Steuerflucht: Zebra-Methode war unter Experten bekannt
Aktualisiert

SteuerfluchtZebra-Methode war unter Experten bekannt

Deutsche Steuerbetrüger sollen den Fiskus mit einem dreisten Trick hinters Licht geführt haben. Die betroffene Zürcher Bank gibt sich unschuldig.

von
Alex Hämmerli
Das Zebra ist unter Steuerrechtlern kein Unbekannter.

Das Zebra ist unter Steuerrechtlern kein Unbekannter.

Bei der Untersuchung der neusten Bankdaten-CD sind deutsche Steuerfahnder auf ein neues Muster gestossen: Bankkunden hätten nicht selten zwei Konten bei derselben Schweizer Bank geführt - ein «weisses», das sie in der Steuererklärung korrekt angaben und ein «schwarzes». Daher die Bezeichnung «Zebra-Methode».

Betroffen sei die Zürcher Bank Coutts. Dort will man jedoch nichts dergleichen wissen: Interne Untersuchungen hätten bislang keine Anhaltspunkte zutage gebracht.

Dass Kunden bei einer Bank mehrere Konten führen, dagegen sei nichts einzuwenden, heisst es bei der Bankiervereinigung. Sollte das Steueramt misstrauisch werden, könne dieses vom Kunden eine Bescheinigung verlangen, auf dem alle Konten aufgelistet sind. Sollte die Coutts solche Papiere fehlerhaft ausgefüllt haben, so könnte sie wegen Gehilfenschaft zu Steuerdelikten zur Rechenschaft gezogen werden.

Ob Bankkunden mittels Zebra-Methode auch bei anderen Finanzhäusern im grossen Stil Geld verstecken, ist bislang nicht gesichert, jedoch gut möglich. Unter Fachleuten ist das Prinzip nämlich schon länger bekannt, wie Steuerrechtler Andreas Böhm, Inhaber einer Berliner Anwaltskanzlei bestätigt. «Unbekannt ist nur das Ausmass».

Selbstanzeigen wegen Daten-CDs

Die Drohkulisse wirkt: Die jüngsten Ankäufe von Steuerdaten aus der Schweiz haben in Deutschland zu einem deutlichen Anstieg der Selbstanzeigen geführt. Das berichtet die «Financial Times Deutschland». In Nordrhein-Westfalen etwa habe es vom 5. Juli bis 2. August 93 Selbstanzeigen gegeben, in den Vormonaten waren es jeweils weniger als 20 gewesen. Wer sich in Deutschland wegen Steuerhinterziehung selbst abzeigt, geht straffrei aus.

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