Beziehungs-Killer: Zehn Wege, den Partner zu vergraulen
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Beziehungs-KillerZehn Wege, den Partner zu vergraulen

Das Geheimrezept für eine gut funktionierende Partnerschaft - gibt es das? Ein Luzerner Paartherapeut erklärt, wie man es am besten nicht macht und wie sich grobe Beziehungsfehler vermeiden lassen.

von
Runa Reinecke
Die Ohren auf Durchzug stellen? Pfui! Aber auch der Sender sollte an seinen Botschaften feilen, damits mit der Verständigung klappt.(Bild: Colourbox)

Die Ohren auf Durchzug stellen? Pfui! Aber auch der Sender sollte an seinen Botschaften feilen, damits mit der Verständigung klappt.(Bild: Colourbox)

Einem anderen mit dem Respekt entgegentreten, den man selbst erfahren möchte: Das klingt einfach, in der Praxis aber gestaltet sich diese Lebensweisheit - insbesondere in einer Beziehung - für viele schwer. Und so schleichen sie sich ein, die fiesen Despektierlichkeiten, das Dauergenörgel, die Ignoranz: Liegengelassene Socken auf dem Badezimmerboden geben Anlass zu ausufernden Diskussionen oder tobende Eifersucht verleitet zu lautem Türeknallen. Der Supergau tritt ein, wenn man sich überhaupt nichts mehr zu sagen hat. Damit es gar nicht erst so weit kommt, haben wir mit dem Luzerner Psychologen und Paartherapie-Experten Robert Wäschle über zehn heikle Beziehungsprobleme und deren Lösungsansätze gesprochen.

Nicht zur Beziehung stehen

Ihn oder sie gibts normalerweise nicht alleine: Und so steht das grosse Kennenlernen der Freunde, Bekannten und nicht zuletzt der Familie des Partners an. Damit signalisiert man: «Du gehörst zu mir, es ist mir ernst mit dir und alle sollen das wissen.» Entsprechend kontraproduktiv ist es, den Partner - aus welchen Gründen auch immer - zu verstecken und nicht zu ihm zu stehen. «Es ist die Aufgabe des einen Partners, den andern bei seinen Freunden oder in seiner Herkunftsfamilie zu integrieren und ihm eine gute Position zu verschaffen. Wo dies schwierig ist, muss er sich an seine Seite stellen und ihm seine Unterstützung zeigen», betont der Luzerner Paartherapeut und Psychologe Robert Wäschle. Allerdings dürfe derjenige, dem es schwergemacht wird, nicht verlangen, dass der Partner seine Freunde oder seine Familie verlässt.

Krankhaft eifersüchtig sein

Eifersucht ist die Furcht eines Menschen, den anderen zu verlieren oder ihn mit einer anderen Person teilen zu müssen. Ein wenig Eifersucht mag die Beziehung beleben und signalisiert dem Partner, dass einem viel an ihm liegt. Artet die Situation allerdings in Misstrauen, Kontrollwahn und überzogene Besitzansprüche aus, erreicht der Eifersüchtige genau das, was er eigentlich vermeiden wollte; der Partner sucht das Weite. Ist Eifersucht in einer Beziehung ein Thema, sei es - so Wäschle - hilfreich, die Angst des eifersüchtigen Partners zu erkennen. Nur mit der Hilfe und Unterstützung des anderen lasse sich diese überwinden.

Immer Recht behalten

Rechthaberei gehört zu den nervigsten und unsympathischsten Eigenschaften, die ein Mensch besitzen kann. Grundsätzlich immer auf die Richtigkeit der eigenen Sichtweise zu beharren und auch nur diese zuzulassen, selbst wenn der andere offensichtlich im Recht ist, kann sich sehr belastend auf die Beziehung auswirken. Wer hingegen eigene Fehler einsieht und auch mal aufrichtig das Wörtchen «sorry» über die Lippen bringt, sammelt beim Gegenüber Pluspunkte und zeigt, dass er eine hohe Kunst beherrscht: die der Selbstreflexion. «Entschuldigungen, selbstkritischer Humor und versöhnliche Gesten wirken hier wie Balsam», weiss der Experte und ergänzt, dass «die meisten Menschen sehr wohl wissen, wie man miteinander gut kommunizieren kann».

Das täten sie dann auch – zum Beispiel am Arbeitsplatz oder mit Freunden. Nur mit dem eigenen Partner gehe es nicht so gut, weil man hier viel verletzbarer sei: «Deshalb steht man rascher unter Stress – und wird rechthaberisch oder abwertend.»

«Das hab ich dir schon hundertmal gesagt!»

Statt einem liebevoll ins Ohr gehauchten «guten Morgen» gibts mal wieder ein grantiges «du hast schon wieder die Zahnpasta-Tube offen liegen lassen».

Die sogenannten «Du»-Sätze sind für Fachleute wie Wäschle problematisch: «Man sollte versuchen, Anliegen so zu formulieren, dass der Partner das Gesagte nicht als Nörgelei aufnimmt». Das gelingt, indem man den Fokus nicht auf das «Du», sondern auf das «Ich» lenkt, also ein «das hab ich dir schon hundertmal gesagt» durch ein «mir liegt wirklich sehr viel daran, dass die Zahnpasta nicht offen herumsteht» ersetzt. Und selbst wenn der andere das Lavabo nicht so akribisch putzt wie man selbst: Freuen Sie sich, dass der Partner überhaupt zum Lappen greift. Wer nicht zufrieden ist, der putze gefälligst selbst!

