Aktualisiert 10.04.2020 13:28

Kampf gegen Coronavirus«Ziel könnte eine gelenkte Durchseuchung sein»

Die Ausbreitung des Virus belastet die Wirtschaft schwer. Ökonom Reiner Eichenberger sagt, was jetzt helfen könnte.

von
Dominic Benz
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Wie können wir den Schaden für die Wirtschaft klein halten? Der Ökonom Reiner Eichenberger sagt zu 20 Minuten: «Das Ziel könnte also eine klug gelenkte Durchseuchung sein.» Denn je mehr Leute das Virus gehabt hätten, desto weniger könne es sich ausbreiten und Alte und Schwache gefährden.

Wie können wir den Schaden für die Wirtschaft klein halten? Der Ökonom Reiner Eichenberger sagt zu 20 Minuten: «Das Ziel könnte also eine klug gelenkte Durchseuchung sein.» Denn je mehr Leute das Virus gehabt hätten, desto weniger könne es sich ausbreiten und Alte und Schwache gefährden.

Reto Oeschger
Liestal BL, 8. März 2020: In der Schweiz gibt es den zweiten Todesfall infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. Ein Mann verstarb im Spital in Liestal an den Folgen der Infektion.Der Kanton Basel-Landschaft informierte am Sonntagnachmittag über die Hintergründe.

Liestal BL, 8. März 2020: In der Schweiz gibt es den zweiten Todesfall infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. Ein Mann verstarb im Spital in Liestal an den Folgen der Infektion.Der Kanton Basel-Landschaft informierte am Sonntagnachmittag über die Hintergründe.

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Es handelt sich um einen 76-jährigen Mann, der bereits an zahlreichen Vorerkrankungen litt. Er hatte Herzprobleme, Diabetes und habe in der jüngeren Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten.

Es handelt sich um einen 76-jährigen Mann, der bereits an zahlreichen Vorerkrankungen litt. Er hatte Herzprobleme, Diabetes und habe in der jüngeren Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten.

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Wie schwer schädigt das Virus unsere Wirtschaft?

Das hängt davon ab, wie wir auf das Virus reagieren. Es sind die Reaktionen, die schlimme wirtschaftliche Folgen haben, nicht das Virus selber. Die Reise- und Veranstaltungsverbote verursachen immense Kosten. Das totale Ausbremsen der Wirtschaft ist übertrieben. Die Frage ist: Wäre eine Vorwärtsstrategie nicht besser?

Wie meinen Sie das?

Gesunde aktive Erwachsene könnten sich gezielt anstecken. Je mehr Leute das Virus gehabt haben, desto weniger kann es sich ausbreiten und Alte und Schwache gefährden. Denn offenbar ist die Chance klein, dass man am Virus nochmals erkrankt. Das Ziel könnte also eine klug gelenkte Durchseuchung sein.

Wir sollen uns absichtlich krank machen?

Noch haben wir keine Impfung, darum brauchen wir Leute, die das Virus bereits gehabt haben und so «wie geimpft» sind. Für die meisten von uns ist Corona ja überhaupt nicht schlimm. Daher wäre es vielleicht richtig, dass die unter 65-Jährigen sich möglichst schnell infizieren, 14 Tage zuhause bleiben und dann wieder arbeiten, festen und reisen.

Das gefährdet aber die älteren Menschen?

Nein, im Gegenteil. Momentan wird alles ausgebremst, um diese Risikogruppe zu schützen. Doch das Virus wird die älteren Menschen sowieso erreichen. Und dann haben wir kaum Leute, die sie pflegen können ohne sich selbst und dann auch andere anzustecken. Daher müssen wir überlegen, jetzt Junge vorbeugend und gezielt zu durchseuchen.

Ziel ist doch momentan, eine Ausbreitung hinauszuzögern

Die Strategie der Regierungen ist Hinausschieben. Ich fürchte, dass sie die Nutzen davon über- und die Kosten unterschätzen. Um die Alten so wirklich zu schützen, dürften wir sie sehr lange nicht mehr besuchen und müssen das Pflegepersonal in Mondanzüge stecken. Wenn man ständig versucht, sich nicht anzustecken, ist das ein riesiger Aufwand und verschlingt immense Kosten.

Eine gezielte Durchseuchung ist wenig realistisch.

Ja, vorläufig. Noch fehlt der Regierung der Mut dazu. Aber wenn mal tausend Junge den Virus hatten und sich eigentlich wieder völlig frei bewegen könnten, dürfte der Ruf nach gezielter Durchseuchung schnell wachsen.

*Reiner Eichenberger ist Ökonom und Wirtschaftsprofessor an der Universität Freiburg

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