Zehntausende nehmen Abschied von Pinochet
Aktualisiert

Zehntausende nehmen Abschied von Pinochet

Mindestens 60 000 Menschen haben bis kurz vor der Beisetzung Abschied vom am Sonntag gestorbenen früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet genommen.

Die Menschen warteten bis zu sieben Stunden, um an dem in der Offiziersschule aufgebahrten Toten vorüberziehen zu können, berichtete die Zeitung «El Mercurio» am Dienstag. Für den Vormittag war der Trauergottesdienst für Pinochet angesetzt.

Angesichts des grossen Andrangs habe die Militärführung erlaubt, die Offiziersschule die ganze Nacht geöffnet zu lassen, teilte der Vorsitzende der Stiftung Pinochet, Hernán Guillof, mit.

Viele Menschen brachen in Tränen aus, einige küssten den Sarg und andere führten Plakate mit, auf denen «Gracias Tata» (Danke Grossvater) oder «Viva el salvador de Chile» (Hoch lebe der Retter Chiles) stand.

Zeremonie mit militärischen Ehren

Die sozialistische Präsidentin Michelle Bachelet hatte dem toten Diktator ein Staatsbegräbnis wie für ehemalige Staatschefs verwehrt. Für den General im Ruhestand wurde deshalb nur eine Zeremonie mit militärischen Ehren vorbereitet.

Als Vertreterin der Regierung sollte Verteidigungsministerin Vivianne Blanlot an dem Gottesdienst teilnehmen. Dies geschehe gegen den Widerstand der Familie, hiess es.

Anschliessend solle der Leichnam per Helikopter aus der Offiziersschule zu einem Krematorium geflogen werden. Offenbar befürchteten die Behörden Übergriffe auf den Sarg durch Pinochet- Gegner.

Abgeschirmtes Grab

Die Familie habe entschieden, dass die Urne dann in die Kapelle des Familiensitzes in Los Boldos ausserhalb von Santiago gebracht werden solle. Dies sei einerseits Ausdruck des Protests gegen die aus Sicht der Familie unwürdige Behandlung Pinochets durch den Staat und andererseits ein Schutz der Grabstätte vor der Öffentlichkeit.

Der General, der 1973 mit Unterstützung der USA den gewählten marxistischen Präsidenten Salvador Allende gestürzt hatte, wird für die Ermordung von 3000 Menschen verantwortlich gemacht. Etwa 28000 Menschen wurden in geheimen Lagern von der Geheimpolizei gefoltert. Schätzungsweise 200000 Chilenen gingen ins Exil.

(sda)

Deine Meinung