«Ich sags deiner Mutter!»

Drohungen wie «wenn du die Socken noch einmal im Bad liegen lässt, dann erzähl ich das deiner Mutter» oder «ich poste auf Facebook, dass du mich zu fett findest», gehören nicht in eine Beziehung. In einer «erwachsenen» Verbindung sollte man auf Augenhöhe kommunizieren können. Gelingt das nicht, ist die Partnerschaft gewaltig in Schieflage geraten. Das bestätigt auch der Psychologe: «Entwertungen des Partners sind meist Ausdruck einer tiefen Resignation und Verzweiflung und damit ein deutliches Alarmsignal.»

Gefühle nicht (mehr) zeigen

Eine Beziehung lebt von positiven Gefühlen. Dazu gehört zum Beispiel, dem anderen zu sagen, dass man ihn liebt oder zu signalisieren, dass man in gewissen Situationen besonders stolz auf ihn ist. «Es gibt nichts Besseres, als innerhalb einer Beziehung positive Gefühle zu zeigen und das sollte man pflegen», findet der Psychologe. Häufig habe der gefühllose Eisklotz einfach nur Angst: «Hinter einem unterkühlten Verhalten verbirgt sich allzu oft eine Unsicherheit». Dem Betroffenen falle es schwer, Kritik oder Wünsche zu äussern, weil die Angst vor Zurückweisung bereits tief verankert sei. Hier könne therapeutische Hilfe dazu beitragen, die Angst zu überwinden und zu erfahren, dass durch Offenheit Vertrauen entsteht.

Spass …was war doch noch gleich?

Ja ja, damals, da hatte man es mit dem Partner noch lustig: Man wanderte gemeinsam durch den Grand Canyon, stürzte sich nacheinander an einem Bungee-Seil in den Abgrund oder ging wenigstens zwei Mal in der Woche zusammen tanzen. Heute beschränkt sich das gemeinsame Unterhaltungsprogramm längst aufs Glotzen primitiver RTL-2-Reality-Dokus. Für den Psychologen ein nur allzu bekanntes Phänomen: «Dabei wissen meiner Erfahrung nach die meisten Paare, wie sie miteinander Spass haben können», sagt Robert Wäschle. Höchste Zeit also, die Reissleine zu ziehen: Rein in den Club und abtanzen oder ab ins Romantik-Hotel oder einfach mal wieder ein bisschen gemeinsam herumalbern. Früher ging das doch auch.

Alles als selbstverständlich erachten

Ach, was haben wir uns früher gefreut und bedankt, wenn er oder sie den Kehricht runtergetragen und die ganze Wohnung geputzt und eingekauft hatte. Schliesslich hat man schon seit Jahren «Rücken» oder ist schlicht zu faul, um mitzuhelfen. Und weil der Partner nach all den Jahren noch immer nicht müde geworden ist, ungemütliche Aufgaben in Angriff zu nehmen, ist das für uns längst selbstverständlich geworden. «Danke» sagen? Blumen mitbringen? Zum Essen ausführen? Wertschätzung? Fehlanzeige! Doch genau das ist reinstes Gift für jede Beziehung. Deshalb sollte man sich ruhig auch mal erkenntlich zeigen und dem anderen zur Hand gehen. Gemeinsam ist die Wohnung ohnehin schneller geputzt. «Man darf nie aufhören wahrzunehmen, was der andere für einen leistet», meint der Paartherapeut. Ein positives Bild des Partners zu pflegen und grosszügig mit seinen Schwächen umzugehen, ist laut Wäschle die Grundlage einer starken Verbundenheit.

Zuhören war gestern!

Niemand mag es, wenn das Gegenüber nicht zuhört, schon gar nicht, wenn es der Partner ist, der die Ohren auf Durchzug stellt. Eine Beziehung fusst auf gegenseitigem Respekt und genau der gerät abhanden, wenn man ständig unaufmerksam ist. «Es ist kränkend, wenn einem der Partner nicht richtig zuhört», stellt Robert Wäschle fest, warnt aber gleichzeitig davor, einzig den potentiellen Empfänger der Botschaften als Schuldigen abzustempeln: «Zur Gesprächsführung gehören immer zwei. Gutes Zuhören will genauso gelernt sein, wie gutes Reden.» Gerade endlos aneinandergereihte Silben können den Partner überfordern. Aus diesem Grund sei es sinnvoll, die eigene Kommunikation zu hinterfragen und gegebenenfalls eine gute Art der Gesprächsführung zu erlernen.

Aufhören, miteinander zu reden.

Was hatte man sich früher nicht alles zu erzählen: Halbe Nächte plauderte man angeregt auf dem Sofa oder telefonierte stundenlang miteinander, wenn der andere ganz weit weg war. Alles war so neu und man wollte so viel wie möglich über den Partner erfahren.

Doch irgendwann glaubt man, alles zu wissen, und wird mundfaul. Der Supergau tritt ein, wenn es gar nichts mehr zu berichten gibt. «Das ist der Beziehungskiller Nummer eins: Nicht mehr die Anstrengung zu unternehmen, sich gegenseitig im Gespräch zu finden», meint der Therapeut. In einer gut funktionierenden Beziehung, müssten die Gesprächsthemen nicht an den Haaren herbeigezogen werden. Da vieles von Aussen angeregt wird, empfiehlt der Experte, die Beziehung aktiv zu pflegen, indem man mit Freunden oder zu zweit etwas unternimmt: «Reisen oder andere Erlebnisse liefern Gesprächsstoff.»

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