Aktualisiert 11.06.2011 18:54

«Nie wieder Fukushima»

Zehntausende protestieren gegen Atomkraft

In ganz Japan demonstierten tausende Menschen für Alternativen zur Atomenergie. Auch ein Vierteljahr nach der Tsunami-Katastrophe müssen noch immer 90'000 Opfer in Notunterkünften hausen.

Wie hier im Stadtteil Shinjuku in Tokyo protestierten Zehntausende gegen die Energiepolitik der Regierung.

Wie hier im Stadtteil Shinjuku in Tokyo protestierten Zehntausende gegen die Energiepolitik der Regierung.

Den Protestzügen im ganzen Land schlossen sich Arbeiter, Studenten und Eltern mit ihren Kindern an. Auf Transparenten war zu lesen «Keine Atomkraft» und «Nie wieder Fukushima».

Die Demonstranten zogen auch vor die Zentrale des Fukushima-Betreibers Tepco, den sie verärgert in Sprechchören als Lügner bezeichneten. Die jüngsten Proteste dürften den Druck der Öffentlichkeit erhöhen, der bereits zum Stillstand eines Grossteils der japanischen Atomkraftwerke geführt hat.

19 von 54 Atomkraftwerke sind noch am Netz

Im ganzen Land wurden zahlreiche Reaktoren nach turnusgemässer Wartung nicht wieder ans Netz gebracht, weil zunächst strengere Sicherheitsauflagen umgesetzt werden sollen. Derzeit laufen 19 der 54 Atomkraftwerke, die vor Fukushima in Betrieb waren.

Kritiker warnen aber vor Stromengpässen, und viele Experten halten einen vollständigen Atomausstieg in Japan für wirtschaftlich riskant.

Diese Position wird von den an Bedeutung gewinnenden Atomstrom- Gegnern infrage gestellt: «Die Atomlobby sagt, dass die Kosten für umweltfreundliche Energie zu gross seien», sagte etwa der 59-jährige Ingenieur Yonosuke Sawada. Dabei sei es viel teurer, «dieses Chaos zu beseitigen».

90 000 Menschen leben in Notlagern

Auch drei Monate nach dem Megabeben, dem Tsunami und der folgenden Atomkatastrophe in Fukushima leben in Japan noch immer mehr als 90 000 Menschen in Notunterkünften.

Zwar wurden inzwischen rund 28 000 Behelfsunterkünfte für die Opfer gebaut, doch werden noch Tausende weitere benötigt, wie örtliche Medien am Samstag berichteten. Erschwert wird dies durch noch immer herumliegende Trümmerberge.

Ministerpräsident unter Rücktrittsdruck

Fast 120 000 Menschen in den mit am schwersten betroffenen Provinzen Miyagi, Iwate und Fukushima haben infolge der Katastrophe ihren Arbeitsplatz verloren, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Es gebe derzeit jedoch nur 49 000 Jobangebote.

Unterdessen reiste der innenpolitisch unter Rücktrittsdruck stehende Ministerpräsident Naoto Kan erneut in die Katastrophenregion. Die Opposition sowie Kritiker im eigenen Lager werfen ihm Missmanagement in der Krise vor und fordern seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Premiers.

Millionen Liter Wasser verseucht

Seit Beginn der Dreifach-Katastrophe sind rund 15 400 Tote geborgen worden, rund 8100 Menschen gelten weiter als vermisst. Die Reparaturtrupps in der Atomruine in Fukushima kämpfen weiter gegen Millionen Liter inzwischen verseuchten Wassers, mit dem die Reaktoren gekühlt werden sollen.

Zugleich nimmt die Sorge der Menschen vor den weiter austretenden radioaktiven Strahlen zu. Es dürfte noch mehrere Monate dauern, bis die Situation in dem havarierten Atomkraftwerk unter Kontrolle ist. (sda)

Massenproteste gegen Atomkraft in Tokio geplant

Massenproteste gegen Atomkraft in Tokio geplant

Drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Japan sind für (den heutigen) Samstag Massenproteste gegen die Nutzung von Atomkraft geplant. Die Demonstrationen sollten in der Hauptstadt Tokio stattfinden.

Das Erdbeben vom 11. März löste einen gewaltigen Tsunami an der Nordostküste von Japan aus, der die Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi schwer beschädigte. Große Mengen Radioaktivität gelangten in die Umwelt in der Umgebung der Anlage. Bei dem Erdbeben und dem Tsunami kamen mehr als 23.000 Menschen ums Leben. 90.000 Menschen leben noch immer in Notunterkünften.

Ebenfalls am Samstag wollte Ministerpräsident Naoto Kan eine betroffene Region im Norden besuchen.

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