Weiter auf Rekordtief: Zentralbank lässt Leitzzins bei einem Prozent
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Weiter auf RekordtiefZentralbank lässt Leitzzins bei einem Prozent

Keine Überraschung in Frankfurt: Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins wie erwartet bei 1,0 Prozent. Damit bleiben die Zinsen im Euroraum auf Rekordtief.

Ein Strassenreiniger trägt vor der Euroskulptur der EZB in Frankfurt am Main den Müll weg.

Ein Strassenreiniger trägt vor der Euroskulptur der EZB in Frankfurt am Main den Müll weg.

Europas Währungshüter fordern nach ihrer jüngsten Geldflut Konsequenzen von Banken und Politik. «Es sind harte Reformen notwendig, um nachhaltiges Wachstum zu schaffen», mahnte EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch in Frankfurt die Regierungen im Euroraum.

Die Geschäftsbanken sollten das billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) nutzen, um ihre Bilanzen aufzuräumen. Wann die EZB die Geldschleusen wieder schliessen und aus ihrer Krisenpolitik aussteigen wird, liess Draghi weiter offen.

«Wann wir zu einer klassischen Geldpolitik zurückkehren, lässt sich nicht leicht beantworten.» Der Italiener versicherte jedoch, die Notenbank habe ein wachsames Auge auf Inflationsrisiken. Preisstabilität für den Währungsraum bleibe oberstes Ziel.

Hohe Energie- und Kraftstoffpreise hielten die Teuerungsrate zuletzt über der EZB-Zielmarke von 2,0 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet die EZB Inflationsraten in einer Spanne von 2,1 bis 2,7 Prozent. Anfang 2013 sei jedoch mit Entspannung an der Preisfront zu rechnen, bekräftigte Draghi.

Leitzins unverändert

Dieser Trend spricht eher gegen Zinserhöhungen, denn höhere Zinsen sind ein Mittel gegen Inflation. Am Mittwoch liess der EZB-Rat den Leitzins wie erwartet bei 1,0 Prozent. Nach der Geldflut für die Banken hatte sich die Lage an den von der Euro-Schuldenkrise erschütterten Märkten entspannt.

Im Dezember und Februar hatte die EZB den Geschäftsbanken extrem billiges Geld für bis zu drei Jahre angeboten. Die Institute liehen sich insgesamt gut eine Billion Euro. Weil zum Teil Geld aus anderen EZB-Geschäften umgeschichtet wurde, kamen nach Berechnungen von Ökonomen davon netto gut 500 Milliarden im Finanzsystem an.

Draghi zeigte sich überzeugt, dass mit den Sondermassnahmen eine Kreditklemme verhindert wurde. Seine volle Wirkung habe das «kraftvolle Instrument» noch gar nicht entfaltet.

Kritik an EZB

Zur Kritik, die EZB halte auch nicht-wettbewerbsfähige Banken künstlich am Leben, sagte Draghi: «Wir sehen keine Anzeichen, dass Banken am Tropf der EZB hängen.» Die EZB werde jedoch darauf achten, dass das Geld in der Wirtschaft ankomme.

Die meisten Ökonomen erwarten in diesem Umfeld inzwischen frühestens 2013 den ersten Zinsschritt der EZB. Ende 2011 hatte die EZB den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euroraum mit Zentralbankgeld in zwei Schritten wieder auf das Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt.

Damit wollte sie die Konjunktur beleben. Am Mittwoch sei im EZB- Rat nicht über Veränderungen des Leitzinses gesprochen worden, sagte Draghi weiter. (sda)

Spanien zahlt mehr

Das von hohen Schulden geplagte Spanien kämpft am Kapitalmarkt mit Gegenwind. Bei der Ausgabe von Staatsanleihen verlangten die Anleger am Mittwoch höhere Renditen als zuletzt. Ein Anleihe über vier Jahre beispielsweise kostet Spanien 4,3 Prozent und damit einen vollen Prozentpunkt mehr als bei der letzten Auktion.

Zudem war das Interesse an bis 2015 laufenden Schuldtiteln relativ lau: Die Nachfrage überstieg das Angebot nur um das 2,4- Fache. Letzthin war die Nachfrage nach spanischen Staatsanleihen bei einer ähnlichen Auktion mehr als doppelt so stark.

Einen Lichtblick an den Kapitalmärkten gab es hingegen für Spaniens Nachbarn Portugal, der erstmals seit Anfang 2011 wieder das Interesse der Investoren am Kapitalmarkt testete. Das hoch verschuldete Land, das im Frühjahr 2011 unter den Euro- Rettungsschirm geflüchtet war, zahlte den Investoren für 18-monatige Schuldtitel einen Zins von 4,5 Prozent und damit weit weniger als im März 2011, als 5,9 Prozent fällig wurden.

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