13.02.2019 14:32

Lions auf AbwegenZerstört Arno Del Curto beim ZSC sein Denkmal?

In Zürich geht es derzeit um mehr als die Playoff-Qualifikation. Um viel mehr.

von
Marcel Allemann
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Arno Del Curtos bisherige Spiele als ZSC-Trainer12. Februar: ZSC Lions - Servette 1:4.

Arno Del Curtos bisherige Spiele als ZSC-Trainer12. Februar: ZSC Lions - Servette 1:4.

Keystone/Walter Bieri
9. Februar: EV Zug - ZSC Lions 3:0.

9. Februar: EV Zug - ZSC Lions 3:0.

Keystone/Alexandra wey
1. Februar: Rapperswil-Jona Lakers - ZSC Lions 4:1.

1. Februar: Rapperswil-Jona Lakers - ZSC Lions 4:1.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Noch liegen die ZSC Lions über dem Strich. Noch hat es der Titelverteidiger in den eigenen Händen, die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Noch können die Zürcher sogar Meister werden. Doch die letzten Spiele verliefen für den Zett alarmierend. Wer in der entscheidenden Phase der Qualifikation mit 1:4 bei Schlusslicht Rappi verliert (1. Februar) und sich dann auch noch vor eigenem Anhang gegen Servette mit demselben Resultat (12. Februar) blamiert, hat im Playoff eigentlich nichts verloren.

Am 14. Januar wurde bei den ZSC Lions Serge Aubin als Trainer entlassen. Ohne Not, wurde doch in fünf der sechs ersten Spiele im neuen Jahr gepunktet. Sportchef Sven Leuenberger bemängelte, dass die Handschrift des Kanadiers noch immer nicht zu erkennen sei. Das Leben und die Emotionen der Mannschaft würden fehlen.

Vor Del Curto 7 Punkte Vorsprung auf Lugano

Die Zürcher lagen damals auf Rang 6, nun sind sie auf Position 7. Ihre Reserve auf den Strich betrug damals 3 Zähler, inzwischen sind sie vom neuntklassierten Servette eingeholt worden. Als Aubin gehen musste, hatte der ZSC auf das auf Rang 10 liegende Lugano einen stolzen Vorsprung von 7 Punkten, nun ist es noch ein Zähler und nach Verlustpunkten (Lugano hat ein Spiel weniger) liegen die Zürcher bereits hinter den Tessinern. Die Fakten sprechen bis jetzt nicht für diesen Trainerwechsel.

Als Kulttrainer Arno Del Curto am 14. Januar übernahm, war die Euphorie zunächst grenzenlos. Wie ein Popstar wurde er beim ersten Heimspiel im Hallenstadion empfangen. Es gab unter anderem Willkommens-Spruchbänder, eigens angefertigte Arno-T-Shirts und einen Arno-Werbebanner eines Hauptsponsors. Und zunächst waren auch die Resultate ganz okay. Es gab unter anderem ein 4:1 gegen die SCL Tigers, ein 4:3 nach Verlängerung gegen Zug und ein 3:1 gegen Ambri.

«Es gilt nun, die richtigen Knöpfe zu drücken»

Doch seit die Zürcher am 29. Januar gegen Lausanne in der Schlussminute eine 3:2-Führung herschenkten und noch mit 3:4 nach Verlängerung verloren, ist der Wurm drin. Vier Niederlagen haben sich inzwischen aneinandergereiht. Die Mannschaft wirkt verkrampft und verunsichert. Emotionen sind höchstens in Form von dummen Strafen zu sehen. Und auch spielerisch traten die Lions am Dienstag gegen Servette miserabel auf. Vom hochgepriesenen, powervollen «Arno-Hockey» sehen die Fans derzeit nichts. Ihr Team schiesst auch praktisch keine Tore. Gerade mal zwei waren es in den letzten 180 Minuten!

Best-of Arno Del Curto

Der Trainer prägte den HC Davos und das Schweizer Eishockey mit seiner Persönlichkeit.(Video: SRF, TSN, Youtube)

«Es ist eine mentale Sache», ist sich Arno Del Curto sicher, es gelte nun, die richtigen Knöpfe zu drücken. Er will dabei aufbauend arbeiten. Denn die Köpfe seiner Spieler sind derzeit enorm gefordert. Sie müssen mitten in der Saison ein neues System erlernen und erhalten dabei durch Del Curto und seinen zwei Assistenztrainern Michael Liniger und Mathias Seger permanent Inputs von drei Personen. Gleichzeitig spüren sie im Nacken den Strich, der immer heftiger von hinten drückt, während das Selbstvertrauen durch die Niederlagen immer kleiner wird. Da ist es menschlich, dass den Spielern fast der Kopf explodieren muss und es ist auch eine Erklärung dafür, dass derzeit kaum einer seine Normalform erreicht.

Del Curto überlegt sich nun, einen Schritt zurück zu machen und seine Mannschaft am Wochenende gegen Biel und Bern defensiver auftreten zu lassen, um zumindest Stabilität zurückzugewinnen. «Wir werden es uns anschauen», sagt er. Del Curto sieht diese beiden Partien gegen zwei momentan wesentlich höher eingestufte Teams aber auch als grosse Chance: «Vielleicht spielt man in solchen Spielen freier auf, ähnlich wie Servette bei uns.»

Del Curto spielt nun auch um seinen Ruf

Es steht viel auf dem Spiel. Nicht nur für die ZSC Lions, sondern auch für Del Curto selbst. Der 62-jährige Engadiner ist der grösste Schweizer Trainer aller Zeiten, führte den HC Davos zu sechs Meistertiteln und prägte in dieser Zeit die Karrieren von vielen grossen Spielern. Er ist eine Ikone, die trotz all seiner Erfolge stets authentisch sowie natürlich geblieben und deshalb so beliebt ist.

Beim HC Davos verpasste ADC seinen Abgang um mindestens ein bis zwei Jahre. Das sagt er selbst. Dadurch bekam sein Denkmal einige Kratzer. Doch verpasst Del Curto nun mit diesem hoch dekorierten Team das Playoff, wird in Zürich sein Denkmal zerstört, wird der Bündner danach «nur» noch ein gewöhnlicher Trainer mit einem schönen Leistungsausweis in früheren Jahren sein. Somit geht es derzeit auch um Denkmalschutz.

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