Aktualisiert 20.05.2020 11:56

Illegale Holzfäller

Zerstörung des Amazonas-Gebiets nimmt in Corona-Krise dramatisch zu

Wer dachte, die Umwelt könne sich während der Covid-19-Epidemie etwas erholen, hat die Rechnung ohne Brasilien gemacht. Dort nimmt die Zerstörung des Amazonas-Gebietes, der Grünen Lunge der Erde, weiter ihren Lauf – noch schneller als zuvor.

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Trotz Corona-Krise hat die Abholzung des  Regenwalds im Vergleich zum Vorjahr im ersten Quartal um 55 Prozent zugenommen.

Trotz Corona-Krise hat die Abholzung des Regenwalds im Vergleich zum Vorjahr im ersten Quartal um 55 Prozent zugenommen.

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Während Holzfäller, Goldsucher und anderen Glücksritter in Amazonien ihren illegalen Tätigkeiten weiter nachgehen, schränkt die Corona-Krise Umweltbeamte in ihrer Arbeit jedoch ein. Der rechte brasilianische Präsident macht es der Behörde auch nicht leichter.

Während Holzfäller, Goldsucher und anderen Glücksritter in Amazonien ihren illegalen Tätigkeiten weiter nachgehen, schränkt die Corona-Krise Umweltbeamte in ihrer Arbeit jedoch ein. Der rechte brasilianische Präsident macht es der Behörde auch nicht leichter.

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Vielmehr gilt Jair Bolsonaro als enger Verbündeter der Holzlobby.  Er sieht das Amazonas-Gebiet vor allem als wirtschaftliches Nutzgebiet, das es auszubeuten und etwa für den Bergbau zu öffnen gilt.

Vielmehr gilt Jair Bolsonaro als enger Verbündeter der Holzlobby. Er sieht das Amazonas-Gebiet vor allem als wirtschaftliches Nutzgebiet, das es auszubeuten und etwa für den Bergbau zu öffnen gilt.

REUTERS

Darum gehts

  • Die Zerstörung im brasilianischen Amazonas-Gebiet nimmt während der Corona-Pandemie dramatisch zu.
  • So wurden im ersten Quartal 1200 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt.
  • Das entspricht einem Anstieg von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
  • Der brasilianische Präsident sieht das Gebiet als wirtschaftliches Nutzgebiet, das es auszubeuten gilt.

Während die Wirtschaft in Brasilien stillsteht, nimmt die Zerstörung im Amazonas-Gebiet im Schatten der Covid-19-Pandemie dramatisch zu. 1200 Quadratkilometer abgeholzten Regenwald hat das Nationale Institut für Weltraumforschung Inpe, das Satellitenbilder auswertet, für das erste Quartal registriert. Das entspricht einem Anstieg von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

«Illegale Holzfäller machen kein Homeoffice», sagte Rômulo Batista, Greenpeace-Sprecher in Brasilien, der deutschen Nachrichtenagentur DPA. «Somit steht fest, dass die Pandemie die ohnehin kritische Situation des Regenwaldes und der darin beheimateten indigenen Völker in der brasilianischen Amazonas-Region lediglich noch intensiviert», heisst es im Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brasilien.

Gezielte Schwächung der Umweltbehörde

Während Holzfäller, Goldsucher und anderen Glücksritter in Amazonien ihren illegalen Tätigkeiten weiter nachgehen, schränkt die Corona-Krise Umweltbeamte in ihrer Arbeit jedoch ein. Allerdings: Die Umweltbehörde Ibama hat der rechte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro bereits seit seinem Amtsantritt im Januar 2019 gezielt geschwächt. Personal und Kontrollen wurden massiv weniger.

Im Dezember brachte Bolsonaro die vorläufige Massnahme MP-910, auch bekannt als «Landraub»-Gesetz, ein; das Gesetzesprojekt könnte in den kommenden Tagen im Kongress behandelt werden. Es würde die illegale Abholzung und unrechtmässige Besetzung von öffentlichem Land vor 2018 nachträglich legalisieren– insgesamt 570’000 Quadratkilometer, mehr als die Fläche Spaniens.

«Sie gehen davon aus, ungestraft davonzukommen»»

Dabei war die Abholzung bereits 2019 sehr hoch gewesen im Vergleich zu den Vorjahren. Kritiker werfen Präsident Jair Bolsonaro vor, Holzfäller, Goldgräber und Farmer mit seinen Äusserungen zur Abholzung und zur Landnahme zu ermutigen. «Und die Leute dringen in unsere Gebiete ein, weil sie davon ausgehen, ungestraft davonzukommen», klagte etwa Cacique Kawore aus einem geschützten indigenen Gebiet im Pará.

Schon wenige Monate, nachdem Bolsonaro sein Amt angetreten hatte, spürten die Indigenen die ersten Auswirkungen. Obwohl Eindringlinge in ihrem geschützten Gebiet illegal Wald abholzten, verfolgten die staatlichen Behörden keine Anzeigen mehr. «Mai, Juni, Juli, August und September des vergangenen Jahres waren einige der schlimmsten Monate überhaupt», sagt Gabriel Lui, Koordinator der Bereichs Landnutzung und Lebensmittelsysteme am «Instituto Clima e Sociedade» in Rio. In Amazonien waren vielerorts praller, dunkelgrüner Regenwald und dann abgeholzte oder abgebrannte Flächen zu sehen.

Während Indigene das Land als «Mutter Erde» betrachten und zum Leben nutzen, wollen Grossgrundbesitzer, Holzfäller, Goldsucher, Kraftwerksbauer und Sojapflanzer an seine Reichtümer heran. Bolsonaro sieht Amazonien ebenfalls als wirtschaftliches Nutzgebiet, das es auszubeuten gilt. Das heisst auch: keine indigenen Gebiete mehr ausweisen, bestehende Gebiete verkleinern und für den Bergbau freigeben.

1000 Covid-19-Tote an einem Tag

Das neuartige Coronavirus breitet sich in Brasilien immer rasanter aus. Mit 17’408 Neuinfektionen und 1179 Todesfällen binnen 24 Stunden meldeten die Behörden neue Rekordwerte. Die Zahl der bestätigten Ansteckungen stieg auf 271’628. Das grösste Land Südamerikas weist seit Montag inzwischen weltweit nach den USA und Russland die meisten Fälle auf. Erstmals verzeichnete es zudem nun mehr als 1000 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus an einem Tag, der bisherige Höchstwert lag am 12. Mai bei 881 Toten. Insgesamt sind nun in Brasilien 17’971 Menschen wegen Covid-19 gestorben.

(SDA)
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56 Kommentare

Romulus

21.05.2020, 17:29

Wenn die Brasilianer schlau wären würden sie für den Schutz des Urwaldes hunderte von Millionen von der Weltgemeinschaft verlangen! Diese würden dies ohne Wimpernzuken bezahlen um den Amazonas vor dem abholzen zu schützen. Schlussendlich ist das die grüne Lunge der Erde. Eine Win Win Situation für alle.

Fäbu

21.05.2020, 11:19

Jedes vorhaben des menschen ist zum scheitern verurteilt, wenn die dehmut abhanden kommt.

SmartHome

21.05.2020, 06:50

alee, die ihr hier so tüchtig schreibt. Macht mal eure Küchenschränke auf undnehmt euch die Dinge einzeln vor. Danach werdet ihr merken, dass ihr alle eine grosse Mitschuld habt. Beginnen wir beim Aromat und Nutella...