Kurdenkonflikt: «Zeiten der Siege durch Waffen sind vorbei»
Aktualisiert

Kurdenkonflikt«Zeiten der Siege durch Waffen sind vorbei»

Im Bemühen um eine Lösung des blutigen Konflikts zwischen Kurden und Türken hat der inhaftierte Kurdenführer Abdullah Öcalan sein Interesse an einem dauerhaften Frieden bekräftigt.

Er wolle an diesem Mittwoch seinen ursprünglich für vergangenen Samstag angekündigten Friedensplan veröffentlichen. Die «Zeiten der Siege durch Waffen wie in der französischen oder russischen Revolution» seien vorbei, sagte Öcalan nach Angaben seiner Anwälte vom Montag.

Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan forderte zudem weitgehende Autonomierechte für die Kurden in der Türkei. Im Rahmen einer Lösung des Kurdenkonflikts müsse die Volksgruppe das Recht auf politische und kulturelle Selbstverwaltung erhalten, sagte Öcalan, wie türkische Medien unter Berufung auf die pro-kurdische Nachrichtenagentur ANF berichteten.

Sich in der Mitte treffen

Demnach sollen sich die rund zwölf Millionen Kurden in der Türkei zum türkischen Staat bekennen, während der Staat das Recht der Kurden auf demokratische Selbstbestimmung anerkennt. «So treffen sie sich in der Mitte», sagte Öcalan.

Dem PKK-Chef zufolge soll eine solche Selbstbestimmung nicht nur das Recht auf eigene Sportvereine, Bildungseinrichtungen und Lokalverwaltungen einschliessen, sondern auch die Aufstellung von Milizen, um Streitigkeiten unter den Kurden beilegen zu können. Zumindest die letztgenannte Forderung dürfte für Ankara unannehmbar sein.

Lebenslange Haftstrafe

Öcalan, Führer der unter anderem in den EU-Ländern, den USA und der Türkei als Terrororganisation eingestuften PKK, war 1999 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt worden. 2002 wurde sein Urteil auf internationalen Druck in eine lebenslange Haftstrafe abgemildert. Er sitzt als einziger Insasse in einem Gefängnis auf der Insel Imrali im Marmarameer ein.

Die Symbolfigur für den Unabhängigkeitskampf der Kurden hat nach Angaben seiner Anwälte die jüngsten Bemühungen der türkischen Regierung zur Beilegung des Kurdenkonflikts ausdrücklich gelobt. Die jetzt angekündigten Schritte seien genauso bedeutend wie der Prozess zur Gründung der Republik seitens Mustafa Kemal Atatürks.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan lehnt eine direkte Zusammenarbeit mit Öcalan und seiner verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK weiter kategorisch ab.

25 Jahre Kampf

Der blutige Konflikt um mehr Unabhängigkeit für die bis zu 15 Millionen Kurden in der Türkei tobt seit 25 Jahren. Am 15. August 1984 hatten die PKK mit ihrem ersten Anschlag in der Stadt Eruh im Südosten der Türkei die Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die bis heute viele Tausende Zivilisten, Soldaten und PKK-Kämpfer das Leben kostete.

Die Kurden fordern unter anderem, ihre eigene Sprache pflegen zu dürfen. Die Türkei hatte in den 1960er-Jahren die Kurden mit zahlreichen Einschränkungen belegt, etwa den Schulunterricht in kurdischer Sprache sowie kurdische Ortsnamen verboten.

(sda)

Deine Meinung