Islamisten in Frankreich: Zerstörte Terrorzelle war höchst gefährlich
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Islamisten in FrankreichZerstörte Terrorzelle war höchst gefährlich

Die Islamistenzelle, die französische Polizisten ausgehoben haben, ist viel gefährlicher als bisher angenommen. Von ihr ging in Frankreich die grösste Terrorgefahr seit Mitte der 90er Jahre aus.

Bei einer Razzia in einer Pariser Wohnung fand die Polizei Schusswaffen und Materialien, die man für eine Bombe benötigt.

Bei einer Razzia in einer Pariser Wohnung fand die Polizei Schusswaffen und Materialien, die man für eine Bombe benötigt.

Die in Frankreich ausgehobene mutmassliche Islamistenzelle war nach Einschätzung der Ermittler noch weitaus gefährlicher als zunächst angenommen. Von der Gruppe sei die grösste Terrorgefahr seit Mitte der 90er Jahre in dem Land ausgegangen, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Donnerstag.

Die Verdächtigen seien «viel gefährlicher, als wir ursprünglich angenommen hatten», sagte Molins vor Journalisten. Es handle sich um die «wahrscheinlich gefährlichste Terrorgruppe in Frankreich seit 1996». Mitte der 90er hatte eine Anschlagswelle der islamistischen algerischen Gruppe GIA Frankreich erschüttert.

Molins Angaben zufolge wollten Mitglieder der mutmasslichen Terrorzelle sich dem bewaffneten Kampf islamistischer Gruppen in Syrien anschliessen. Dabei hätten zwei Verdächtige eine «Schlüsselrolle» gespielt: Einer habe als Verbindungsmann ins Ausland gedient, ein anderer sei vor kurzem für drei Monate nach Ägypten und Tunesien gereist.

Bei einer landesweiten Razzia waren am Wochenende in Frankreich zwölf mutmassliche Mitglieder einer Islamistenzelle festgenommen worden. Bei der versuchten Festnahme eines Verdächtigen in Strassburg schoss dieser mehrfach mit einer grosskalibrigen Waffe auf die Beamten, die daraufhin das Feuer erwiderten und den Mann tödlich trafen.

Fünf Verdächtige wieder frei

Gegen sieben der Festgenommenen wurde am Donnerstag ein formales Ermittlungsverfahren eingeleitet, das von drei Untersuchungsrichtern geleitet wird. Staatsanwalt Molins sagte, die Verdächtigen seien 19 bis 25 Jahre alt, «sie wurden alle in Frankreich geboren und haben die französische Staatsangehörigkeit».

Sie seien bislang als Kleinkriminelle aufgefallen und vor nicht langer Zeit zum Islam übergetreten. Die fünf anderen Festgenommenen wurden auf freien Fuss gesetzt. Es habe nicht genug Indizien gegen sie gegeben, sagte Molins.

Material für Bombenbau

Bereits am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass die Mitglieder der Zelle offenbar Sprengsätze bauen wollten. Die Ermittler fanden bei Durchsuchungen Chemikalien wie Kaliumkarbonat, Schwefel, Salpeter, Druckkochtöpfe, die häufig als Behälter für selbstgebaute Sprengsätze verwendet werden, und Glühbirnen. Auch zwei Schusswaffen wurden gefunden.

Staatsanwalt Molins sagte am Donnerstag, einer der Verdächtigen habe zugegeben, eine Bombe bauen zu wollen. Er habe aber weder gesagt, gegen wen er sie einsetzen wollte, noch, ob er Komplizen gehabt habe. Die Festgenommenen würden «in keiner Weise» mit den Behörden kooperieren, sagte Molins.

Razzien nach Anschlag

Die Razzien vom Wochenende waren nach einem Anschlag auf einen jüdischen Lebensmittelladen in der Pariser Vorstadt Sarcelles am 19. September erfolgt. Zwei Maskierte warfen eine Granate in den Laden und verletzten dabei eine Frau leicht.

Staatsanwalt Molins sagte, der Angriff mit der aus Jugoslawien stammenden Granate hätte tödlich enden können. Deswegen wurden Ermittlungen wegen versuchten Mordes eingeleitet.

Dem Staatsanwalt zufolge waren an dem Anschlag insgesamt fünf Menschen direkt oder indirekt beteiligt. Unklar ist aber noch, ob die beiden Angreifer festgenommen werden konnten. (sda)

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