Aktualisiert 07.05.2010 11:29

Protest gegen «Baggy Pants»«Zieh Deine Hosen hoch»

Senator Eric Adams hält nicht viel von tiefsitzenden Hosen, deren Bund weit unter der Hüfte hängt. Und mit seiner Meinung ist er nicht alleine.

von
Jennifer Peltz
Eric Adams hats auf die Hosen abgesehen.

Eric Adams hats auf die Hosen abgesehen.

Auf Werbeplakaten und in einem YouTube-Video verbreitet Senator Eric Adams aus dem US-Staat New York seine Botschaft: «Du bekommst mehr Respekt, wenn du deine Hose höher ziehst.» Wer tief hängende «Baggy Pants» trage, habe einfach ein schlechtes Image, sagt Adams. Und nicht nur Politiker versuchen derzeit, diesen Hosentrend in den USA unpopulär zu machen. Kritisiert wird die Mode, die in den 90ern vor allem durch Rapper verbreitet wurde, in TV-Shows, Stadträten und Schulbeiräten.

Sogar unter Musikern wurde Front gemacht gegen die tiefsitzenden Beinkleider: Anfang des Jahres sang ein Kandidat von «American Idol», der US-Version von «Deutschland sucht den Superstar», einen Song mit dem Titel «Pull your pants up» (»Zieh deine Hosen hoch») - das Video wurde begeistert im Internet angeklickt.

Der schwarze Fernsehstar Bill Cosby sagte 2004 im Rahmen einer Bürgerrechtsveranstaltung, er betrachte das Tragen tiefsitzender Hosen als einen Fehltritt junger Schwarzer. Selbst US-Präsident Barack Obama prangerte im Wahlkampf 2008 die Mode an. «Manche Leute wollen vielleicht nicht deine Unterhosen sehen. Ich bin einer von ihnen», sagte der damalige Präsidentschaftskandidat dem TV-Sender MTV.

In manchen US-Schulen sind strengere Kleiderordnungen eingeführt worden, damit Schüler ihre Hosen höher ziehen. In Dallas gab es bereits 2007 Werbeplakate gegen die lockere Hosenmode. Mancherorts wurde sogar schon darüber nachgedacht, «Baggy Pants» gesetzlich zu verbieten. Allerdings gab es immer wieder Bedenken bezüglich der Rechtmässigkeit einer solchen Regelung.

Empörung in der U-Bahn

Trotz aller Bemühungen hat die Hosenmode bislang überlebt, und Senator Adams will nun entschieden dagegen vorgehen. Seinen Entschluss fasste er vor einigen Monaten nach einer Fahrt mit der U-Bahn. Einer der Fahrgäste trug äusserst tiefsitzende Hosen. «In der Bahn haben alle Menschen diesen Mann angestarrt und mit dem Kopf geschüttelt. Und keiner hat etwas dagegen gesagt», empörte sich der Senator jüngst in einem Interview.

Adams, ein ehemaliger Polizist, hat daher 2.000 Dollar (1.500 Euro) aus seiner Wahlkampfkasse in Werbeplakate gegen die kontroverse Hosenmode investiert. In einem YouTube-Video zeigt er rassistische Karikaturen von Schwarzen und Bilder von tiefsitzenden Hosen. Adams, selbst ein Schwarzer, will damit zum Ausdruck bringen, dass die «Baggy Pants» beunruhigende Klischees und Vorurteile nähren.

«Ich finde, es gibt gerade wichtigere Dinge»

Die tiefsitzenden Hosen gingen auf eine Praxis an US-Gefängnissen zurück, Häftlingen den Gürtel abzunehmen, sagt der Mode-Dozent Mark-Evan Blackman vom New Yorker Fashion Insitute of Technology. Ursprünglich hätten junge Männer versucht, sich mit dem Look einer Gefängniskluft Respekt auf der Strasse zu verschaffen. Mittlerweile hat sich der Hosentrend auch auf die Vorstädte der Mittelschicht ausgebreitet. Das geht so weit, dass Blackman seine Mode-Studenten häufig bitten muss, den Hosenbund etwas höher zu ziehen.

Die Werbeaktion von Senator Adams wird aber nicht überall begrüsst: «Ich finde, es gibt gerade wichtigere Dinge, als dass bei jemandem die Hose tief sitzt», sagt der 27-jährige James Scott aus Brooklyn - dessen Hose ungezwungen niedrig auf den Hüften hängt.

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