Unfälle im ÖV: Zeitdruck macht Bus fahren gefährlich

Aktualisiert

Unfälle im ÖVZeitdruck macht Bus fahren gefährlich

Mehr als 7000 Passagiere haben sich seit 2010 bei ÖV-Fahrten verletzt – Tendenz steigend. Fast zwei Drittel aller Fälle betreffen Busfahrten.

von
scl
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Tram entgleist: Auf der Rennbahnkreuzung in Muttenz kam es im Oktober 2017 zu einem Unfall zwischen einem Personenwagen und einem Roller. Kurz darauf ereignete sich an selber Stelle ein Folgeunfall zwischen einem Lastwagen und einem Tram der Linie 14. Das Tram wurde dabei aus den Schienen gehoben. und mehrere Personen verletzt. (Archiv)

Tram entgleist: Auf der Rennbahnkreuzung in Muttenz kam es im Oktober 2017 zu einem Unfall zwischen einem Personenwagen und einem Roller. Kurz darauf ereignete sich an selber Stelle ein Folgeunfall zwischen einem Lastwagen und einem Tram der Linie 14. Das Tram wurde dabei aus den Schienen gehoben. und mehrere Personen verletzt. (Archiv)

Polizei Basel-Landschaft
In der Altstadt von Grüningen ZH verunfallte Ende Juni 2018 ein VZO-Bus. Er fuhr frontal in ein Haus. Der Buschauffeur und ein Passagier wurden beim Unfall leicht verletzt.

In der Altstadt von Grüningen ZH verunfallte Ende Juni 2018 ein VZO-Bus. Er fuhr frontal in ein Haus. Der Buschauffeur und ein Passagier wurden beim Unfall leicht verletzt.

Leser-Reporter
Im Zürcher Kreis 5 kollidierte Mitte Juni ein Auto mit einem Tram. Der Unfall hatte grosse Auswirkungen auf den Tramverkehr.

Im Zürcher Kreis 5 kollidierte Mitte Juni ein Auto mit einem Tram. Der Unfall hatte grosse Auswirkungen auf den Tramverkehr.

Leser-Reporter

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz wird für Passagiere seit einigen Jahren zunehmend gefährlicher. Das zeigt eine Auswertung der Ereignisdatenbank des Bundesamts für Verkehr durch die «SonntagsZeitung». Von 2010 bis Juni 2018 verletzten sich bei Zug-, Bus- und Tramfahrten mehr als 7000 Passagiere. Fast zwei Drittel entfallen auf Busfahrten.

Haben Sie sich im ÖV verletzt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte:

Insgesamt gibt es unter den Reisenden im öffentlichen Verkehr in der Schweiz mehr als zwei Opfer pro Tag, die sich schwer oder leicht verletzen. Fast zwei Drittel aller Fälle betreffen Busfahrten: In den Jahren 2014 bis 2017 stieg die Zahl der verletzten und ge­töteten Buspassagiere um 10 Prozent. Zugenommen haben insbesondere sogenannte «Stoppunfälle» und «Ruckunfälle» bei Busfahrten. Eine Zunahme gibt es aber auch bei Zwischenfällen in Trams. Einzig bei den Zügen ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Betroffen sind in den meisten Fällen betagte und gebrechliche Fahrgäste, die sich nicht mehr gut festhalten können, oder stürzen, wenn der Bus beschleunigt. Manchmal werden die Senioren aber auch in Kurven von den Sitzen geschleudert.

Mehr «durchgehende Busspuren» gefordert

Gemäss einer Auswertung des Beratungsstelle für Unfallverhütung sind die Hälfte aller schwerverletzten oder getöteten Passagiere im öffentlichen Verkehr 70 Jahre und älter. Die häufigste Verletzung von Stürzen in Bussen ist laut Experten der Oberschenkelhalsbruch.

Die Branche ist sich des Problems bewusst. Norbert Schmassmann, Präsident des Verbands öffentlicher Verkehr, bestreitet aber, dass die Chauffeure zu schnell und zu ruppig fahren würden. Er sagt gegenüber der «SonntagsZeitung», die Zunahme der Stoppunfälle sei vor allem eine Folge des grösser werdenden «allgemeinen Verkehrsstresses».

In der Ausbildung der Fahrer sei der verbesserte Umgang mit Stress mittlerweile wichtiger geworden. Gleichzeitig fordert Schmassmann aber in Städten mehr «durchgehende Busspuren» - ansonsten würden Busse ständig durch «andere Verkehrsmittel zum abrupten Bremsen genötigt».

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