Zurich Film Festival : ZFF-Direktor verteidigt Winnetou-Film und schiesst gegen «Woke-Bewegung»

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Zurich Film Festival ZFF-Direktor verteidigt Winnetou-Film und schiesst gegen «Woke-Bewegung»

Zur Eröffnung des Zurich Film Festivals hielt Direktor Christian Jungen eine flammende Rede für die Kunstfreiheit und verteidigte den Winnetou-Film, den das ZFF zeigt. Die «Woke-Debatte» sei aus dem Ruder gelaufen.

von
Daniel Graf
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Rund um die Winnetou-Filme sind in den letzten Wochen Diskussionen entbrannt. Für einige sind die Filme rassistisch. Der Leiter des Zurich Film Festivals widerspricht – und zeigt den Film. 

Rund um die Winnetou-Filme sind in den letzten Wochen Diskussionen entbrannt. Für einige sind die Filme rassistisch. Der Leiter des Zurich Film Festivals widerspricht – und zeigt den Film. 

VQH

Darum gehts

  • Der Film «Der junge Häuptling Winnetou» stand jüngst in der Kritik, er bediene rassistische Klischees. 

  • Die ARD strich den Film daraufhin aus dem Programm. 

  • Das Zurich Film Festival geht nun einen anderen Weg und zeigt den Film im Rahmen der «Kunstfreiheit».

  • Für ZFF-Direktor Christian Jungen ist die Debatte rund um die «Woke-Bewegung» aus dem Ruder gelaufen. 

«Wir canceln Filme nicht, wir zeigen sie!», sagte Christian Jungen, Direktor des Zurich Film Festivals, in seiner Eröffnungsrede am Donnerstagabend – und erhielt dafür tosenden Applaus. Jungen sprach auf den neusten Winnetou-Streifen «Der junge Häuptling Winnetou» an, dessen Premiere im Rahmen des Festivals gezeigt werden wird.

In einem Interview mit Nau.ch sagt Jungen: «Es herrscht ein Klima der Angst, alle fürchten, dass sie das Falsche sagen oder machen. Im Zweifelsfall nehmen sie einen Film lieber aus dem Programm, wenn er einmal ein wenig in der Kritik steht.» Das ZFF hingegen stehe auf der Seite der Filmschaffenden. «Wenn die im Gegenwind stehen, stehen wir erst recht hinter ihnen. Er wäre feige gewesen, diese Filme aus dem Programm zu nehmen.»

«Stünde ein Indigener hin, beurteilte ich das anders»

Es gebe Leute, die den Winnetou-Film nicht auf einer Leinwand sehen wollten, sagt Jungen. «Sie sagen, das sei kulturelle Aneignung oder sogar Rassismus.» Das Komische sei aber, dass diese Menschen sich die Kultur der indigenen Bevölkerung Amerikas selber aneigneten. «Sie denken, dass das die Gefühle der Indigenen verletzt. Das ist für mich auch eine Aneignung. Wenn nun ein Indigener aus dem Reservat hinstehen würde, würde ich das anders beurteilen.» Letztendlich gehe es aber darum, die Kunstfreiheit zu verteidigen.

Findest du Winnetou-Filme problematisch? 

Die «Woke-Bewegung», wie Jungen sie nennt, sei, wie andere auch, «ein wenig aus dem Ruder gelaufen». «Wir müssen sicherstellen, dass, wenn Menschen jahrelang Herzblut in die Arbeit an einem Film gesteckt haben, dieser wegen einer kleinen Kontroverse nie gezeigt wird oder Bücher aus dem Regal genommen werden.»

Sprachwissenschaftler findet Winnetou rassistisch

Anders sah das gegenüber Nau.ch der deutsche Sprachwissenschaftler und Dozent der Freien Universität Berlin, Anatol Stefanowitsch. Er kritisiert: «Bei Karl May werden Native Americans als Stereotype und dem weissen, deutschen Mann unterlegene Menschen charakterisiert. Von einem Menschen, der sie nie kennen gelernt hat. Für Menschen, die sie nie kennen lernen werden.» Das sei «rassistisch».

Die Debatte rund um kulturelle Aneignung und Kolonialrassismus hat in den letzten Wochen mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Ausgelöst wurden diese etwa durch den Entscheid der Brasserie Lorraine in Bern, einen Bandauftritt abzusagen, weil weisse Musiker Rastas tragen. Die Band verteidigte sich daraufhin. Wenig später geriet dann der Winnetou-Film in die Kritik, worauf die ARD entscheid, keine Winnetou-Filme mehr auszustrahlen.

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