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In der «Heute Show»ZDF veräppelt SVP-Grossrat Erich Hess

Zwischen der Schweiz und Deutschland herrscht Streit – Steuerstreit. Grund genug für eine deutsche Satiresendung in die Schweiz zu reisen. Das Opfer: Erich Hess von der SVP.

von
Adrian Eng

In der «Heute Show» auf ZDF wurde das Steuerabkommen mit der Schweiz zum Thema gemacht. Das Satiremagazin veräppelte dabei nicht nur den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, sondern suchte auch nach Opfern im Steuerparadies Schweiz. Dabei wurde man in Bern fündig – bei SVP-Jungpolitiker und Grossrat Erich Hess.

Bereits in der Einleitung zeigte die «Heute Show» Hess, wie er in gewohnt hemdsärmliger Manier die Schweizer Grundwerte hoch hält – und sich dabei beim Wort Souveränität etwas schwer tat. Doch das war erst der Anfang. In den folgenden Minuten liessen die deutschen Satiriker den jungen Berner ziemlich alt aussehen.

«Die Leute sollen ruhig darüber lachen»

Für die Begrüssung musste Hess gleich mehrere Male nett Winken und seinen Namen in die Kamera sagen. Es folgte ein gestellter Small Talk mit einem Parteikollegen, der ebenfalls wiederholt werden musste. Das Publikum im Hintergrund lachte. Anschliessend liess der Moderator Hess referieren, verliess aber mitten in der Rede seinen Platz, nachdem er sich bereits zuvor mit einem Stift in der Nase bohrte, und ging auf die Toilette eine Zigarette rauchen.

Zum Schluss, als Hess erneut seine zentralen Themen in die Kamera sprach, schnitt der Moderator hinter Hess' Rücken obszöne Grimassen. Und liess den SVPler wieder denkbar schlecht aussehen.

20 Minuten Online erreichte Erich Hess, der gerade in Israel weilt, am Telefon. Er nimmt die Sache gelassen: «Es ist eine Satiresendung. Die Leute sollen ruhig darüber lachen, das macht mir nichts aus». Das Treffen habe vor rund zehn Tagen stattgefunden. Die Deutschen hätten sich als normales ZDF-Fernsehteam vorgestellt, die einige Statements zum Thema Steuerabkommen einholen wollte.

«Kreuz und quer durcheinander geschnitten»

Hess dachte sich nichts dabei, bereits einige Wochen zuvor habe das ZDF ihn interviewt. «Ziemlich schnell habe ich aber gemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Ich habe schon gedacht, dass die Aufnahmen für eine Satiresendung sein könnten», so der SVP-Grossrat.

Als er das ZDF-Team gefragt habe, ob das Material für satirische Zwecke verwendet werde, hätten diese klar verneint. «Im Beitrag haben sie alles kreuz und quer durcheinander geschnitten». Hess will trotzdem nicht rechtlich gegen das Staatsfernsehen vorgehen.

Eine Anfrage beim ZDF blieb bis jetzt unbeantwortet.

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