Mai war Rekordmonat: Zecken stechen so häufig wie noch nie
Aktualisiert

Mai war RekordmonatZecken stechen so häufig wie noch nie

Es ist Zeckensaison, doch so viele Stiche gab es noch nie. Offenbar lauern die Zecken jetzt auch in städtischen Grünanlagen. Grund dafür könnte das Littering sein.

von
tam
1 / 4
Von Januar bis Juni 2018 gingen rund 11'000 Personen wegen eines Zeckenstichs zum Arzt.

Von Januar bis Juni 2018 gingen rund 11'000 Personen wegen eines Zeckenstichs zum Arzt.

Keystone/Patrick Pleul
Ein Forscher fragt sich, warum Zecken, die typischerweise im Wald vorkommen, auch auf städtischen Grünflächen auftreten.

Ein Forscher fragt sich, warum Zecken, die typischerweise im Wald vorkommen, auch auf städtischen Grünflächen auftreten.

Keystone/Martin Ruetschi
Ein Grund könnte laut dem Experten sein, dass herumliegender Abfall Nager anlockt, die Träger von Zecken sind.

Ein Grund könnte laut dem Experten sein, dass herumliegender Abfall Nager anlockt, die Träger von Zecken sind.

Leser-Reporter/Peter Hossli

Noch nie waren so viele Personen wegen eines Zeckenstichs beim Arzt. Das zeigen die Daten des bundesweiten Meldesystems Sentinella. Der Bund schätzt, dass zwischen Januar und Juni 2018 rund 11'000 Patienten zum Arzt gingen, weil sie von einer Zecke gebissen wurden. 2016 wurden im ganzen Jahr nur rund 9000 Fälle verzeichnet.

«Der Mai war ein Rekordmonat und auch der Juni wird wohl ein Spitzenmonat», sagt Werner Tischhauser, Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Das habe mit dem warmen und feuchten Wetter zu tun. Im März dagegen seien die Zecken auffällig inaktiv gewesen. Neben der Häufung erstaunen den Forscher die Orte, an denen Personen gestochen werden.

«Littering holt Zecken in die Wiesen»

«Die Gefahr, eine Zecke aufzulesen, lauert nicht nur im Wald, sondern auch auf städtischen Grünflächen wie Parks und Uferanlagen», so Tischhauser. Mehrmals hätten die Zecken dieses Jahr auch am Stadtzürcher Seeufer zugeschlagen. Das zeigten Daten, die von Nutzern der Zecken-Apps erfasst werden.

Grund dafür könnte laut dem Zeckenexperten das Littering sein: «Der Abfall, den die Leute am Abend liegen lassen, zieht Mäuse und Füchse an, die Träger von Zecken sind. Beim Streifzug fallen die vollgesogenen Zecken ab und landen auf der Wiese, wo sie auch Badegästen auflauern können.» Bereits in den vergangenen Jahren habe es Zeckenstichmeldungen vom Zürcher Seebecken gegeben.

Es gibt noch andere Zecken-Taxis

Auf das Problem ist der Forscher aber erst kürzlich aufmerksam geworden. «Ich habe die Angaben der Nutzer analysiert und festgestellt, dass sie Stiche und Sichtungen an eher exotischen Orten wie dem Zürichhorn oder dem Mythenquai melden.» Er habe sich dann gefragt, warum auch auf städtischen Grünanlagen Zecken auftreten.

«Die Vermutung lag nahe, dass das mit dem Abfall zusammenhängt, der über Nacht herumliegt.» Die Stadt räume am Morgen zwar relativ früh auf, aber dann hätten die nachtaktiven Nager ihren Rundgang bereits beendet. Aber auch ohne Littering sei es möglich, dass Zecken ans Seeufer gelangen. «Hunde, Füchse, Eichhörnchen und Amseln kommen als Zecken-Taxi ebenfalls in Frage.»

Fachmann der Stadt dementiert Zeckenproblematik

Dramatisch schätzt der Experte die Situation aber nicht ein. «Das Risiko, eine Zecke einzufangen, ist gering», so Tischhauser. Dass es vermehrt zu Stichen kommt, sei vor allem dem hohen Besucheransturm geschuldet.

Auch bei der Stadt Zürich schätzt man die Situation nicht als dramatisch ein. «Wir untersuchen punktuell wenige uns gemeldete Fälle von Zeckenstichen und konnten bisher nicht feststellen, dass es in den städtischen Grünanlagen Zeckenprobleme gibt», sagt Marcus Schmidt, Projektleiter Schädlingsbekämpfung. Auch eine Studie, die vor drei Jahren verfasst worden sei, habe keine Anzeichen dafür gegeben.

«Ratten kommen kaum in Frage»

Die Vermutung von Tischhauser, dass Mäuse von Essensresten angelockt werden und so einzelne Zecken auf die Wiesen gelangen, sei plausibel. Wenn es ums Aufräumen gehe, leiste die Stadt aber gute Arbeit. Zudem sei neben Mäusen auch der Igel als Zecken-Taxi bekannt und dieser werde nicht durch Abfall angelockt. Und eines kann Schmidt ausschliessen: «Ratten kommen kaum in Frage. Diese bekämpfen wir systematisch.»

Deine Meinung