Bei Online-Prüfungen: ZHAW will vorerst auf Überwachungssoftware verzichten
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Bei Online-PrüfungenZHAW will vorerst auf Überwachungssoftware verzichten

Im neuen Jahresbericht kritisiert die Zürcher Datenschutzbeauftragte den Einsatz von Überwachungssoftware bei Hochschulen und Unis. Die ZHAW verweist auf eine laufende Untersuchung und will vorerst auf das Tool verzichten.

von
Daniel Krähenbühl
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In Zeiten von Corona setzten Unis und Hochschulen vielerorts auf Online-Prüfungen. 

In Zeiten von Corona setzten Unis und Hochschulen vielerorts auf Online-Prüfungen. 

20min/Vanessa Lam
Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) setzte zur Überwachung von Online-Prüfungen die Software Proctorio ein.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) setzte zur Überwachung von Online-Prüfungen die Software Proctorio ein.

Madeleine Schoder/Tamedia
Dafür wurde die ZHAW erheblich kritisiert. Auch die Datenschutzbeauftragte doppelt im neuen Tätigkeitsbericht 2021 nun nach. 

Dafür wurde die ZHAW erheblich kritisiert. Auch die Datenschutzbeauftragte doppelt im neuen Tätigkeitsbericht 2021 nun nach. 

ZHAW

Darum gehts 

«Ein erheblicher Eingriff in die Grundrechte der Studierenden»: Die Zürcher Datenschutzbeauftragte Dominika Blonski kritisiert in ihrem neu publizierten Jahresbericht 2021 Hochschulen und Universitäten, die Überwachungssoftware bei Online-Prüfungen einsetzen. Die Programme bearbeiteten eine grosse Menge an Personendaten und griffen so stark in das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung der Studierenden ein. Zudem sei nicht nachvollziehbar, wie der Algorithmus das Verhalten der Studierenden analysiere und welche Schlüsse daraus gezogen werden können.

In der Kritik steht vor allem die Software Proctorio, die während der Corona-Zeit teilweise bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zum Einsatz kam. Sie zeichnet Bild, Ton und den Netzverkehr auf, stellt etwa einen überdurchschnittlichen Geräuschpegel fest und analysiert Augen- und Kopfbewegungen. Wie Blonski schreibt, sei aus grundrechtlicher Sicht massgebend, dass für den Einsatz einer solchen Software eine Rechtsgrundlage bestehe, ihr Einsatz im öffentlichen Interesse erfolge und verhältnismässig sei. Bei Proctorio laufe derzeit eine entsprechende Untersuchung.

Bis zum Abschluss der Untersuchung durch die Datenschutzbeauftragte werde die ZHAW auf die Überwachungssoftware verzichten, sagt ZHAW-Sprecherin Fabienne Kirsch. «Nach Eingang des Prüfungsergebnisses wird ein zukünftiger Einsatz von Proctorio evaluiert.» Die Software sei während der Corona-Pandemie bei einem Teil der Online-Prüfungen eingesetzt worden. «Bei diesen Prüfungen hatte sich gezeigt, dass andere Möglichkeiten der Prüfungsaufsicht in dieser besonderen Lage nicht immer eine regelkonforme und faire Prüfung ermöglichten.»

Videokonferenzprogramm statt Algorithmen-Analyse

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Blonski, dass die Untersuchungen in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Sobald der Bericht fertiggestellt sei, werde weiter informiert. «Zur Überwachung bei Online-Prüfungen muss immer die Lösung eingesetzt werden, die am wenigsten stark in die Grundrechte der Studierenden eingreift», sagt die Datenschutzbeauftragte. «Auch ohne eingehende Abklärung von Proctorio können wir sagen, dass die Software sehr weitgehende Berechtigungen auf den privaten Computern verlangt und unter anderem das Verhalten der Studierenden mit Algorithmen analysiert.» Die Grundlagen dieser Algorithmen seien für die Studierenden nicht transparent.

Andere Hochschulen hätten sich für die Echtzeitüberwachung durch ein Videokonferenzprogramm entschieden. Da die Aufnahmen nicht gespeichert und nicht durch Algorithmen analysiert werden, komme das einer Prüfungssituation vor Ort am nächsten, so Blonski. «Das ist ein weniger starker Eingriff in die Grundrechte der Studierenden, als wenn beispielsweise biometrische Analysen durchgeführt werden.»

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