Zu Tode geschüttelt: Zehn Jahre Gefängnis für Mona L.
Aktualisiert

Zu Tode geschütteltZehn Jahre Gefängnis für Mona L.

Mona L. muss wegen vorsätzlicher Tötung einer knapp 5-Jährigen in Wila ZH zehn Jahre hinter Gitter. Damit folgt das Gericht im «Hasch-Jesus»-Prozess weitgehend dem Antrag der Anklage.

Zu einer Strafe von 10 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung und mehrfacher schwerer Körperverletzung hat das Bezirksgericht Pfäffikon ZH am Dienstag eine 27-jährige Frau verurteilt. Sie hatte 2006 ein Kind zu Tode geschüttelt.

Überdies hatte sie zuvor an diversen Misshandlungen der knapp Fünfjährigen und deren älterer Schwester mitgewirkt. Unmittelbar nach der Eröffnung des Urteils wurde die junge Frau wegen Fluchtgefahr von zwei Kantonspolizisten in Sicherheitshaft genommen. Diese hatte der Staatsanwalt beantragt. Sie wird in drei Monaten erstmals neu beurteilt.

Die 27-Jährige muss auf Anordnung des Gerichts dem überlebenden, heute 13-jährigen Mädchen zusammen mit den beiden bereits verurteilten Mittätern eine Genugtuung von insgesamt 75 000 Franken entrichten. Weil sie den Tod der kleinen Schwester verschuldet hatte, wurde ihr eine zusätzliche Genugtuungssumme von 30 000 Franken auferlegt.

Tod des Kindes in Kauf genommen

Gemäss dem Gericht hatte die Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt. Das bedeutet, sie hatte die Schädigung der Kinder, beziehungsweise den Tod des fast fünfjährigen Mädchens nicht angestrebt, aber in Kauf genommen.

Das Gericht ging von einem Verschulden im mittleren Masse aus. Es hielt der Beschuldigten die gutachterlich festgestellte leicht verminderte Schuldfähigkeit, ihr weit gehendes Geständnis und ihre Reue zugute. Es berücksichtigte auch die schwierigen Lebensumstände der Beschuldigten und deren Jugend.

Das Urteil entspricht weitgehend dem Antrag der Anklage. Staatsanwalt Ulrich Weder hatte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und mehrfacher schwerer Körperverletzung verlangt. Dafür hatte er allerdings eine Bestrafung mit 16 Jahren Freiheitsentzug gefordert.

Staatsanwalt prüft Strafmass

Das deutlich tiefere Strafmass will er mit Blick auf eine allfällige Berufung nun nochmals genau prüfen, wie er der Nachrichtenagentur sda sagte. Dagegen sei er mit dem antragsgemässen Schuldspruch und der Sicherheitshaft «sehr zufrieden» - diese sei ein «deutliches Zeichen».

Keine Chance hatte der Verteidiger. Er sah bloss die Tatbestände Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht und fahrlässige Tötung erfüllt. Dafür erachtete er eine zweijährige bedingte Freiheitsstrafe als angemessen. Auch mit seinem Eventualantrag auf 3 Jahre teilbedingt wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Tötung kam er nicht durch.

Seine Mandantin sei denn auch enttäuscht, dass das Gericht am Eventualvorsatz festgehalten habe, sagte der Anwalt nach der Urteilseröffnung. Zudem könne sie die Sicherheitshaft nicht verstehen.

«Sie kannte den Hunger und die blauen Flecken»

Laut Gericht hatte die junge Frau in den ganzen zwei Jahren, die sie in der Wohngemeinschaft verbrachte, gewusst, dass die vom WG-Oberhaupt angeordneten brutalen Erziehungsmassnahmen falsch waren. «Sie kannte den Hunger und die blauen Flecken» der Kinder. Dennoch habe sie das Erziehungssystem bis zum Schluss unterstützt, weil sie den Mann nicht habe verlieren wollen.

Sie habe auch «den miserablen Zustand» des kleinen Mädchens gekannt. Als sie es schüttelte, war es völlig entkräftet von den unaufhörlichen Bestrafungen. «Sie musste den Tod des Kindes direkt vor Augen haben und hat ihn in Kauf genommen.»

In der sektenartigen WG bemühten sich die drei Erwachsenen nach Kräften, den Willen der beiden Kinder mit sadistischer Härte zu brechen, um sie in ein gottgefälliges Leben zu zwingen. In diesem durchdachten System lebten sie «in permanenter Angst», so die Gerichtsvorsitzende. «Die frühe Kindheit der Mädchen wurde nachhaltig zerstört».

Beschuldigte war nicht treibende Kraft

Das überlebende Kind dürfte laut Fachleuten sein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen haben. Die Beschuldigte sei zwar nicht treibende Kraft gewesen, aber Mittäterin.

Die beiden anderen Beteiligten wurden in einem separaten Verfahren zu 9,5 beziehungsweise 7 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die Strafen sind noch nicht rechtskräftig. (sda)

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