Aktualisiert 17.01.2015 14:55

Im Propaganda-Video

Zehnjähriger exekutiert für den IS zwei Männer

Dass die Terrormiliz Islamischer Staat Kinder instrumentalisiert, ist bekannt. Neu ist, dass ein Zehnjähriger gefilmt wird, wie er Hinrichtungen vornimmt.

von
gux
Der Junge soll Abdullah heissen. Er ist auch in anderen IS-Propaganda-Videos zu sehen. Jetzt ist er mit zehn Jahren zum Scharfrichter und Mörder geworden.

Der Junge soll Abdullah heissen. Er ist auch in anderen IS-Propaganda-Videos zu sehen. Jetzt ist er mit zehn Jahren zum Scharfrichter und Mörder geworden.

«Ich werde es sein, der dich eines Tages schlachtet, Kufr! (Ungläubiger)» Hasserfüllte Worte, aus dem Mund eines Zehnjährigen. In einem Video, das die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf einem ihrer Propaganda-Kanäle veröffentlicht hat, ist der Bub zu sehen, wie er zwei Gefangene mit einer automatischen Pistole hinrichten soll.

Ob die Aufnahmen echt sind, kann von unabhängiger Seite nicht verifiziert werden. Sie zeigen Szenen, die an den US-Streifen «Pulp Fiction» erinnern - nur sind sie um einiges weniger blutig. Der IS inszeniert seine Propagandastreifen gerne à la Hollywood, um dann aber die unmittelbare Tötungszene nicht zu zeigen. Die wahren Hinrichtungen der Gefangenen finden wo anders statt. Doch wegen solcher dramaturgischen Mittel fallen die Hemmungen, die Propagandastreifen überall im Netz zu verbreiten. (*)

Die Aufnahme beginnt mit einem «Geständnis» der Todgeweihten, dann liest ein IS-Kämpfer aus dem Koran vor. Schliesslich tritt der Junge, der Abdullah heissen soll, vor und schiesst auf die knienden Wehrlosen. Nachdem sie zu Boden gefallen sind, beendet der Junge in grünen Militärhosen und einem schwarzen Pullover sein Werk: Er schiesst den beiden Männern in den Hinterkopf

Zahlreiche russischsprachige IS-Kämpfer

Die beiden Hingerichteten sollen «russische Spione» sein, heisst es in dem Hinrichtungsfilm. Der IS soll den Zehnjährigen bereits in früheren Propagandastreifen eingesetzt haben. Etwa in einem Rekrutierungsvideo aus einem Ausbildungscamp für junge kasachische Dschihadisten.

Die beiden hingerichteten Männer gehören dem grossen Kontingent der russischsprachigen IS-Kämpfer aus Tschetschenien, Dagestan oder Kasachstan an. Sie tragen, das wird aus dem Video ersichtlich, die Kampfnamen Mamayev Jambulat and Ashimov Sergey Nicolayevich und «gestehen», für den russischen Geheimdienst FSB zu arbeiten. Jambulat gibt an, dass er den Auftrag hatte, heimlich den Computer eines IS-Mitkämpfers zu infiltrieren. Und Nicolayevich erklärt, er hätte den Aufenthaltsort eines IS-Kommandanten ermitteln und diesen dann umbringen sollen. Beide Männer «geben zu», Geld für Informationen über russische Kämpfer in den IS-Reihen erhalten zu haben.

Kinder an Waffen geschult

Der IS rekrutiert gerne Kinder für seine Zwecke. Aus den Gebieten, die vom IS in Syrien und im Irak unterworfen werden, werden die Kinder indoktriniert und danach im Umgang mit Waffen geschult. Dass Kinder im Namen des IS gefilmt werden, wie sie selbst Exekutionen ausführen sollen, ist gemäss britischem «Telegraph» neu.

(*) update 23:02Dieser Absatz war in der ersten Version des Artikels nicht drin, hätte es aber sein sollen. Dafür entschuldige ich mich.gux

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