Aktualisiert 02.09.2015 10:12

«Nur noch drei Artikel verfügbar»

Zalando verführt mit Knappheitstrick zum Kauf

Der Modehändler Zalando gibt bei seinen Artikeln oft an, wie viele noch am Lager sind. Und erzeugt laut Medienberichten mit falschen Angaben Kaufdruck.

Knapp - oder doch nicht? Zalando machte falsche Angaben zur Menge der verfügbaren Artikel.

Knapp - oder doch nicht? Zalando machte falsche Angaben zur Menge der verfügbaren Artikel.

Der Hinweis von Zalando ist kurz und knapp: «Nur noch drei Artikel verfügbar.» Wer das bei seiner Wunschbluse liest, bestellt schneller. Der deutsche TV-Sender NDR hat den Test gemacht und bei einigen so ausgewiesenen Artikeln nicht nur drei, sondern zehn Stück bestellt. Und bekam sie prompt geliefert. Zalando bekam wegen irreführender Angaben nun eine Abmahnung von der deutschen Wettbewerbszentrale und die Androhung «gerichtlicher Massnahmen».

«Zu keinem Zeitpunkt war es unsere Absicht, jemanden zu täuschen. Denn davon hätten wir am Ende nichts. Unsere Kunden haben ausreichend Zeit, die Ware kostenlos zurückzusenden und machen davon auch Gebrauch», sagt Zalando-Sprecher Steffen Heinzelmann zu 20 Minuten.

Verwirrung bei der Wortwahl

Bei den Angaben «1 Artikel verfügbar» und «2 Artikel verfügbar» habe Zalando demnach tatsächlich noch so viele Artikel im Logistikzentrum. Beim Hinweis «3 Artikel verfügbar» seien bislang tatsächlich Artikel in grösserer Stückzahl verfügbar gewesen als die drei angezeigten. Denn die Aussage habe mit drei Artikeln eigentlich «mindestens 3 Artikel »gemeint: «Unser Anliegen und Verständnis dabei war jedoch, eine grössere Verfügbarkeit im Warenbestand zu signalisieren, damit sich alle zwischen Warenkorb und Gang zur Kasse Zeit lassen können», erklärt Zalando-Sprecher Heinzelmann. Neu werde seit vergangener Woche die Angabe auf der Website gemacht: «mehr als 3 Artikel verfügbar».

Der Onlinehändler hatte gegenüber dem deutschen Sender zunächst angegeben, aus technischen Gründen könne der tatsächliche Warenbestand nicht in Echtzeit genannt werden.

Stichproben der Zeitung «Blick» in der Schweiz zeigen, dass Onlinehändler wie Brack oder Digitec korrekte Angaben zur noch verfügbaren Stückzahl machen und die Kunden damit nicht willkürlich unter schnellen Kaufzwang zu setzen versuchen.

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