Erhöhung der Tabaksteuer: Zigaretten im Ausland kaufen wird attraktiv
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Erhöhung der TabaksteuerZigaretten im Ausland kaufen wird attraktiv

Der Bundesrat erhöht den Zigarettenpreis um 20 Rappen pro Packung. Mehreinnahmen bringt das möglicherweise nicht, weil die Zigaretten in den Nachbarländern billiger sind.

von
Lukas Mäder
Der tiefe Eurokurs macht den Einkauf im Ausland für Raucher attraktiv: Zigarettenpackungen in Deutschland.

Der tiefe Eurokurs macht den Einkauf im Ausland für Raucher attraktiv: Zigarettenpackungen in Deutschland.

Rauchen in der Schweiz wird teurer. Der Bundesrat hat am Freitag beschlossen, die Tabaksteuer zu erhöhen. Ab 1. Januar 2011 kostet eine Packung Zigaretten 20 Rappen mehr. Diese Preiserhöhung auf 7.40 Franken in der meistverkauften Preisklasse soll auch der Bundeskasse zugute kommen. Der Bundesrat rechnet im nächsten Jahr mit Mehreinnahmen von 50 Millionen Franken. Doch diese Prognose könnte sich als zu optimistisch erweisen. Schuld daran ist der tiefe Eurokurs. Dieser könnte Raucher vermehrt dazu verleiten, im benachbarten Ausland Zigaretten einzukaufen.

Mit der jüngsten Erhöhung zieht der Schweizer Zigarettenpreis mit dem teuersten Nachbarland Frankreich gleich. In den übrigen Nachbarländern sind die Zigaretten laut Angaben der Oberzolldirektion künftig billiger. Die Preise liegen in Österreich mit umgerechnet 5.30 Franken und Italien mit 6 Franken deutlich unter dem Schweizer Niveau. Und dank des tiefen Eurokurses sind die Zigaretten sogar in Deutschland mit 6.60 Franken pro Packung leicht billiger. «Unsere Sorge ist, dass bei einer anhaltenden Euroschwäche die Mehreinnahmen der Tabaksteuer nicht erreicht werden könnten», sagt Stefan Schmidt, Leiter Tabak- und Bierbesteuerung, zu 20 Minuten Online. Denn die Prognose von 50 Millionen Franken Mehreinnahmen im nächsten Jahr hat die Oberzolldirektion noch auf Basis eines Eurokurses von 1.45 Franken gemacht. Derzeit liegt der Devisenkurs bei 1.31 Franken.

Koordinierter Preisanstieg

Der tiefere Eurokurs dürfte nun auf die Verkaufszahlen in der Schweiz drücken. Bereits bei einem Eurokurs von 1.45 Franken rechnet die Oberzolldirektion mit einem Verkaufsrückgang von 4 Prozent im nächsten Jahr. Diese Zahl könnte höher liegen, wenn mehr Schweizer wegen der tiefen Preise im Ausland und weniger Franzosen in der Schweiz Zigaretten einkaufen, wie Schmidt sagt. «Mit diesem Phänomen muss man leben, wenn man die Tabaksteuer erhöht.» Für die nächste Zeit ist laut Schmidt kein weiterer Aufschlag geplant. Der Preisanstieg müsse koordiniert mit den Nachbarländern erfolgen.

Kaum organisierte Kriminalität

Mindereinnahmen drohen der Tabaksteuer grundsätzlich auch durch Schmuggel. Doch die Zigarettenpreise scheinen in der Schweiz noch nicht so hoch zu sein, dass sich dieses kriminelle Geschäft lohnen würde. «Wir schätzen, dass unter 5 Prozent der hierzulande konsumierten Zigaretten illegal eingeführt wurden», sagt Stefan Schmidt von der Oberzolldirektion. Damit herrschen in der Schweiz noch lange keine Zustände wie beispielsweise in Deutschland, wo laut Schmidt je nach Region 20 bis 50 Prozent der Zigaretten illegal eingeführt werden.

Zudem findet der Schmuggel hauptsächlich durch Privatpersonen statt, wie Schmidt sagt. Es gebe viele kleine Fälle. «Die organisierte Kriminalität scheint sich weniger für dieses Geschäft zu interessieren», sagt Schmidt. Genaue Zahlen über die Anzahl Fälle von Schmuggel hat die Oberzolldirektion nicht, da die kleinen Fälle über ein vereinfachtes Verfahren mit einer Busse abgewickelt werden. Es gebe aber tendenziell eine Zunahme von Schmuggel in den letzten Jahren, sagt Schmidt. Diese Entwicklung werde beobachtet. (mdr)

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