Flugzeugabsturz: Zehn Jahre Gefängnis wegen Stossgebet
Aktualisiert

FlugzeugabsturzZehn Jahre Gefängnis wegen Stossgebet

2005 starben bei einer Notwasserung vor Sizilien 16 Passagiere eines tunesischen Flugzeugs. Jetzt sind die Bruchpiloten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden - weil sie nicht handelten, sondern beteten.

Die italienische Justiz hat am Montag die beiden Piloten eines tunesischen Passagierflugzeugs zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Maschine hatte am 6. August 2005 bei ihrem Flug von Bari nach Djerba vor der Küste Siziliens notwassern müssen; bei dem Unglück starben 16 Menschen, 23 überlebten.

Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete, sprach ein Gericht in Palermo gegen fünf weitere Verantwortliche für das Unglück Haftstrafen aus. Unter ihnen ist der Chef der Fluglinie Tuninter, Moncef Zouari, der für neun Jahre ins Gefängnis muss. Zwei Beschuldigte wurden freigesprochen. Alle Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt, ihre Anwälte kündigten Berufung an.

Falsche Treibstoffanzeige

Flugkapitän Chafik Gharby hatte zunächst als Held gegolten, wie die britische Zeitung «The Guardian» in ihrer Internet-Ausgabe erklärt. Immerhin hatte die Mehrzahl der Passagiere die Notwasserung überlebt. Die Ermittlungen ergaben dann, dass in dem Flugzeug vom Typ ATR-72 bei einer Reparatur falsche Treibstoffanzeigen eingebaut worden waren. Obwohl die Tanks fast leer waren, zeigten die Instrumente, die für einen älteren Typ der Maschine ausgelegt waren, ausreichend Treibstoff an. Die unterschiedlichen Anzeigen hätten den Piloten bei den Routinechecks vor dem Start auffallen müssen, urteilte das Gericht.

Die Triebwerke fielen zudem aus, als die Maschine sich über Sizilien befand. Die Piloten hätten daher im Gleitflug den Flughafen Palermo erreichen können, statt eine Notwasserung zu versuchen, befand das Gericht. Gharby sei jedoch in Panik geraten und habe angefangen zu beten. Aufnahmen aus dem Cockpit belegen, dass Gharby «Allah und seinen Propheten Mohammed» um Hilfe bat. Seine Anwältin Francesca Coppi sagte dazu: «In der Gefahr rief er seinen Gott an, wie jeder von uns dies tun würde.» Gharby sei ein «gebrochener Mann», fügte sie hinzu, der «überzeugt sei, dass er alles getan habe, was möglich war, um so viele Leben wie möglich zu retten.»

(dhr/sda)

Deine Meinung