Mattia Croci-Torti war Parkett-Verkäufer, nun ist er Schweizer Cupsieger
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Trainer-Held Mattia Croci-TortiZehn Jahre lang war er Parkett-Verkäufer, nun ist er Schweizer Cupsieger

Mattia Croci-Torti ist seit wenigen Monaten Cheftrainer des FC Lugano. Dennoch feiert er nun bereits den grössten Triumph in seiner Karriere. Seine Geschichte ist speziell. 

von
Nils Hänggi

Hier feiert der FC Lugano den Cuptitel.

SRF

Darum gehts

Nach dem Schlusspfiff sank Lugano-Coach Mattia Croci-Torti auf die Trainerbank und weinte Freudentränen. Der 40-Jährige konnte es nicht fassen, er wurde von seinen Emotionen übermannt. Seine Freude? Verständlich. Seine Tessiner gewannen soeben nach einem 4:1 gegen St. Gallen den Schweizer Cup. Zum ersten Mal seit 1993 wandert die Trophäe somit in den Süden der Schweiz. 

Was Croci-Torti geschafft hat, ist unglaublich. Der Mann, der in 34 Spielen einen Punkteschnitt von 1,76 vorzuweisen hat, ist erst seit acht Monaten Cheftrainer. Ende September 2021 wurde er offiziell zum Chefcoach der Tessiner befördert, zuvor war er während zwei Spielen Interimstrainer. Seither überzeugt er durch seine Arbeit als Lugano-Trainer. Seine Mannschaft hat eine Handschrift, in der Super League steht der FCL kurz vor Schluss auf einem sehr guten vierten Platz. Und auch im Cupfinal hatte er sein Team perfekt eingestellt. Immer und immer wieder schaltete Lugano so schnell um, dass St. Gallen keine Chance hatte für das so gelobte Ostschweizer Pressing. 

«Wir haben alles für den Sieg gegeben»

«Es ist fantastisch», freut sich Croci-Torti nach der Partie. Er habe seinen Spielern gesagt, dass sie bereit für dieses Spiel seien. «Und das waren sie dann auch. Wir haben verdient gewonnen.» Und weiter: «Wir haben alles für den Sieg gegeben. Heute sind wir in die Geschichtsbücher dieses Clubs eingegangen. Ich bin wirklich zufrieden.» Viel Energie habe ihn der Match gekostet, aber feiern werde er trotzdem noch ein bisschen.

Auch Minuten nach dem Spiel: Croci-Torti ist noch immer sehr emotional. Ein ungewohnter Anblick. Schliesslich fiel er vor allem bisher durch seine betont, manchmal gar provokant coole und lässige Art auf. Der 40-Jährige, dessen Markenzeichen ein Cap ist, hat schon viel in seinem Leben erlebt. Croci-Torti hat keine grosse Spielerkarriere hinter sich. Er spielte etwa für Lugano, GC oder Chiasso. Als Co-Trainer sammelte er Erfahrung unter Maurizio Jacobacci (66 Spiele), Fabio Celestini (46 Spiele) und Abel Braga (5 Spiele). Und so konnte er nicht immer vom Fussball leben. Zehn Jahre lang arbeitete der 40-Jährige als Verkäufer für Parkett. 

Nach dem Schlusspfiff hatte Mattia Croci-Torti Tränen in den Augen. 

Nach dem Schlusspfiff hatte Mattia Croci-Torti Tränen in den Augen. 

Marusca Rezzonico/Freshfocus

Der Tessiner überzeugt – und wie

Den Tamedia-Zeitungen sagte er zuletzt: «Als Verkäufer musst du die Leute davon überzeugen, dass dein Parkett besser ist als jedes andere. Auch wenn das natürlich nicht der Fall ist. Als Fussballtrainer ist es dasselbe. Du musst deine Spieler davon überzeugen, dass es einen Sinn ergibt, was du machst.» Und: «Warum sollen sie mir das abkaufen? Weil ich sie davon überzeuge, dass es das Richtige ist. Jeder Tag ist ein Kampf. Früher wollte mein Chef, dass ich gut verkaufe. Heute will mein Chef gute Resultate sehen.»

Diese zeigt er – wie erwähnt. Auf dem Weg in den Cupfinal schaltete Lugano im Achtelfinal YB und im Halbfinal Titelverteidiger Luzern aus. Eine beeindruckende Leistung. Zumal war da dann noch der Trick, mit dem es die Tessiner schafften, dass Goalie Amir Saipi trotz Rot-Sperre auflaufen durfte. Bei den Tessinern hat Croci-Torti noch einen Vertrag bis Juni 2023. Nach dem Triumph am Sonntag sagt der Coach: «Ich war der erste Tessiner Trainer im Cupfinal, heute bin ich der erste Tessiner, der den Cupfinal auch gewinnt. Ich bin sehr zufrieden.»

Es ist wohl nicht zu hoch gepokert, wenn man sagt: Vermutlich wird der Tessiner noch mehr Tage haben, um sehr zufrieden zu sein.  

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