23.01.2015 23:32

Europa«Zauberkippa» soll Juden vor Attacken schützen

Aufgrund des steigenden Antisemitismus haben Juden Bedenken, sich mit traditioneller Kopfbedeckung zu zeigen. Ein Coiffeur hilft.

von
A. Horowitz, AP
1 / 2
Angesichts von Attentaten und Antisemitismus haben viele Juden in Europa Bedenken, sich mit ihrer traditionellen Kopfbedeckung zu erkennen zu geben. Darum hat im Januar 2015 der israelische Coiffeur Schalom Koresch eine «unsichtbare» Kippa aus Haaren erfunden.

Angesichts von Attentaten und Antisemitismus haben viele Juden in Europa Bedenken, sich mit ihrer traditionellen Kopfbedeckung zu erkennen zu geben. Darum hat im Januar 2015 der israelische Coiffeur Schalom Koresch eine «unsichtbare» Kippa aus Haaren erfunden.

Keystone/AP/dan Balilty
Koresch bietet seine Kreation in einer Vielzahl von Schattierungen und Farben an. Mindestens 49 Euro sind für eine Kappe aus künstlichen Haaren fällig. Modelle aus Echthaar sind ab 79 Euro zu haben. Auch die Spangen zur Befestigung sind so versteckt, dass sie der Betrachter nicht erkennen kann.

Koresch bietet seine Kreation in einer Vielzahl von Schattierungen und Farben an. Mindestens 49 Euro sind für eine Kappe aus künstlichen Haaren fällig. Modelle aus Echthaar sind ab 79 Euro zu haben. Auch die Spangen zur Befestigung sind so versteckt, dass sie der Betrachter nicht erkennen kann.

Keystone/AP/dan Balilty

Sie sind farbenfroh, reich verziert und für fromme Juden unverzichtbar: Schädelkappen, auch Kippa oder Jarmulke genannt, symbolisieren die Ehrfurcht und Bescheidenheit vor Gott. Wer sie trägt, zeigt jedermann, dass er sich zum Judentum bekennt. Allerdings macht er sich damit auch zur Zielscheibe für mögliche antisemitische Ausfälle und Beleidigungen. Vielen Juden in Europa ist das unangenehm.

Für sie hat der israelische Coiffeur Schalom Koresch eine «unsichtbare» Jarmulke aus Haaren erfunden. Entsprechend gefärbt ist sie auf dem Schopf des Trägers kaum zu erkennen. «Sie ist angenehm für Menschen, die an Orte gehen, an denen sie sich fürchten», sagt Koresch. Dank seiner «Zauberkippa» könnten sie sich dort sicher fühlen. Anpassungsfähig soll die Kreuzung aus Kappe und Perücke auch sein. «Die Schädelkappe ist waschbar, Sie können sie bürsten, Sie können sie färben», sagt Koresch.

Meiste Anfragen kommen aus Europa

Vor allem aus Europa bekommt Koresch Anfragen, besonders viele aus Frankreich und Belgien. In Paris wurden vor wenigen Tagen vier Kunden eines jüdischen Geschäfts erschossen. Im Jüdischen Museum in Brüssel tötete ein Angreifer im Mai vier Besucher. Nach einer Erhebung der EU fürchtet ein Fünftel der europäischen Juden, belästigt zu werden, wenn sie mit einer Kippa vor die Tür gehen.

Koresch bietet seine Kreation in einer Vielzahl von Schattierungen und Farben an. Mindestens 49 Euro sind für eine Kappe aus künstlichen Haaren fällig. Modelle aus Echthaar sind ab 79 Euro zu haben. Auch die Spangen zur Befestigung sind so versteckt, dass sie der Betrachter nicht erkennen kann.

Ist eine haarige Kippa noch eine Kippa?

«Man spürt überhaupt nichts. Es fühlt sich an, als wäre sie Teil deiner Haare», sagt Maor Hania, der sich in Koreschs Salon eine braune Haarkippa anpassen lässt. «Es gibt keinen Unterschied zwischen dieser und einer herkömmlichen Kippa.»

Rabbiner fragen sich allerdings, ob eine Kippa, die keiner erkennt, überhaupt noch eine Kippa ist. Jüdische Schädelkappen müssten sichtbar sein und dürften nicht versteckt werden, urteilt Rabbi Schlomo Awiner, der an einer jüdischen Hochschule unterrichtet. Unter bestimmten, unvorhersehbaren Umständen könne eine Zauberkippa aber zulässig sein – etwa wenn man in Gefahr sei, angegriffen zu werden, räumt er ein. Wer Zweifel habe, solle seinen Rabbi um Rat fragen.

Nicht alle Kippaträger sind begeistert von Koreschs Schöpfung. Einige beunruhigt die Vorstellung, ihre Identität im Ausland verbergen zu müssen. Andere haben kein Problem damit. In Frankreich sei es gerade sehr gefährlich, mit einer Kippa auf die Strasse zu gehen, sagt Richard Altabe, der auf seinem grauen Haar eine schwarze Jarmulke trägt. «Also, wenn man seinen religiösen Verpflichtung so nachkommen kann, warum nicht?»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.