Aktualisiert 21.05.2013 18:12

Nidau BEZehn Jahre Haft für Bordell-Chef gefordert

Ein 38-jähriger türkischer Bordellbesitzer soll wegen Menschenhandels und mehreren weiteren Delikten zehn Jahre hinter Gitter. Mit seinen Komplizen soll er professionell mit Hanf und Kokain gedealt haben.

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Im Hotel Schloss in Nidau (BE) soll der 38-jährige Türke in seinem Bordell systematisch Menschenhandel und Prostitution betrieben haben. Der Staatsanwalt fordert dafür zehn Jahre Gefängnis.

Im Hotel Schloss in Nidau (BE) soll der 38-jährige Türke in seinem Bordell systematisch Menschenhandel und Prostitution betrieben haben. Der Staatsanwalt fordert dafür zehn Jahre Gefängnis.

Im Prozess um angeblichen Menschenhandel und Förderung der Prostitution in Biel hat der Staatsanwalt für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren gefordert. Für drei weitere Angeklagte hält er zwischen 2 und 6 Jahre für angemessen.

Der Staatsanwalt warf am Dienstag dem Hauptangeklagten vor, als Chef des Bordells «Hotel Schloss» in Nidau BE Frauen von Zuhältern gekauft zu haben. Nach eigenem Gutdünken habe er sie dann in seinem Betrieb als Prostituierte eingesetzt oder in andere Kontaktbars in der halben Schweiz geschickt.

Die vor allem aus Rumänien stammenden Frauen seien in der persönlichen Freiheit massiv eingeschränkt worden. In einem «Klima mit sehr viel Gewalt» habe der heute 38-jährige Türke die zumeist mittellosen, als Touristinnen eingereisten illegal arbeitenden Frauen gefügig gemacht.

Mit Pistole bedroht

Allein für diesen Menschenhandel respektive die Förderung der Prostitution verdiene der heutige Sozialhilfebezüger fünf Jahre Freiheitsstrafe, sagte der Staatsanwalt in einem mehr als fünfstündigen Plädoyer.

Die übrigen fünf Jahre Haft beantragte er für angebliche qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäbungsmittelgesetz und weitere mutmassliche Straftaten, so etwa Freiheitsberaubung und Gefährdung des Lebens. So soll der Türke etwa einen Landsmann, der den Betrieb verlassen wollte, mit einer Pistole bedroht und so zurückgeholt haben.

Auf einen unliebsamen Gast soll er einen Schuss abgegeben und einen weiteren soll der trainierte Boxer massiv zusammengeschlagen haben.

Hauptangeklagter bestreitet Vorwürfe

Sechs Jahre Freiheitsstrafe fordert der Staatsanwalt für einen Mann, dem er vor allem Hanf- und Kokainhandel zusammen mit dem Hauptangeklagten vorwirft. Die anderen beiden Angeklagten sollen vor allem die Helfer des Bordell-Chefs gewesen sein.

Der Hauptangeklagte bestreitet die meisten Vorwürfe, gibt aber zu, in Nidau Chef des Bordells gewesen zu sein. Sein Verteidiger begann am Dienstagnachmittag mit seinem Plädoyer. Für die übrigen Verteidigungsreden hatte das Gericht den Mittwoch reserviert, das Urteil soll nächste Woche bekanntgegeben werden.

Geht zurück auf Grossrazzia der Polizei

Der Fall geht auf Grossrazzien der Polizei in Nidau BE und Tuggen SZ von Februar 2007 zurück. Damals wurden die vier Angeklagten in Haft genommen und nach der Untersuchungshaft freigelassen. Drei von ihnen befinden sich derzeit auf freiem Fuss. Der Hauptangeklagte wurde am Donnerstagabend auf Antrag des Staatsanwalts in Sicherheitshaft genommen.

Bei der Grossrazzia von 2007 handelte es sich nach Angaben der damaligen Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden um eine der grössten Aktionen gegen Menschenhandel in der Schweiz. Auch die rumänische Polizei war beteiligt. (hit/sda)

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