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Zürcher BezirksgerichtZehn Jahre Gefängnis für ehemaligen Callboy

In einem Streit hat in Zürich ein Sicherheitsangestellter einem Moldawier auf offener Strasse in den Bauch geschossen. Nun wurde der Täter zu zehn Jahren Haft verurteilt.

von
Attila Szenogrady
Klares Urteil: Im Berzirksgericht Zürich ist ein Sicherheitsangestellter zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. (Archiv)

Klares Urteil: Im Berzirksgericht Zürich ist ein Sicherheitsangestellter zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. (Archiv)

Der Tathergang ging auf die Nacht auf den 1. Mai 2014 zurück. Damals bekam der heute 28-jährige Sicherheitsangestellte Streit mit seiner russischen Partnerin. Dabei erhielt sie Unterstützung von einer befreundeten Landsfrau und einem Moldawier. Der Osteuropäer und der Schweizer gerieten sich am Zürcher Rigiplatz schon bald in die Haare. Der Angestellte einer Sicherheitsfirma warf seinen Gegner mit einer Drehbewegung zu Boden und rannte davon.

In der Wohnung die Pistole behändigt

Fest steht, dass sich der Sicherheitsangestellte in seine Wohnung an der Irchelstrasse begab und dort eine geladene Pistole behändigte. Als er die beiden Frauen auf der Strasse erblickte, begab er sich nach unten und versetzte der Begleiterin seiner Freundin mehrere Ohrfeigen.

Als der Moldawier dies sah, lief er in die Richtung seines Kontrahenten, der mit seiner Pistole aus einer Entfernung von 10 Metern einen ersten Schuss auf den Geschädigten abgab. Dann drückte er noch einmal ab, die zweite Kugel traf den heute 38-jährigen Privatkläger in der Bauchgegend und verletzte ihn lebensgefährlich. Während die Ärzte das Leben des Opfers retten konnten, stellte sich der Schütze wenig später freiwillig der Polizei.

Notwehr und Panik geltend gemacht

Am Mittwoch musste sich der Zürcher Kampfsportler und Ex-Callboy vor Gericht verantworten, wo er Notwehr und Panik geltend machte. «Ich habe mehrfach Stopp gerufen», erinnerte er sich. Keiner der Zeugen bestätigte dies allerdings. Er habe gedacht, seine Freundin sei in Gefahr. Deshalb habe er zur Pistole gegriffen.

Die Staatsanwaltschaft ging dagegen von einer versuchten vorsätzlichen Tötung aus und verlangte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren. Die Verteidigung sprach dagegen von einer Notwehrsituation sowie einem versuchten Totschlag. Sie forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren sowie die sofortige Haftentlassung seines Klienten.

Strafe erhöht

Das Gericht kannte zum Schluss kein Pardon und erhöhte gar die Strafe auf zehn Jahre Freiheitsentzug. «Wer Panik hat, schliesst sich in der Wohnung ein und alarmiert die Polizei», erklärte die Gerichtsvorsitzende. Der Beschuldigte dagegen habe die Konfrontation geradezu gesucht.

Das Gericht schloss eine Notwehrlage klar aus, ebenso einen Totschlag. Verteidiger Valentin Landmann legte unmittelbar nach dem Urteil Berufung ein.

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