Mindestlohn: Zehntausende Zürcher würden profitieren
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MindestlohnZehntausende Zürcher würden profitieren

Über 80'000 Arbeitnehmer verdienen im Kanton Zürich weniger als 22 Franken pro Stunde. Der Regierungsrat empfiehlt aber, die Mindestlohn-Initiative abzulehnen.

von
blu
Über 80'000 Personen arbeiten im Kanton Zürich für weniger als 4000 Franken im Monat.

Über 80'000 Personen arbeiten im Kanton Zürich für weniger als 4000 Franken im Monat.

Welche Auswirkungen hat die Mindestlohn-Initiative auf den Kanton Zürich? Antworten auf diese und weitere Fragen forderten Kantonsräte von SP und FDP von der Regierung. Die Initiative, die am 18. Mai auf eidgenössischer Ebene zur Abstimmung kommt, verlangt die Festlegung eines gesetzlichen Mindestlohns von 22 Franken pro Stunde – dies würde einem Monatslohn von rund 4000 Franken entsprechen. In seinen Antworten kommt der Regierungsrat zum Schluss, dass es im Kanton Zürich «etwas über 80'000 Stellen» gibt, in denen Arbeitnehmer weniger als 22 Franken pro Stunde verdienen. Betroffen sind davon vor allem Personen im Hotelgewerbe, Detailhandel, Reinigungsgewerbe sowie in der Haus- und Landwirtschaft, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

FDP-Kantonsrat Dieter Klay wollte vom Regierungsrat zudem wissen, welche Auswirkungen die Initiative auf den Lehrlingsmarkt hätte. Der Regierungsrat dazu: Ein Mindestlohn sei «ein falsches Signal an die Jugendlichen». Diese würden damit den Reiz verspüren, einen besser bezahlten Job ohne Ausbildung anzunehmen, statt eine Lehre zu absolvieren. Laut Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), wird es keine Veränderungen geben. Auf dem Bau verdiene man schon jetzt mehr als 4000 Franken. «Die Jugendlichen wissen, dass eine gute Ausbildung mehr bringt.»

Niedriglohnjobs könnten verschwinden

Zudem gab der Regierungsrat an, dass 26,8 Prozent der Sozialhilfebezüger 2012 trotz Erwerbstätigkeit auf Sozialhilfe angewiesen gewesen seien. 8 Prozent der Sozialhilfebezüger arbeiten Vollzeit und brauchen dennoch Unterstützung. Der Regierungsrat glaubt aber nicht, dass die Sozialhilfe bei Annahme der Initiative entlastet würde. Für SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss zeigt die Zahl von 80'000 Betroffenen, dass im Kanton viele Leute mit zu wenig Geld haushalten müssen – wofür die Sozialhilfe dann einspringe. «Es kann nicht sein, dass der Staat indirekt Firmen unterstützt, damit diese tiefe Löhne bezahlen können.»

Dass Jobs im Niedriglohnbereich verschwinden könnten, hält Joss für Angstmacherei. Auch Lampart teilt diese Haltung: «Der Gartenbau hat die Mindestlöhne auf 2014 um 500 Franken erhöht. Entlassungen gab es deswegen keine.» Klay ist sich jedoch sicher, dass Niedriglohnjobs wegfallen werden. «Gerade die Landwirtschaft stünde vor einem grossen Problem. Der Regierungsrat empfiehlt, die Initiative abzulehnen: «Die Schweiz hätte den höchsten Mindestlohn der Welt.»

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