Aktualisiert 02.07.2015 05:01

Rauchverbot zum Schutz der Kinder«Zigaretten haben auf dem Spielplatz nichts verloren»

Raucher müssen auf Frankreichs Spielplätzen seit Kurzem aufs Rauchen verzichten. Dies findet auch bei Schweizer Politikern und Tabakgegnern Anklang.

von
B. Zanni
EVP-Nationalrätin Maja Ingold ist der Meinung, dass Zigaretten auf Spielplätzen zum Schutz der Kinder nichts verloren haben.

EVP-Nationalrätin Maja Ingold ist der Meinung, dass Zigaretten auf Spielplätzen zum Schutz der Kinder nichts verloren haben.

Zuschauen, wie der Sprössling die Rutschbahn heruntersaust und dabei genüsslich an einer Zigarette ziehen: Dafür kassiert man in Frankreich jetzt eine saftige Busse. Seit Dienstag ist das Rauchen in Frankreich auf allen Kinderspielplätzen verboten. Dazu gehören auch die Spielplätze in speziell für Kinder vorgesehenen Freizeitbädern und Freizeitparks. Wer mit einem Glimmstängel erwischt wird, muss 68 Euro hinblättern. Das Verbot stammt aus der Feder der Gesundheitsministerin Marisol Touraine. Sie will damit ein deutliches Zeichen gegen den Tabakkonsum setzen und die Kinder vor Passivrauchen schützen. Zudem verfolgt sie ein hehres Ziel: «Jetzt soll die erste Generation Nichtraucher heranwachsen.»

Das strikte Vorgehen trifft bei Schweizer Tabakgegnern auf Interesse. «Kinderspielplätze sind keine Orte, wo geraucht werden soll», betont Thomas Beutler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz. Er plädiert für ein entsprechendes Verbot auf kantonaler oder Gemeindeebene. Ein Dorn im Auge sind der Arbeitsgemeinschaft die Zigarettenstummel. «Die Gefahr, dass Kinder die Stummel in den Mund nehmen, ist gross», sagt Beutler. Im besten Fall erbreche das Kind den Zigarettenstummel. Die Chance, dass es daran sterben könne, bestehe. Die Raucher würde er auch wegen des Vorbildcharakters der Erwachsenen von den Spielplätzen verbannen. «Es ist erwiesen, dass Kinder mit einem rauchenden Elternteil eher zu rauchen beginnen als andere.» Um wirksam gegen Paffer vorzugehen, würde Beutler Bussen einführen.

Politiker begrüssen Verbot

Auch Vertreter aus der Politik könnten sich mit einem Rauchverbot anfreunden. EVP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Maja Ingold teilt die Ziele der französischen Gesundheitsministerin. «Es ist wichtig, dass die Kinder so selten wie möglich mit dem Zigarettenkonsum in Kontakt kommen», sagt sie. Ihrer Ansicht nach hat «kein einziger Zigarettenstummel etwas auf einem Spielplatz verloren». Die Aschenbecher würde sie aus den Spielplätzen verbannen. «Alles andere lädt zum Rauchen ein.» Rauchenden Eltern empfiehlt Ingold, das Familien- und Erwachsenenleben konsequent zu trennen. «Die Eltern trinken im Kinderzimmer ja auch nicht Whiskey.»

SP-Nationalrätin Silvia Schenker hält die französische Gangart für einen «interessanten Gedanken», würde aber weniger strikt vorgehen. «Angebracht fände ich, das Rauchen nur klar an für Kinder bestimmten Orten zu verbieten, etwa rund um den Sandkasten.» Ein striktes Verbot erscheint ihr kontraproduktiv. «Gehen Raucher nicht mehr auf den Spielplatz, bestraft man die Kinder.»

«Grillieren wäre ebenso gefährlich»

SVP-Nationalrat und Gesundheitspolitiker Sebastian Frehner bezeichnet das Zigi-Verbot als «daneben». «Dann dürfte man wegen des Rauchs auch nicht mehr draussen grillieren, weil ein Kind ja auch ein Stück Kohle in den Mund nehmen könnte.» Er verurteilt den zunehmenden Eingriff in die Freiheit. «Als Nächstes darf man wegen der Kinder nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden rauchen.» Laut dem Politiker müssen die Raucher ihre Selbstverantwortung wahrnehmen.

Auch die Lungenliga sieht keinen Handlungsbedarf. «Wir sprechen uns gegen das Passivrauchen in geschlossenen Räumen aus», betont Sprecherin Barbara Weber. Im Freien sei das Passivrauchen kein Problem. Wichtiger ist der Lungenliga, dass rauchende Eltern zu Hause verantwortungsvoll umgehen. «Gut geschützt sind die Kinder, wenn die Eltern nicht drinnen, sondern immer auf dem Balkon rauchen.»

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