praktika im Bereich der Humanmedizin werden in Spitälern absolviert, die sich die Studierenden selber suchen müssen. Diese Einsätze würden ausserhalb der Universität absolviert.

Die Praktika im Bereich der Humanmedizin werden in Spitälern absolviert, die sich die Studierenden selber suchen müssen. Diese Einsätze würden ausserhalb der Universität absolviert.

P. U.* studiert an der Universität Zürich Zahnmedizin — dafür muss sie tief ins Portemonnaie greifen: Sie muss nicht nur Semestergebühren von 769 Franken bezahlen, sondern es fallen zusätzliche Kosten für das Ausbildungsmaterial an. So habe sie für eine Box mit Zahnmedizininstrumenten rund 3500 Franken und für ein Phantom-Arbeitsmodell 1000 Franken bezahlen müssen sowie ein Depot von 1000 Franken hinterlegen für den Fall, dass sie etwas von der Uni kaputt machen sollte.

Nicht nur das: Für die Pflichtpraktika während des dritten, vierten und fünften Studienjahres werde sie nicht entlohnt. So ergehe es jedem Zahnmediziner, der an der Uni Zürich studiere. Dies, obwohl der Patient die vollen Kosten für seine Behandlung bezahlen würde.

Drei Wochen pro Jahr

Die Praktika müsse sie jeweils in den Semesterferien für drei Wochen pro Jahr absolvieren. Die Stelle in einer Zahnarztpraxis werde von der Uni ausgesucht. Entsprechend würden die Studenten in dieser Zeit als Praxisassistenten funktionieren.

Bei den Humanmedizinern sehe das anders aus: Im fünften Studienjahr müssten diese ebenfalls ein Praktikum absolvieren, etwa in einer Klinik, einer Praxis oder einem Spital auf einem Gebiet ihrer Wahl — allerdings für ein Jahr. Dabei müssten sie sich die Stelle selber suchen und sich auch bewerben. Dafür erhalten sie einen Praktikumslohn – im Gegensatz zu den Zahnmedizinstudenten.

«Ich fühle mich benachteiligt»

«Ich finde es einfach unfair. Entweder müssen beide für die Praktika bezahlt werden oder niemand», sagt U. Kurios findet sie zudem, dass Zahnmedizinstudenten so viel für ihre Ausbildung bezahlen und sogar Geld aufwenden müssen, um überhaupt einen Patienten behandeln zu dürfen.

Zudem sagt U.: «Auch Lehrlinge werden in ihrer Ausbildung entlohnt, obwohl diese ebenfalls noch nicht als vollwertige Arbeitskraft gelten.»

«Nicht nachvollziehbar»

Thomas Geiser, Professor für Privat- und Handelsrecht, sagt dazu: «Lehrlinge haben eine normierte Ausbildung und einen anerkannten Abschluss durch die Lehre.» Studenten hingegen hätten durch das Absolvieren von Praktika keinen anerkannten Abschluss, dies sei nur ein Teil der Ausbildung.

Zu den unentlohnten Praktika von Zahnmedizinern meint er: «Das ist arbeitsrechtlich korrekt. Es gibt keinen Minimallohn in der Schweiz für Praktika.» Das müsse aber zwingend in einem Vertrag zwischen Student und Arbeitgeber vereinbart sein. Dennoch findet Geiser, dass es «nicht nachzuvollziehen ist», warum Humanmedizinstudenten entlohnt werden, Zahnmedizinstudenten hingegen nicht.

Vergütung mit ECTS-Punkten statt Geld

Die Universität Zürich erklärt das auf Anfrage wie folgt: «Es handelt sich um zwei unterschiedliche Ausbildungen, die nicht verglichen werden können.» Zudem würden die Praktika im Bereich der Humanmedizin in Spitälern absolviert, die sich die Studierenden selber suchen müssten. Diese Einsätze würden ausserhalb der Universität absolviert.

In den Spitälern würden die Studierenden als Hilfskräfte eingesetzt und Aufgaben während des normalen Spitalbetriebs erledigen. Deshalb seien sie beim Spital angestellt und entlohnt.

Die Studierenden der Zahnmedizin hingegen würden im Rahmen ihrer Ausbildung an der Universität Zürich auch Patienten behandeln. Es seien keine Praktika mit eigentlichen Arbeitseinsätzen, sondern praktische Übungen im Rahmen der Ausbildung. Die Behandlungen finden innerhalb eines Kurses statt. Diese würden mit ECTS-Punkten vergütet.

*Name der Redaktion bekannt

Situation in Bern und Basel

Bern: Studierende der Humanmedizin werden für die Praktika in den ersten vier Jahren in der Regel nicht entlohnt. Bei einigen Praktika wird aber das Essen und die Unterkunft bezahlt. Studierende der Humanmedizin im 5.-6. Studienjahr erhalten aber im Wahljahrpraktikum eine Entschädigung zwischen 500 und 1500 Franken Diese Praktika sind in der ganzen Schweiz einheitlich geregelt. Studierende der Zahnmedizin erhalten für ihre Praktika keine Entlohnung.

Basel : Humanmedizinstudenten absolvieren im Wahlstudienjahr ein 10-monatiges Praktikum. Ob und in welcher Höhe eine Entlohnung erfolgt, hänge von den betreffenden Spitälern ab. Die Universität Basel könne keine Vorschriften machen, da die Studenten an den Spitälern angestellt seien. Die meisten Schweizer Spitäler würden aber einen Lohn zahlen. Bei den Praktika im Bereich Zahnmedizin gibt es im 5-jährigen Curriculum keine Pflichtpraktika. Im 2-jährigen Masterstudium finde die klinische Ausbildung an den Universitätszahnkliniken statt. Diese sind nicht entlohnt.

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