Plagen über Plagen: Zecken stechen derzeit häufiger als sonst
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Plagen über PlagenZecken stechen derzeit häufiger als sonst

Das heisse Sommerwetter nach dem nasskalten Frühling ist schuld: Mücken, Wespen, Schnecken und neuerdings auch Zecken machen uns das Leben schwer.

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tab/sda

Der zunächst nasskalte Frühling und der verspätete, aber heisse Sommer haben uns nicht nur Freuden beschert. Die Entwicklung vieler Insekten wurde dadurch verschoben und die Konsequenzen daraus zeigen sich jetzt in vollem Ausmass. Wespen und Mücken bespielsweise sind im Moment in grosser Vielzahl unterwegs, was den Eindruck einer Plage vermittelt.

Doch nicht nur bei den Insekten ist der Rhythmus durcheinandergeraten. Auch Zecken stechen zurzeit häufiger zu als sonst. Anfang August wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Woche zwölf Fälle der von Zecken übertragenen Zeckenenzephalitis gemeldet. In der gleichen Woche im Vorjahr waren es nur drei Fälle, vor zwei Jahren sechs. In den letzten vier Wochen wurden 59 Fälle von Zeckenenzephalitis gemeldet, mehr als dreimal so viele wie im Jahr zuvor.

Ärzte werden dieses Jahr später aufgesucht

«Bei gutem Wetter sind mehr Leute in der Natur unterwegs. Kommt eine gewisse Luftfeuchtigkeit dazu, sind auch die Zecken aktiver, somit ist der momentane Anstieg nicht verwunderlich», sagt Bruno Betschart, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für zeckenübertragbare Krankheiten. Es stimme auch, dass die Anzahl der Konsultationen wegen Zeckenstichen dieses Jahr etwas später dominant sind, das habe wohl mit dem schlechten Frühling zu tun.

«Wir haben jedoch keine Informationen, dass es ein zeckenreicheres Jahr ist als andere.» Es sei wichtig, zu unterscheiden zwischen dem Vorhandensein der Zecken und der Zeckenaktivität einerseits und der empfundenen Präsenz der Zecken in der Bevölkerung. «Dies wird zu oft vermischt und vereinfacht», sagt Betschart.

Grund für Stiche ist der Übermut der Leute

Arzt und Zeckenexperte Norbert Satz ist da anderer Meinung: «Wir haben aussergewöhnlich viele Zecken derzeit.» Der kalte Winter sei optimal für die Zecken gewesen, da sie während dieser Zeit in eine Starre verfallen, Energie speichern und im Frühling topfit auf die Lauer gehen konnten. Man habe nur deshalb nichts von Zeckenstichen gehört, weil praktisch jedes Wochenende vom März bis im Mai verregnet gewesen sei.«Wenn niemand nach draussen geht, kann auch niemand gestochen werden», so Satz.

Seit der Hitze, die Anfang Juni begonnen hat, habe er immer mehr Patienten mit Zeckenstichen. «In den letzten Wochen hat es massiv angezogen, wir haben jeden Tag frische Fälle.» Satz sieht die Ursache im Übermut der Leute: «Sie laufen halb nackt herum, weil sie jetzt alles nachholen wollen, was sie im Frühling nicht machen konnten.»

Franziska Knobel, Präsidentin der Liga für Zeckenkranke, leidet selbst unter Borrelliose. «Ich empfehle jedem, der nach draussen geht, lange Kleider zu tragen - während des ganzen Jahres.» Sie spraye sich zusätzlich von Kopf bis Fuss mit Anti-Zeckenmitteln ein.

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