Zehn Tage Krieg im Libanon: 348 Tote
Aktualisiert

Zehn Tage Krieg im Libanon: 348 Tote

Trotz internationaler Appelle zur Mässigung haben die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe auf Ziele im Libanon den zehnten Tag in Folge fortgesetzt. 317 Libanesen und 31 Israelis sind seit dem 12. Juli dem Krieg zum Opfer gefallen.

In der Hauptstadt Beirut war am Freitagmorgen eine heftige Explosion zu hören, wie Augenzeugen mitteilten. Der Fernsehsender Al Arabija berichtete, die Angriffe hätten sich erneut gegen Stützpunkte der schiitischen Hisbollah-Miliz im Süden Beiruts gerichtet.

Das Gebiet war in den vergangenen Tagen immer wieder Ziel von Luftangriffen, zuletzt am Donnerstagabend. Am Freitagmorgen griff die Luftwaffe auch die Ortschaft Nabi Schit im östlichen Bekaa-Tal an, wie der Hisbollah-Fernsehsender Al Manar berichteten. Nach Angaben von Augenzeugen wurden die Ortschaft sowie umliegende Hügel getroffen. Berichte über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor.

Bei einem Gefecht mit Hisbollah-Kämpfern wurden am Donnerstagabend zwei israelische Soldaten getötet und vier weitere verletzt. Die Truppen feuerten laut Fernsehberichten aus Hubschraubern mehrere Raketen auf Ziele im Süden Libanons ab. Mehrere Hisbollah-Kämpfer wurden getötet, wie die israelischen Streitkräfte mitteilten. Zu den anschliessenden mehrstündigen Kämpfen kam es nahe der Ortschaft Marun al Ras.

Wenige Stunden später wurden beim Zusammenstoss zweier Militärhubschrauber vier israelische Soldaten getötet. Das Unglück ereignete sich am frühen Freitagmorgen nahe der Ortschaft Ramot Naftali, vier Kilometer östlich der israelisch-libanesischen Grenze, wie der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete. Vier weitere Soldaten seien beim Zusammenprall der beiden Helikopter vom Typ Apache verletzt worden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan rief Israel und die Hisbollah zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. Vor dem Weltsicherheitsrat in New York warf er am Donnerstag der Miliz vor, mit ihren Raketenangriffen auf Israel und der Verschleppung zweier israelischer Soldaten «ein ganzes Land als Geisel» zu nehmen. Israel wiederum hielt Annan übertriebene Gewaltanwendung vor, wenngleich er der Regierung in Jerusalem das Recht auf Selbstverteidigung zugestand.

Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman wies Annans Forderung nach einer Waffenruhe zurück. Israel werde seine Militäraktion nicht vorzeitig abbrechen, sondern diese werde «so lange dauern, wie sie dauern wird», sagte Gillerman. Der Gewalt fielen seit dem 12. Juli mindestens 317 Libanesen und 31 Israelis zum Opfer.

Bei einer Explosion in einem Haus in Gaza wurden am Freitagmorgen laut Krankenhausangaben fünf Palästinenser getötet, darunter eine Mutter und ihre beiden Kinder. Augenzeugen erklärten, das Gebäude sei von einer israelischen Panzergranate getroffen worden. Die israelischen Streitkräfte gaben zunächst keine Stellungnahme ab. Das Haus im Viertel Schadschaijeh gehörte Angehörigen zufolge der Familie eines Hamas-Aktivisten, der ebenfalls unter den Toten sei.

Bei der Explosion nahe des Grenzübergangs Karni zwischen Israel und dem Gazastreifen wurden drei Menschen schwer verletzt, wie Ärzte mitteilten. Palästinensische Sicherheitskräfte berichteten auch von Angriffen israelischer Kampfhubschrauber in dem Gebiet. Zuvor hatten die israelischen Streitkräfte nach zwei Tage eine Offensive im Flüchtlingslager Mughasi im Gazastreifen beendet, bei der mindestens 14 Menschen getötet wurden. (dapd)

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