Blechlawine am Gotthard: Zehn Kilometer Stau erwartet
Aktualisiert

Blechlawine am GotthardZehn Kilometer Stau erwartet

Das lange Auffahrtswochenende steht kurz bevor und die Blechlawine rollt bereits Richtung Süden. Wer clever fährt, umgeht jedoch den Stau.

von
Ronny Nicolussi
Gehört an Auffahrt dazu: Stau am Gotthard

Gehört an Auffahrt dazu: Stau am Gotthard

Die Fahrt in den Süden gehört an Auffahrt für viele dazu, wie das Amen in der Kirche. Auch heuer werden sich wieder abertausende Sonnenhungrige mit ihren Fahrzeugen durch den Gotthardtunnel zwängen – tröpfchenweise. Wer kann, setzt sich daher bereits früher in Bewegung.

Bereits seit dem frühen Nachmittag staut sich vor dem Nordportal der Verkehr. Vor 17 Uhr betrug die Staulänge 6 Kilometer, was einer Wartezeit von 1.5 Stunden entspricht. Wer vom Tessin in den Norden reisen wollte, musste zudem eine längere Pause einschalten: Der Gotthard musste wegen einer Fahrzeugpanne vorübergehend gesperrt werden. Der Südverkehr war davon nicht betroffen.

Die Verkehrsinformationszentrale der Schweiz (Viasuisse) rechnet bereits seit heute Mittwoch um zwölf Uhr mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen. «Im Verlauf des Tages wird sich die Situation vor dem Gotthard-Nordportal laufend zuspitzen», sagt Viasuisse-Mitarbeiterin Corinne Gränicher. Die Stauspitze wird am frühen Abend erwartet. Laut Gränicher dürften sich die Fahrzeuge wie im Vorjahr auf einer Länge von bis zu zehn Kilometern stauen. Die Wartezeit betrüge dann zwei bis drei Stunden. Viasuisse geht zudem am Donnerstag ganztags, am Freitagabend und am Samstag von acht bis 16 Uhr von einem erhöhten Verkehrsaufkommen Richtung Süden aus.

Gränicher empfiehlt deshalb, wenn immer möglich eine Ausweichroute zu wählen: «Für Reisende aus dem Grossraum Zürich und der Ostschweiz könnte die A13 durch den San-Bernardino-Tunnel eine valable Alternative sein.» Reisende aus dem Mittelland wählten hingegen besser die Verladestation am Lötschberg oder den Simplonpass. Ab Kandersteg verkehrten Extrazüge bis nach Iselle di Trasquera. Zwar werde auch dort ein grosses Verkehrsaufkommen erwartet, allerdings nie im Ausmass, wie vor dem Gotthard-Nordportal.

Kaum Verkehr in der Nacht

Aber nicht nur durch eine wohlüberlegte Routenwahl können Reisende dem stundenlangen Warten entgehen. Auch der Zeitpunkt der Reise spielt eine Rolle. Laut Gränicher könnte es sich lohnen, die Reise in der Nacht auf Donnerstag anzutreten oder ganz früh am Donnerstagmorgen. «Noch besser wäre es wohl, bis Donnerstagabend oder Freitagmorgen zu warten», so Gränicher. Gerät man trotz allem in eine nicht enden wollende Fahrzeugkolonne, heisst es ruhig Blut bewahren, wie Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli erklärt (siehe Tipps in nebenstehendem Interview).

Bereits am Samstagvormittag dürfte der Rückreiseverkehr Richtung Norden einsetzen. Besonders viele Fahrzeuge auf der Strasse werden am kommenden Sonntag erwartet. Vor dem Gotthard-Südportal dürften sich die Fahrzeuge auf einer Länge von neun bis zehn Kilometern stauen, heisst es bei Viasuisse.

Live dabei?

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Getränke, Toilette und Spielsachen

Im Stau stehen bedeutet für viele Autofahrer Stress. Deshalb sei es wichtig, sich vorgängig auf die Situation einzustellen, sagt die Zürcher Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli.

20 Minuten Online: Frau Bächli, wer jetzt Richtung Süden fährt kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit in einen Stau. Wie sollte man sich verhalten, wenn es nicht mehr weiter geht? Jacqueline Bächli: Das wichtigste ist, sich vorgängig die Situation durch den Kopf gehen zu lassen, und zu überlegen, was man dann machen will. Weiter sollte man darauf achten, dass es neben dem Stau nicht noch weitere Faktoren gibt, die Stress auslösen.

20 Minuten Online: Frau Bächli, wer jetzt Richtung Süden fährt kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit in einen Stau. Wie sollte man sich verhalten, wenn es nicht mehr weiter geht? Jacqueline Bächli: Das wichtigste ist, sich vorgängig die Situation durch den Kopf gehen zu lassen, und zu überlegen, was man dann machen will. Weiter sollte man darauf achten, dass es neben dem Stau nicht noch weitere Faktoren gibt, die Stress auslösen.

Zum Beispiel?

Wenn man beispielsweise Kinder dabei hat, sollten die beschäftigt sein. Es wäre gut, wenn sie Spielsachen oder ein Hörbuch dabei haben. Ansonsten wird es schnell unruhig im Auto.

Sind die Kinder brav, gibt es keine Probleme?

Kinder sind nur ein Faktor. Daneben spielt das leibliche Wohl eine zentrale Rolle. Genügend Essen und Trinken ist unabdingbar. Zudem ist es von Vorteil, wenn man vorgängig auf der Toilette war.

Trotzdem gibt es Menschen, für die ein stundenlanger Stau eine grosse psychische Belastung ist.

Also wer jetzt – mit dem Wissen aus den Medien, dass es einen langen Stau geben wird – in den Süden fährt und dann «auflippt», dem kann man nicht mal psychologisch helfen.

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