Aktualisiert

Josh HoldenZehn Sperren als Minimum für Gewaltakt

Zehn Spielsperren gegen Josh Holden (39) sind nach dem Gewaltakt gegen Fribourgs Schillerfalter Christian Dubé 34) zwingend geboten. Der «Fall Holden» ist auch ein «Fall Zug».

von
Klaus Zaugg
Josh Holden: Nutzen zehn Spielsperren?

Josh Holden: Nutzen zehn Spielsperren?

Es ist ein übles Foul. Josh Holden streckt Fribourgs Christian Dubé mit einem Ellenbogencheck gegen den Kopf nieder. In einem Augenblick, da Dubé – er hat soeben das 3:3 vorbereitet - nicht mehr im Scheibenbesitz ist. Schiedsrichter Brent Reiber entscheidet sofort richtig: Matchstrafe und damit automatische eine Sperre plus Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den Leitwolf der Zuger.

Weniger als zehn Spielsperren wären in diesem Strafverfahren verantwortungslos. Denn Josh Holden ist ein Wiederholungstäter: Drei Sperren schon im April 2006 (damals noch bei Fribourg) für einen Angriff gegen den Kopf von Biels Cyrill Pasche. Drei Sperren sind es auch 2009 – jetzt beim EV Zug - für einen zweihändig geführten Stockschlag gegen Rapperswils Thierry Paterlini. Und wieder drei Sperren für den Check gegen Lukas Grauwiler (Lakers) im November 2010.

Bisher immer zu wenig bestraft

Josh Holden ist jedes Mal zu wenig hart bestraft worden, und es war ein Fehler, dass seine Entschuldigungen beim Opfer zuletzt strafmildernd berücksichtigt worden sind. Das darf nicht mehr sein. Wer als Wiederholungstäter einen vorbildlich fairen Gegenspieler ohne vorangegangene Provokation im eigentlich noch bedeutungslosen zweiten von 50 Qualifikationsspielen so brutal attackiert, kann keine Milderungsgründe anführen.

Der 33-jährige Kanadier ist kein schmutziger Spieler. Niemand unterstellt ihm die Absicht, er wolle einen Gegenspieler verletzen. Kein Spieler will das. Es geht um etwas ganz anderes: Um die Inkaufnahme einer Verletzung bei einem kopflosen, rücksichtslosen Angriff auf einen Gegenspieler. Die Pflicht zum Körpereinsatz heiligt nicht jedes Mittel. Ein Stürmer mit so viel Erfahrung, Spielintelligenz und Talent wie Josh Holden ist dazu in der Lage, die Wirkung seiner Checks einzuschätzen und Fouls wie jenes gegen Christian Dubé zu vermeiden. Ja, angesichts der zentralen Position, die er in seinem Team hat, muss er die Folgen seiner Aktionen abschätzen können.

In NHL gibts Faustrecht gegen Wiederholungstäter

In der NHL gibt es ein recht wirksames Mittel gegen Spieler wie Josh Holden: Nach einem ungeschriebenen Gesetz («the Code») werden Bösewichte, die wiederholt über gewisse Grenzen hinaus gehen, von Spezialisten (den sog. «Goons») auf dem Eis zur Rechenschaft gezogen und in die Schranken gewiesen. Dieses alttestamentliche Regulativ hat mehr zur Zivilisierung des rauen nordamerikanischen Eishockeys beigetragen als Sperren, die in der NHL auch immer mit dem Verlust der Lohnzahlung verbunden sind.

Das europäische Hockey hat die Kultur für diese Art des Faustrechtes nicht, wird diese Kultur nie haben, und deshalb erübrigen sich hier weitere Ausführungen in diese Richtung. In Europa wird die Bestrafung den Schiedsrichtern und den sportlichen Schnellgerichten überlassen.

Sonderstatus in Zug für Holden

Allerdings zeigt der «Fall Holden», dass über Sperren nur bedingt eine abschreckende Wirkung erzielt werden kann: Eishockey ist ein «Machosport» und sehr schnell und oft dümmlich wird gerade von ehemaligen Spielern, von Coaches und Managern von der Härte fabuliert, die eben dazu gehöre und dass man sich halt gegen Checks schützen müsse. Zu oft werden die Taten der Deliquenten schöngeredet und die Sperren mit Rekursen bekämpft.

Womit wir beim Kern des Problems angelangt sind: Zehn Spielsperren alleine bringen Josh Holden nicht zur Vernunft. Nur Zugs Trainer Doug Shedden und Zugs Sportdirektor Patrick Lengwiler können ihn zur Räson bringen. Die wiederholten und gesundheitsgefährdenden Ausraster Holdens sind auch ein Hinweis auf ein Führungsproblem: Offensichtlich darf dieser Spieler, weil er für sein Team so wichtig ist (NLA-Torschützenkönig 2009/10) machen was er will, und er wird intern von seinen Vorgesetzten durch alle Böden hindurch geschützt. Anders ist nicht erklärbar, warum er bisher in Zug aus seinen Verfehlungen nichts gelernt hat.

Trainer Shedden müsste eingreifen

Ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass Doug Shedden zwar sehr wohl weiss, wie Spieler angeheizt und Emotionen entfacht werden können. Aber dass ihm das Gespür und/oder die Autorität und/oder der Wille fehlen, um einzugreifen, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Und dass auch Sportchef Patrick Lengwiler nicht eingreift. Zugs feuerköpfiger Trainer mahnt nicht zum ersten Mal an Goethes Zauberlehrling, der Kräfte und Emotionen wecken, aber nicht mehr kontrollieren kann («Die ich rief, die Geister, wird ich nun nicht los.»).

Der «Fall Holden» ist auch ein «Fall Shedden», ein «Fall Lengwiler» und damit ein «Fall Zug».

Entwarnung bei Dubé

Fribourgs Schillerfalter Christian Dubé (34) befindet sich auf dem Weg zur Besserung. Sein Trainer Hans Kossmann (49) muss in daran hindern, bereits heute wieder zu spielen. Hier gehts zur ganzen Story.

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