Aktualisiert 26.07.2011 15:36

Hungersnot in Somalia

«Zehntausende sind schon gestorben»

Die Situation im von der Dürre geplagten Somalia wird dramatisch. Die UNO erklärt im Gebiet offiziell die Hungersnot. Die Menschen finden keine Nahrung mehr.

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Anfang 2012 warten Hungerflüchtlinge noch immer darauf, nach Hause zurückzukehren.

Anfang 2012 warten Hungerflüchtlinge noch immer darauf, nach Hause zurückzukehren.

Keystone/dai Kurokawa
Vier Monate nachdem die UNO vor der Hungersnot in Somalia warnte, erholt sich die Gegend wieder. Doch Ende November 2011 wollen viele Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurück.

Vier Monate nachdem die UNO vor der Hungersnot in Somalia warnte, erholt sich die Gegend wieder. Doch Ende November 2011 wollen viele Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurück.

AFP/Tony Karumba
Wie die UNO am 5. August 2011 berichtet, ist jedes zweite Kind, das beim Flüchtlingscamp in Kenia ankommt, unterernährt.

Wie die UNO am 5. August 2011 berichtet, ist jedes zweite Kind, das beim Flüchtlingscamp in Kenia ankommt, unterernährt.

Reuters/Ismail Taxta

Die UNO hat die dramatische Lage wegen der Dürre in Teilen Somalias offiziell zur Hungersnot erklärt. Der Schritt sei wegen der «schockierenden Schwere der somalischen Krise» nötig geworden, sagte am Mittwoch der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe in Somalia, Mark Bowden.

Eine Hungersnot wird dann ausgerufen, wenn mehr als 30 Prozent der Kinder unterernährt sind und täglich zwei von 10 000 Menschen durch die Lebensmittelknappheit ums Leben kommen. Dies sei nach Einschätzung der Vereinten Nationen derzeit in den somalischen Regionen Bakool und Unter-Shabelle der Fall, sagte Bowden in Kenias Hauptstadt Nairobi.

In Teilen Südsomalias liege die Sterblichkeitsrate bereits bei sechs Menschen auf 10 000 Einwohner. Die Menschen seien nicht mehr in der Lage, Lebensmittel zu finden. «Somalia steht hinsichtlich der Nahrungsmittelversorgung vor der schlimmsten Krise seit 20 Jahren.»

Insgesamt seien bereits 3,7 Millionen Menschen allein in Somalia von der Krise betroffen. «Zehntausende sind schon gestorben, die meisten von ihnen Kinder», betonte Bowden. Diese verzweifelte Situation erfordere ein sofortiges Eingreifen, um Leben zu retten.

In den nächsten zwei Monaten würden 300 Millionen Dollar gebraucht, um die Folgen der Dürre zu bekämpfen, aber diese Summe werde wahrscheinlich noch steigen. Die kommenden zwei Monate seien besonders kritisch. «Aber wir müssen uns auch auf langfristige Hilfen vorbereiten», ergänzte Bowden.

«Zehntausende sind schon gestorben»

(Quelle: AP)

Fast alles Vieh verendet

Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam sind in einigen Regionen des Landes bis zu 90 Prozent der Viehherden wegen der Dürre verendet. Erschwerend kämen die politische Situation und die Sicherheitslage hinzu, hiess es.

Somalia verfügt seit 1991 über keine funktionierende Regierung und Verwaltung mehr. Weite Teile des Landes werden von islamistischen Rebellen kontrolliert.

«Keine Entschuldigung für Untätigkeit»

Oxfam erklärte am Dienstag, von der benötigten eine Milliarde Dollar zur Bekämpfung der Hungersnot seien bislang erst 200 Millionen Dollar bereitgestellt worden. «Wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn wir ein Massensterben verhindern wollen», schrieb Oxfams Regionaldirektor Fran Equiza in einer Erklärung.

«Wir dürfen nicht am Rand stehen und der Tragödie zusehen. Die Welt hat lange gebraucht, um den Ernst der Lage zu erkennen, aber jetzt gibt es keine Entschuldigung für Untätigkeit mehr.»

Seit Anfang des Jahres sei die Zahl der Menschen in Ostafrika, die dringend Nothilfe benötigen, von 6,3 Millionen auf zehn Millionen gestiegen, teilte Oxfam mit. Am Horn von Afrika leiden die Menschen unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Bisher war die Lage als Notsituation eingestuft worden. Diese liegt eine Stufe unter einer Hungersnot.

USA fordern von Somalia-Miliz Zugang für Hilfen gegen Hungersnot

Angesichts der Hungersnot hat die USA die islamistische Shebab-Miliz aufgefordert, Hilfsorganisationen in den von ihr kontrollierten Gebieten ungehindert arbeiten zu lassen.

Die Aktivitäten der Miliz hätten die Lage in dem Land am Horn von Afrika «viel schlimmer gemacht», sagte der Staatssekretär für Afrika im US-Aussenministerium, Johnnie Carson, am Dienstag in Washington.

Vor zwei Jahren hatten die Rebellen alle ausländischen Hilfsorganisationen aus dem zentralen und südlichen Teil Somalias verbannt – mit der Begründung, sie würden für den Westen spionieren.

Die Shebab-Miliz hatte wegen der Hungersnot kürzlich verkündet, ausländische Hilfen wieder zulassen zu wollen. Carson sagte nun, die USA würden genau überprüfen, ob die Rebellen wirklich etwas ändern würden oder ob sie lediglich einen Teil der Hilfslieferungen für sich einbehalten wollten. (sda)

Spenden bei der Glückskette

Die Glückskette hat für die Opfer der Hungersnot in Ostafrka ein Spendenkoto eingerichtet. Mehr Informationen finden Sie hier

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