Nachhaltigkeits-Button: Zalando kennzeichnet jetzt faire Mode, aber...
Aktualisiert

Nachhaltigkeits-ButtonZalando kennzeichnet jetzt faire Mode, aber...

Online-Shopping-Riese Zalando setzt auf eine Markierung für nachhaltige Mode. Experten sind skeptisch.

von
Vanessa Sadecky
1 / 13
Online-Shopping-Riese Zalando setzt neu auf eine Markierung für nachhaltige Mode.

Online-Shopping-Riese Zalando setzt neu auf eine Markierung für nachhaltige Mode.

Keystone/Christian Beutler
Tobias Meier, Präsident von Swiss Fair Trade, begrüsst Zalandos Neuerung, hat aber einen Einwand: «Der Nachhaltigkeits-Button von Zalando ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch scheint die damit verknüpfte Suchfunktion noch nicht ganz ausgereift.»

Tobias Meier, Präsident von Swiss Fair Trade, begrüsst Zalandos Neuerung, hat aber einen Einwand: «Der Nachhaltigkeits-Button von Zalando ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch scheint die damit verknüpfte Suchfunktion noch nicht ganz ausgereift.»

Wie schneiden Onlinehändler bei den 14- bis 25-Jährigen ab? Der Markt- und Meinungsforscher Marketagent liefert die Top Ten.

Wie schneiden Onlinehändler bei den 14- bis 25-Jährigen ab? Der Markt- und Meinungsforscher Marketagent liefert die Top Ten.

Keystone/Gaetan Bally

Das Versandhaus Zalando ist bisher nicht bekannt dafür, die Umwelt zu schonen: Ein zentraler Teil des Geschäftsmodells sind Gratis-Retoursendungen. In der Schweiz entstanden 2016 allein durch das Zurücksenden von Zalando-Paketen schätzungsweise 2,25 Millionen Kilogramm CO2-Emissionen.

Diesem negativen Image scheint Zalando nun entgegenwirken zu wollen. Seit kurzem sehen Besucher des Online-Shops unter einigen Produkten prominent den Vermerk «Nachhaltigkeit». Klickt der Kunde darauf, erfährt er, dass die Kleidung zum Beispiel zu 70 Prozent aus Bio-Baumwolle besteht oder das Fair-Trade-Label trägt.

Doch was heisst das genau? Zalandos Definition seiner eigenen Markierung ist schwammig. Auf der Info-Seite zum Nachhaltigkeits-Button ist nur zu lesen: «Die bislang verwendeten Kriterien basieren auf Produktzertifizierungen.» Welche dies im Detail sind, müssen sich Kunden selber zusammensuchen. Weiter schreibt Zalando, man arbeite derzeit daran, den Nachhaltigkeits-Button zu erweitern, weil einige Marken auch ohne Zertifizierungen daran seien, nachhaltiger zu werden.

Vom Nachhaltigkeits-Trend profitieren

Marketing-Expertin Adrienne Suvada von der ZHAW vermutet hinter Zalandos grüner Offensive die Absichten, das Gewissen seiner Kunden zu beruhigen und noch mehr Produkte zu verkaufen: «Gerade junge Menschen fühlen sich vom Nachhaltigkeits-Trend angesprochen. Zalando möchte davon profitieren.»

Diese These belegen auch Zahlen. In einer deutschen Marktforschungsstudie gaben über ein Drittel der Befragten an, dass ihnen Nachhaltigkeit beim Kleiderkauf wichtig ist und sie im letzten Jahr mindestens ein nachhaltiges Kleidungsstück gekauft haben.

Irreführende Suche

Tobias Meier, Präsident von Swiss Fair Trade, begrüsst Zalandos Neuerung, hat aber einen Einwand: «Der Nachhaltigkeits-Button von Zalando ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch scheint die damit verknüpfte Suchfunktion noch nicht ganz ausgereift.» So würden nur manche der nachhaltig hergestellten Artikel den Nachhaltigkeitsvermerk tragen, aber je nach Suchbegriff würden ganz andere Produkte erscheinen. «So können die Rubriktitel möglicherweise irreführend sein», sagt Meier.

Zalando stimmt zu, dass der Nachhaltigkeits-Button Mängel aufweist: «Wir sind kontinuierlich dabei, die Auffindbarkeit nachhaltiger Produkte zu verbessern. Der erwähnte Aspekt ist zum Beispiel ein Punkt, an dem wir zurzeit arbeiten», sagt Zalando-Sprecherin Julia Zweigle zu 20 Minuten.

«Reine Schönrederei»

Oliver Classen vom Netzwerk Clean Clothes Campaign beurteilt Zalandos Streben nach Nachhaltigkeit im grösseren Zusammenhang kritisch. Er weist darauf hin, dass Zalando sich bei der Produktion seiner 17 Eigenmarken nicht transparent um faire Produktionsbedingungen kümmert: «In Sachen Nachhaltigkeit redet Zalando die Dinge bislang nur schön, statt konkrete, nachvollziehbare und irgendwann auch messbare Schritte zu tun.» Andere grosse Modemarken seien diesbezüglich schon viel weiter.

Deine Meinung