ZDF dämmt Schleichwerbung ein
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ZDF dämmt Schleichwerbung ein

Schleichwerbung soll beim ZDF künftig besser erkennbar sein. Werbepartner, vom ZDF Kooperationspartner genannt, werden im Abspann von Sendungen aufgeführt, erklärten ZDF-Intendant Markus Schächter und Fernsehrats-Vorsitzender Ruprecht Polenz am Freitag in Berlin.

Das ZDF verzichte im Rahmen einer neuen Selbstverpflichtung ausserdem auf 0190er-Nummern bei Publikumsaktionen, verringere die Zahl der Gewinnspiele und lasse die Kooperation mit T-Online auslaufen. Der Fernsehrat wählte Polenz einstimmig als Vorsitzenden wieder.

Die so genannten Kooperationen sollen allerdings nicht komplett aufgegeben werden. Man werde sich für den Transport von Prominenten und Showgästen jetzt keinen eigenen Wagenpark zulegen und auch auf die Zusammenarbeit mit der Musikindustrie nicht verzichten, erklärte Schächter. Die Verringerung der Kooperationen sei Bestandteil einer Selbstverpflichtungserklärung, deren Entwurf mit dem Fernsehrat abgestimmt worden sei und die zum 1. Oktober umgesetzt werden solle.

Die Mitfinanzierung von Sendungen durch Werbepartner war in der Vergangenheit scharf kritisiert worden. Die «Süddeutsche Zeitung» (Freitagausgabe) hatte berichtet, das ZDF habe im letzten Jahr aus Kooperationen und Gewinnspielen 20 Millionen Euro eingenommen. Schächter wollte die Zahl am Freitag nicht bestätigen, erklärte aber, dem Sender würden im Kooperationsbereich durch die neuen Regelungen rund ein Drittel Einnahmen entgehen. Das Minus müsse unter anderem durch Ausgabenreduzierungen kompensiert werden.

«heute» ohne T-Online

Der Kooperationsvertrag über die Nachrichten-Site heute.t-online.de werde nach dessen Auslaufen Ende 2004 nicht verlängert, erläuterte Schächter einen Entschluss, der schon zwei Tage vor der Fernsehratssitzung bekannt geworden war. Künftig solle auch im ZDF-Onlineangebot allein auf die eigene Programm-Marke «heute» gesetzt werden.

Polenz wies in scharfer Form Forderungen zurück, die Landesmedienanstalten - die für die Überwachung der privaten Sender zuständig sind - in die Kontrolle der Öffentlich-Rechtlichen einzubinden. Es entstehe der Eindruck, die Landesmedienanstalten seien «scheinbar nicht ganz ausgelastet», sagte Polenz. Ausgerechnet der Jugendschutz werde in der Diskussion zur Begründung angeführt. Wer aber die «Dirty-Talks», das «Ekel-TV» und die «pornografische Werbung für Telefonsex in den Abendstunden» in den Privaten nicht zu unterbinden verstehe, der «sollte sich nicht um neue Aufgaben bewerben».

Der ZDF-Fernsehrat war in Berlin in seine zwölfte Amtsperiode gestartet. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Polenz (58) wurde den Angaben zufolge ohne Gegenstimme wiedergewählt. Zu Stellvertretern wurden die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Böhmer, die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt sowie Roland Issen von der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft gewählt. Der Fernsehrat hat 77 Mitglieder aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Er wählt unter anderem den Intendanten und wacht über die Einhaltung von Richtlinien. (dapd)

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