Patienten klagen: Zeckenopfer fühlen sich im Stich gelassen
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Patienten klagenZeckenopfer fühlen sich im Stich gelassen

10'000 Personen erkranken in der Schweiz jährlich nach einem Zeckenstich. Die Betroffenen beschweren sich, dass sie falsch oder gar nicht behandelt werden. Jetzt demonstrieren sie.

von
Andrea Heeb Perrig
Regula Heim von der Schweizer Borreliose-Selbsthilfegruppe. Nach einem Zeckenbiss leidet sie selbst seit Jahren unter Borreliose.

Regula Heim von der Schweizer Borreliose-Selbsthilfegruppe. Nach einem Zeckenbiss leidet sie selbst seit Jahren unter Borreliose.

«Die Forschung sowie die Mehrheit der Ärzte lassen Borreliose-Patienten im Stich», sagt Regula Heim (46) von der Schweizer Lyme-Borreliose-Selbsthilfegruppe. Dies habe zwei Gründe: Erstens sei die Diagnostik von Borreliose-Erkrankungen sehr schwierig. Mehr als die Hälfte der durchgeführten Tests seien falsch und die typische Rötung trete nur etwa bei der Hälfte der Infizierten auf. Zweitens seien sich die Fachleute über eine erfolgreiche Behandlung nicht einig.

Regula Heim leidet selbst seit 1995 an Lyme-Borreliose. Dies äussert sich in Hautveränderungen, Schmerzen, extremen Erschöpfungszuständen und in Muskelschwäche. «Es ging mehrere Jahre, bis bei mir Borreliose diagnostiziert wurde. Die konsultierten Ärzte gingen immer wieder davon aus, dass ich psychisch erkrankt sei», so die Patientin. Sie wurde sogar in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Seit 2003 ist sie ganz arbeitsunfähig. Heim: «So geht es vielen Borreliose-Patienten. Einige leiden so sehr, dass sie die Erkrankung in den Selbstmord treibt.»

Weltweit finden am 10. und 11. Mai in über 20 Ländern Borreliose-Protesttage statt. Die Schweizer Selbsthilfegruppe demonstriert am Freitag vor dem Universitätsspital Zürich. Sie fordern Wissenschaftler auf, die chronische Borreliose in Langzeitstudien zu erforschen. Zudem verlangen sie, dass sich die Gesundheitsämter für die Borreliose-Prävention einsetzen, statt die Problematik zu verharmlosen.

Falsche Forderungen und Vorwürfe

Der Arzt und Zeckenexperte Norbert Satz ist von dem Protest alles andere als begeistert. «Die Forderungen der Demonstranten sind falsch. Borreliose wurde und wird weltweit sehr stark erforscht. Doch bis es brauchbare Resultate gibt, braucht es Jahrzehnte», sagt Satz. Zudem hält er fest, dass es für solche Forschungen immer die nötigen Fachkräfte und vor allem auch das nötige Geld brauche.

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hält fest, dass viel für die Borreliose-Bekämpfung getan wird. «Das BAG fördert die Forschung im Bereich der Lyme Borreliose-Diagnostik über das Nationale Referenzzentrum für Zeckenübertragene Krankheiten in Neuenburg», sagt BAG-Sprecherin Sabina Helfer. Dafür würden jährlich ein Betrag von 100'000 Franken aufgewendet. Das Zentrum führt zudem eine wissenschaftliche Begleitgruppe, in der auch Betroffene durch die Liga für Zeckenkranke vertreten sind.

Laut neusten Erhebungen des BAG erkranken jährlich in der Schweiz rund 10'000 Personen neu an Borreliose. «Doch es gibt eine Dunkelziffer. Wir glauben es sind zwischen 20'000 und 30'000 Personen», so Heim. Erreger der Borreliose oder Lyme-Krankheit ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist durch infizierte Zecken, die menschliches Blut saugen.

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