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Dschochar ZarnajewZarnajew zeigt Wärtern den Mittelfinger

Die Jury muss das Strafmass des Attentäters von Boston festlegen. Die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe. Sie zeigt deswegen, wie sich der 21-Jährige im Gefängnis benimmt.

Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an: «Zarnajew ist unbekümmert, reuelos und unverändert». Belegen soll das etwa ein Foto, das den 21-Jährigen zeigt, wie er der Überwachungskamera im Gefängnis seinen Mittelfinger zeigt.

Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an: «Zarnajew ist unbekümmert, reuelos und unverändert». Belegen soll das etwa ein Foto, das den 21-Jährigen zeigt, wie er der Überwachungskamera im Gefängnis seinen Mittelfinger zeigt.

Das Gericht hat knapp zwei Wochen nach dem Schuldspruch für den Marathon-Attentäter Dschochar Zarnajew in Boston die Beratungen über das Strafmass aufgenommen. Staatsanwältin Nadine Pellegrini versuchte, die Geschworenen zur Verhängung der Todesstrafe zu bewegen. Sie präsentierte ein Foto des Angeklagten, auf dem er den ausgestreckten Mittelfinger in eine Überwachungskamera seiner Gefängniszelle hält. «Das ist Dschochar Zarnajew - unbekümmert, reuelos und unverändert», sagte sie.

Die Geschworenen hatten den 21-Jährigen Anfang April wegen Beteiligung an dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon 2013 schuldig gesprochen worden. Er hatte nach Auffassung des Gerichts mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan zwei Bomben am Zieleinlauf des Marathonlaufs platziert. Bei dem Anschlag wurden drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt.

Urteil in rund vier Wochen

In der zweiten Prozessphase müssen die Geschworenen entscheiden, ob sie Zarnajew hinrichten lassen oder lebenslang ins Gefängnis schicken. Sie soll nach Angaben von Richter George O'Toole etwa vier Wochen dauern. Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft Zeugen aufruft, die bei dem Attentat verletzt wurden.

Die Verteidigung versucht dagegen, die Todesstrafe für den Verurteilten zu vermeiden, indem sie argumentiert, der zur Tatzeit 19-jährige Dschochar habe unter dem Einfluss seines älteren Bruders Tamerlan gestanden, der der massgebliche Täter sei. Die Staatsanwaltschaft sieht beide hingegen als gleichberechtigte Komplizen bei dem Terroranschlag.

Mehrere Opfer und Hinterbliebene gegen Todesstrafe

Mehrere Opfer und Hinterbliebene haben die US-Regierung gedrängt, den Antrag auf Todesstrafe zurückzunehmen und stattdessen eine lebenslange Haftstrafe ohne Berufungs- oder Bewährungsmöglichkeiten durchzusetzen, damit der Fall möglichst schnell abgeschlossen werden könne. Der Vater eines der Getöteten verlangte dagegen in einem Brief die Todesstrafe. Vor Beginn des Verhandlungstages demonstrierten etwa ein Dutzend Gegner der Todesstrafe vor dem Gerichtsgebäude.

Zarnajew war in allen 30 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. 17 davon können die Todesstrafe nach sich ziehen, darunter die Punkte Verschwörung und Einsatz von Massenvernichtungswaffen.

Die Bluttat hatte Amerika vor zwei Jahren geschockt. Die Bomben waren mit Splittern gefüllt, um möglichst viel Schaden anzurichten. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wollten die beiden aus einer tschetschenischen Familie stammenden jungen Männer Rache üben, weil die USA bei Kriegseinsätzen Muslime getötet hatten. (sda)

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