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Fall Kachelmann«Zeuge» hantiert mit Messer und Schlägen

Der 71-jährige «sachverständige Zeuge» Bernd Brinkmann präsentierte im Kachelmann-Prozess Bilder von Messerspuren und Faustschlägen. Das mutmassliche Opfer habe sich die Verletzungen selber zugefügt.

Ein Rechtsmediziner hat im Prozess gegen den Schweizer Jörg Kachelmann infrage gestellt, dass die Verletzungen der Ex-Freundin von einer Vergewaltigung stammen. Der Experte Bernd Brinkmann präsentierte Fotos, welche dies beweisen sollen. Der 71-jährige Experte war ursprünglich von der Verteidigung als Sachverständiger geladen, dann aber vom Landgericht Mannheim als befangen abgelehnt worden. Er sagte am Montag deshalb nicht als Gutachter, sondern als sachverständiger Zeuge aus.

Die langjährige Ex-Freundin Kachelmanns behauptet, sie sei am 9. Februar mit einem Messer bedroht und vergewaltigt worden. Bei ihr wurden blaue Flecke an den Oberschenkeln und Kratzspuren am Hals festgestellt.

Brinkmann sagte, er habe im Versuch ein Küchenmesser an den aufgelegten Oberarm eines Kollegen gepresst und dann die Kratz- und Druckspuren geprüft. Ausserdem schlug er sich selbst mit Fäusten an seine Oberschenkel.

Selbstversuche

Brinkmann legte der Strafkammer zahlreiche Fotos vor. Danach habe es bei seinen Experimenten mit dem Messer keine Doppelspur gegeben, wie sie bei der Ex-Freundin am Hals aufgetreten waren.

Auch die Struktur der Hämatome an den Oberschenkeln lasse auf Schläge mit Fäusten schliessen, nicht auf statische Verletzungen mit den Knien bei einer Vergewaltigung.

Ob die Versuche am Oberarm und den Oberschenkeln eines Mannes mit Hals- und Schenkelverletzungen einer jüngeren Frau vergleichbar sind, wurde am Montag nicht erörtert.

Gutachterin wegen «radikalfeministischen» Thesen kritisiert

Am nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag sollen weitere Gutachter aussagen. Unter ihnen ist der Heidelberger Rechtsmediziner Rainer Mattern, der Kachelmanns Ex-Freundin unmittelbar nach der mutmasslichen Vergewaltigung untersuchte.

Bereits vorletzte Woche hatte Schwenn einen Befangenheitsantrag gegen die Gutachterin Luise Greuel gestellt. Kachelmann ist angeklagt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben.

Greuel hatte in ihrem Gutachten auch zu der Möglichkeit einer Traumatisierung der Frau Stellung genommen. Dabei, kritisierte Schwenn, stelle sie «eine von radikalfeministischen Autorinnen ersonnene Theorie» über die Traumatisierung von Vergewaltigungsopfern als gesicherte Erkenntnis dar. Über den Befangenheitsantrag gegen Greuel ist nicht entschieden. (sda)

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