16.01.2019 04:39

Tamedia-Umfrage

Zersiedelungsinitiative kommt bei Frauen gut an

Derzeit findet die Vorlage der Jungen Grünen eine knappe Mehrheit von 52 Prozent. Bei den Stimmbürgerinnen liegt die Zahl deutlich höher.

von
P. Michel
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Laut der neuen Tamedia-Abstimmungsumfrage sagen derzeit 52 Prozent Ja oder eher Ja zur Zersiedlungsinitiative.

Laut der neuen Tamedia-Abstimmungsumfrage sagen derzeit 52 Prozent Ja oder eher Ja zur Zersiedlungsinitiative.

Keystone/Laurent Gillieron
Auf der Seite der Befürworter bleibt das wichtigste Argument die Sorge um die wertvolle Grünfläche, während die Gegner am meisten anführen, dass ein «starrer Bauzonen-Stopp die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft ausser Acht» lasse.

Auf der Seite der Befürworter bleibt das wichtigste Argument die Sorge um die wertvolle Grünfläche, während die Gegner am meisten anführen, dass ein «starrer Bauzonen-Stopp die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft ausser Acht» lasse.

Keystone/Sigi Tischler
Weiter zeigt die Umfrage, dass die Initiative bei Frauen eine Mehrheit findet, Männer die Vorlage dagegen ablehnen. 60 Prozent der Frauen geben an, die Initiative sicher oder eher zu unterstützen. Bei den Männern sind es nur 46 Prozent.

Weiter zeigt die Umfrage, dass die Initiative bei Frauen eine Mehrheit findet, Männer die Vorlage dagegen ablehnen. 60 Prozent der Frauen geben an, die Initiative sicher oder eher zu unterstützen. Bei den Männern sind es nur 46 Prozent.

Keystone/Peter Schneider

Die Initianten der Zersiedelungsinitiative können weiterhin auf eine knappe Mehrheit zählen: Der Zuspruch zur Initiative hat sich im Vergleich zur ersten Tamedia-Umfragewelle um zwei Prozentpunkte auf 52 Prozent Ja-Anteil verringert, wie die zweite Befragung einen Monat vor der Abstimmung am 10. Februar zeigt. Die Initiative sieht vor, die Gesamtfläche der Bauzonen in der Schweiz auf dem heutigen Stand einzufrieren.

Auf der Seite der Befürworter bleibt das wichtigste Argument die Sorge um die wertvolle Grünfläche, während die Gegner am meisten anführen, dass ein «starrer Bauzonen-Stopp die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft ausser Acht» lasse.

Während SVP- (55% Ja) und BDP-Wähler (52% Ja) im Dezember noch mehrheitlich der Vorlage knapp zustimmten, bröckelt jetzt die Unterstützung: In der zweiten Welle wollen nur noch 48 Prozent der SVP- und BDP-Basis sicher oder eher ein Ja auf den Stimmzettel schreiben. Eine Mehrheit findet die Initiative im links-grünen Lager: Am stärksten ist die Zustimmung bei den Wählern der Grünen (85% Ja), bei jenen der SP (70% Ja) und jenen der GLP (67% Ja). Den höchsten Nein-Anteil weisen die FDP-Wähler mit 68 Prozent aus. Auch eine Mehrheit der CVP-Basis lehnt das Volksbegehren ab (60 Prozent).

Weiter zeigt die Umfrage, dass die Initiative bei Frauen eine Mehrheit findet, Männer die Vorlage dagegen ablehnen. 60 Prozent der Frauen geben an, die Initiative sicher oder eher zu unterstützen. Bei den Männern sind es nur 46 Prozent.

Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, zeigt sich erfreut über die Mehrheit, die das Anliegen weiterhin findet. Dass die Unterstützung bei Wählern der Bürgerlichen bröckelt, gibt ihm nicht zu denken: «Dass weiterhin 48 Prozent der SVP-Wähler ein Ja einlegen wollen, zeigt, dass sich nicht nur das links-grüne Lager Sorgen um die Erhaltung des Landschaftsbilds macht.» An die heimatverbundenen Konservativen wolle man noch verstärkt appellieren.

Darüber, warum sich Frauen eher für die Initiative aussprechen, kann Franzini nur spekulieren. «Wir haben schon beim Thema Fair-Food gesehen, dass sich Frauen eher für Umweltanliegen begeistern lassen.» Frauen scheine die Zukunft der Schweizer Grünflächen mehr am Herzen zu liegen. Tendenziell nehmen die Zustimmungswerte zu Initiativen bis zum Abstimmungssonntag jeweils noch ab. Franzini: «Es wird eine Herkulesaufgabe. Aber wir geben alles.»

Angst vor wachstumskritischen SVPlern

Der Start der Gegenkampagne habe bei den bürgerlichen Wählern offenbar bereits eine Kehrtwende eingeleitet, glaubt CVP-Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach. Es gelte nun noch, den wachstumskritischen SVP-Wählern aufzuzeigen, dass auch ohne die Initiative und mit der Revision des Raumplanungsgesetzes die schöne Schweizer Landschaft geschützt werden könne.

«Dass die Initiative bei Frauen gut ankommt, liegt wohl daran, dass sie eher auf Themen ansprechen, die die Zukunft und die Umwelt betreffen», sagt Bulliard-Marbach. Als Bäuerin könne sie die Angst um den Kulturlandverlust gut nachvollziehen. «Statt jetzt Bauzonenfläche einzufrieren, braucht es aber Geduld, um im Rahmen des Raumplanungsgesetzes, das derzeit umgesetzt wird, zu reagieren.»

Über die Umfrage

11'475 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 10. und 11. Januar 2019 online an der zweiten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Abstimmung vom 10. Februar 2019 teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

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