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Zehn Polizisten verletzt: «Es ist wie im Krieg»

Die sozialen Unruhen haben sich am Wochenende in Frankreich ausgeweitet und zum ersten Mal auch das Zentrum von Paris erreicht. In Paris sind zehn Polizisten verletzt worden.

Staatspräsident Jacques Chirac erklärte nach einer von ihm einberufenen Sitzung des Rats für Innere Sicherheit am Sonntagabend, die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung habe absolute Priorität. Premierminister Dominique der Villepin bekräftigte, seine Regierung werde keine «gesetzlosen Zonen» zulassen und alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen.

Die Nacht zum Sonntag war die zehnte Nacht der Gewalt, und die zerstörerische Wut erfasste ganz Frankreich: Vom Mittelmeer über das Pariser Zentrum bis zur deutschen Grenze wurden in der Nacht zum Sonntag 1.295 Autos in Brand gesetzt. In den Einwanderervierteln griffen Jugendliche zu Steinen, Eisenstangen und Molotow-Cocktails. 349 Gewalttäter wurden festgenommen. Hinweise auf eine landesweite Koordination der Unruhen hat die Polizei nach eigenen Angaben nicht. Sie ging von Nachahmungstätern aus. Innerhalb einzelner Städte verständigen sich die gewaltsamen Jugendlichen aber mit Handy und E-Mail.

Erstmals griffen die Unruhen auch auf das Zentrum von Paris über. In der Nähe der Place de la République und anderen Stadtteilen gingen am Sonntagmorgen 32 Autos in Flammen auf.

Innenminister Nicolas Sarkozy suchte in der Nacht zum Sonntag Einsatzkräfte in Evry und Créteil auf. In einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» bezeichnete Sarkozy die gewaltsamen Jugendlichen als «Individuen ohne Glauben und ohne Gesetz». Sarkozy rief dazu auf, «diese Ereignisse nicht politisch auszubeuten».

In den Vorstädten nordöstlich von Paris setzte die Polizei Hubschrauber mit Beamten ein, die die Gruppen gewaltsamer Jugendlicher aus der Luft filmten. Etwa 2.300 Polizisten waren im Grossraum Paris im Einsatz.

Wie ein Flächenbrand griff die Gewalt von der Ile-de-France, dem Herzen von Frankreich rund im Paris, auf die Provinz über. «Das ist wie im Krieg», sagte ein Feuerwehrmann im Département Eure. Ein Schwerpunkt war die Stadt Evreux, rund 100 Kilometer westlich von Paris in der ländlichen Normandie gelegen. Dort wurden etwa 60 Autos sowie zahlreiche Geschäfte, ein Einkaufszentrum, eine Postfiliale und zwei Schulen angegriffen. Fünf Polizisten und drei Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. «Die Randalierer griffen uns mit Baseballschlägern an», berichtete Feuerwehrmann Philippe Jofras. «Sie benutzten auch Spitzhacken. Es war Krieg.»

Brandanschläge wurden aus dem ganzen Land gemeldet: Im Süden unter anderem aus Avignon, Nizza, Cannes, Nantes, Toulouse und Marseille, im Norden aus Lille, Roubaix und Saint-Dizier sowie im Osten aus Strassburg, Mulhouse, Nancy, Metz und Thionville.

Die Unruhen begannen am 27. Oktober nach dem Tod von zwei Jugendlichen aus Mauretanien und Tunesien in Clichy-sous-Bois bei Paris. Diese hatten einen Stromschlag erlitten, als sie sich in einem Trafo-Häuschen vor der Polizei versteckten.

(dapd)

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