Aktualisiert 14.01.2013 08:01

Provokation in Zürich

Zehnjährige heiratet an Hochzeitsmesse

Vor den Augen verdatterter Zuschauer traten in Zürich ein erwachsener Mann und ein 10-jähriges Mädchen in den Stand der Ehe. Doch die Aktion ist nicht, was sie auf den ersten Blick scheint.

von
Marco Lüssi

Hand in Hand spaziert ein Paar zu den Klängen des Hochzeitsmarschs, er im Anzug, sie im weissen Brautkleid. Doch etwas stimmt nicht an dem Bild, das sich den Besuchern am Samstag vor dem Eingang zur Zürcher Hochzeitsmesse bietet: Die Braut an der Seite des 39-jährigen Bräutigams ist nicht erwachsen, sondern ein zehnjähriges Mädchen. Entsprechend verstört reagierten viele Personen, die das Paar betrachteten.

Hinter der inszenierten Kinderhochzeit steckt das Hilfswerk Plan International Schweiz. Man wolle mit dieser provokativen Aktion aufrütteln, sagt Geschäftsführer Andreas Herbst: «Alle drei Sekunden wird auf der Welt ein Mädchen zur Heirat gezwungen, einige sind dabei erst fünf Jahre alt.» Man wolle den Besuchern der Hochzeitsmesse keineswegs die Stimmung verderben. «Wir wollen sie vielmehr dazu aufrufen, mit uns für die Kinderrechte zu kämpfen.» Plan führt in Ländern wie Mali und Niger, in denen Kinderheiraten verbreitet sind, Aufklärungs- und Bildungsprogramme durch.

Aktion ohne Bewilligung

Gar keine Freude bereitete die Aktion der Leitung der Hochzeitsmesse. Sie hatte im Vorfeld die Bewilligung für eine solche Inszenierung verweigert. Als sie bemerkte, dass sie als Guerilla-Aktion stattfand, wies sie das Paar und die Hilfswerk-Mitarbeiter weg. Messeleiterin Maja Frick: «Unsere Messe ist keine politische Plattform.» Deshalb könne man solche Aktionen nicht dulden, auch wenn sie die Arbeit dieses Hilfswerks schätze.

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