Aktualisiert 11.01.2012 15:46

Tiefe HosenZehn Tage Haft wegen sichtbarer Po-Ritze

Eine zu tief sitzende Hose brachte die 23-jährige Kimberly Senette hinter Gitter. Slip und Pobacken werden im Gericht in New Orleans nicht gerne gesehen.

von
fvo
Sexy? Vielleicht. Aber kein Outfit für die Gerichtsverhandlung. (Bild: Colourbox.com)

Sexy? Vielleicht. Aber kein Outfit für die Gerichtsverhandlung. (Bild: Colourbox.com)

Als Senette am 19. August 2010 im Gerichtssaal eines Vororts von New Orleans sitzt, geht es eigentlich um die Verurteilung ihres jüngeren Bruders, angeklagt wegen Autodiebstahl und Gewaltdelikten. Doch plötzlich findet sich die 23-Jährige selbst in Handschellen hinter ihrem Bruder wieder.

Hose wegen Sicherheitskontrolle verrutscht

Senette hatte den Gerichtssaal kurz verlassen, bevor der Fall ihres Bruder aufgerufen wurde, berichtet Nola.com. Gemäss einer Zeugin hätten ihre Unterhosen und ein Teil ihrer Pobacken aus dem Hosenbund der karierten, knielangen Shorts herausgeschaut. Dieser Anblick gefiel Richter Steve Windhorst offensichtlich gar nicht.

Die Hose jedoch sei heruntergerutscht, weil die junge Frau bei der Sicherheitskontrolle beim Eingang des Gebäudes ihren Gurt hätte abnehmen müssen, schreibt das Newsportal weiter. Doch diese Erklärung half ihr nicht weiter. Der Richter zeigte wenig Verständnis für die locker gewordene Hose, Senette landete hinter ihrem Bruder auf der Anklagebank und wurde ebenfalls verurteilt: zu zehn Tagen Gefängnis.

Appell an den gesunden Menschenverstand

In der Schweiz hätte die Hose mit Tiefgang der Amerikanerin wohl kaum mehr als einen Verweis aus dem Gerichtssaal gekostet. Beim Bezirksgericht Zürich kennt man keine Kleidervorschriften für Besucher oder Kläger und Angeklagte. Zwar seien ein Strandoutfit und Flip-Flops sicher nicht angemessen für eine Gerichtsverhandlung, man zählt aber auf den gesunden Menschenverstand, wie ein Mitarbeiter auf Nachfrage von 20 Minuten Online mitteilt. Auch das Kantonsgericht St. Gallen kennt zwar keine formellen Vorgaben für die Gerichts-Besucher, wünscht aber, dass die Leute sich dem Anlass entsprechend kleiden. Der Gerichtsvorsitzende hat die Kompetenz, Leute aus dem Gerichtssaal zu verweisen. Dass jedoch anstatt eines Verweises aus dem Saal gleich eine zehntägige Gefängnisstrafe für eine zu tief gerutschte Hose anfällt, hält man in St. Gallen für sehr unwahrscheinlich.

Das Krux mit der Baggy Pants

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sitzt der Ärger über Baggy Pants noch tiefer als die Hose selber. Während im Bundesstaat New York Senator Eric Adams seine Missgunst den Schlabberhosen gegenüber mit einer Werbekampagne kundtat, versuchte der Abgeordnete Rickey Hardy aus dem Staat Louisiana, den Hosenbund gesetzlich über der Hüfte festzusetzen. Er reichte dieses Jahr einen Gesetzesentwurf ein, der Kleidung verboten hätte, die «absichtlich Unterwäsche oder die Po-Ritze entblösst».

Daraus wurde nichts, das Outfit bleibt legal. Die entblösste Senette erfuhr schliesslich auch noch etwas Gnade: Richter Windhorst - vor dem die junge Frau im Übrigen schon einmal stand, als sie sich des Diebstahls für schuldig bekannte und dafür zwei Jahre auf Bewährung erhielt - veranlasste die Entlassung der Verurteilten noch vor Ablauf der angeordneten 10 Tage. Beim Hosen-Vorfall soll der Richter der 23-Jährigen gesagt haben, es seien nicht die Hosen, die ihn verärgerten, sondern dass ihr Aufzug Respektlosigkeit zeige, liest man auf Nola.com.

Jagd auf die Po-Ritze

Dass der Anblick dem Richter missfiel, können möglicherweise viele unter Ihnen nachvollziehen. Wenn einem plötzlich im Park, im Restaurant oder beim Besuch vom Klempner in der eigenen Wohnung eine Po-Ritze anblitzt, guckt man entweder schnell weg oder überlegt sich, ob man vielleicht eine Münze reinstecken soll, um den Eigentümer auf seine Freizügigkeit hinzuweisen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Stört Sie der Anblick von Unterhosen und Teilen des Pos, die aus der Hose hervorgucken? Werden Sie zum Po-Ritzen-Jäger und blitzen Sie das nächste mal zurück - mit der Kamera. Schicken Sie uns Ihre Beute - aber natürlich ohne jemanden bloss zu stellen. Die tiefe Hose mit Ausblick genügt, die Personen sollen darauf nicht erkennbar sein. Fotos an community@20minuten.ch.

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