Aktualisiert 29.03.2016 07:36

Erstes Soloalbum

Zayn Malik hat keine Lust mehr auf Händchen-Halten

Nach seinem Ausstieg bei One Direction hat Zayn Malik sein Solo-Debüt veröffentlicht. Darauf geht es vor allem um Sex – und das wirkt etwas zu verkrampft.

von
Neil Werndli

Vor ziemlich genau einem Jahr stieg Zayn Malik mit viel Getöse bei One Direction aus. «Ich gehe, weil ich ein normaler 22-Jähriger sein will», sagte er damals. Mittlerweile ist er 23 und die Zukunft seiner alten Band steht in den Sternen – momentan machen One Direction auf unbestimmte Zeit Pause.

Es war ein geschickter Schachzug, das Handtuch als erster zu werfen. Dadurch positioniert er sich als Märtyrer der Gruppe. Nun steht er mit seiner Solo-Premiere «Mind Of Mine» da, möchte als ernstzunehmender Künstler wahrgenommen werden und möglichst unabhängig wirken. Der Plan geht halbwegs auf – auch wenn Zayn leicht übers Ziel hinausschiesst.

«Den ganzen Tag am Ficken»

Die Songtitel auf der Platte schreibt Zayn wie ein 14-Jähriger, der sich für besonders kreativ hält, weil er auf Gross-/Kleinschreibung pfeift: «iT's YoU», «rEaR vIeW», «BoRdErSz» – so weit, so pubertär. Dafür entscheidet sich der Teenie-Schwarm für einen reiferen Sound als zu 1D-Zeiten.

«Mind Of Mine» besteht hauptsächlich aus düster angehauchtem R&B, der vergangenes Jahr The Weeknd gross gemacht hat. Der Song «BeFoUr» erinnert an «Oh, komm doch bitte mit mir nach Hause»-Schnulzen von Kalibern eines Miguel. Die Songs fühlen sich an wie die übrig gebliebenen Gäste einer dekadenten Party, die morgens um sechs noch auf der Tanzfläche rumlungern.

Das Ganze soll zwielichtig aussehen – Zayn ist jetzt ein Bad Boy. Und nach all dem Blümchen-Vibe bei One Direction muss dringend betont werden, dass er nicht nur an Händchenhalten interessiert ist. «Wir sind den ganzen Tag im Bett, ficken und streiten dann weiter», singt er in der Vorabsingle «Pillowtalk». Ein «normaler 22-Jähriger» eben. Schöne Mädchen sind seine Hauptbeschäftigung auf «Mind Of Mine», wenn er denn nicht gerade wie im sphärischen Interlude «Flower» in Urdu, der Sprache seines pakistanischen Vaters, singt.

Mit dem Kopf durch die Bettdecke

Dass sein Spektrum eigentlich breiter ist, zeigt etwa die Piano-Ballade «fOoL fOr YoU». Laut eigener Aussage hat Zayn während der Produktion von «Mind Of Mine» viel John Lennon gehört – das hier hat er damit wohl angedeutet. «BoRdErSz» hingegen ist wohl ein Augenzwinkern in Richtung Justin Bieber, der auf seinem letzten Album «Purpose» mit tropisch angehauchtem House flirtete.

Mehr von dieser Leichtigkeit hätte Zayns Solo-Debüt gut getan; denn seine Attitüde wirkt oft aufgesetzt und verkopft, was gerade bei vermeintlich sexy Stücken ein Abturner ist. Zayn ist der eine aufdringliche Typ im Club, der es einfach zu verkrampft versucht.

Der nächste Timberlake?

Als Teil von One Direction war Zayn nie die Rampensau. Im Gegensatz zu einem Harry Styles hielt er sich zurück und profitiert dafür nun vom Überraschungsmoment: Wer hätte gedacht, dass sich der mystische Sänger aus der hinteren Reihe problemlos alleine hinstellen kann? Sein Falsett trägt einen Song nämlich auch ohne die anderen Nasen. Die Justin-Timberlake/Robbie-Williams-Rolle vom Boyband-Aussteiger kann er so problemlos übernehmen.

Zayns Solokarriere wird ziemlich sicher ein Erfolg – «Pillowtalk» hat bereits überall die Spitze der Charts erobert. Mit seinem 2015er-R&B geht er zwar auf Nummer sicher, aber immerhin hinterlässt «Mind Of Mine» den Eindruck, dass der Musiker endlich Bock auf das hat, was er tut. Was aus den Plänen, «ein normaler 22-Jähriger» zu sein, geworden ist, fragen wir jetzt nicht.

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